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    Mitarbeiter der französischen Firma Total (Symbolbild)

    10 Mio. Tonnen Öl über „Druschba“ nach Deutschland: Rosneft und Total schließen Deal

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    Rosneft hat einen Zweijahresvertrag mit der französischen Firma Total abgeschlossen, laut dem der russische Ölriese von 4,8 bis 10,8 Millionen Tonnen Öl über die Druschba-Pipeline nach Deutschland liefern wird. Der Sicherheitsexperte Igor Juschkow spricht von einem Meilenstein in der Entwicklung der russischen Energiebranche.

    Allein auf Öllieferungen ist das Abkommen aber nicht beschränkt. Es ist mit den Erklärungen der Rosneft-Führung darüber verbunden, dass sie einen Zweig der Pipeline Druschba (dt.: Freundschaft) verlängern will, die von der Sowjetunion für Öllieferungen an europäische Länder gebaut worden war.

    Druschba besteht aus zwei Teilen: Der nördliche Teil verläuft durch Weißrussland und Polen bis nach Westdeutschland, der südliche Teil geht via Westukraine an Ost- und Mitteleuropa. In diesem Fall geht es gerade um die nördliche Richtung dieser Pipeline.

    Dabei stellt sich die Frage, ob dieses Projekt praktische Aussichten hat angesichts der Tatsache, dass Polen heute neben der Ukraine und den baltischen Ländern der aktivste Kritiker des Projekts Nord Stream 2 ist.

    Zudem darf das US-Gesetz CAATSA nicht vergessen werden, das dieses Projekt mit Sanktionen belegen kann.

    Igor Juschkow vom russischen Fonds für nationale Energiesicherheit kam in einem Gespräch mit dem Portal „rueconomics“ zu dem Schluss, dass dieses Projekt tatsächlich sehr gute Aussichten habe, weil die Ölbranche viel weniger politisiert sei als die Gasbranche.

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    „Die Ölbranche ist viel weniger politisiert als die Gasbranche, das ist objektiv. In der Gasbranche werden regelmäßig Verträge unterzeichnet, die zwar theoretisch an den Spotmarkt, also an Standard-Preise angekoppelt werden können, doch oft werden da Bedingungen individuell festgeschrieben“, so der Experte.

    Ihm zufolge hat Öl im Unterschied zu Gas einen globalen Markt, in dessen Rahmen die Preise bestimmt und Deals zwischen Lieferanten und Endverbrauchern abgeschlossen werden.

    „Angesichts dessen ist der politische Faktor in dieser Frage viel weniger bedeutend als der wirtschaftliche Faktor, was dazu führt, dass es hier deutlich weniger Schwierigkeiten als bei dem modernen Gas-Thema gibt“, ergänzte der Experte.

    EU konsumiert mehr russisches Öl als Gas

    Laut dem Experten wissen viele einfach nicht, dass der Anteil des russischen Öls auf dem europäischen Energiemarkt deutlich höher als der russische Gasanteil ist. Dabei stoße das nicht auf solch erbitterte Kritik wie die Tatsache, dass wir es heute mit der Verstärkung der Positionen Gazproms im Energiegleichgewicht der EU zu tun haben.

    Gazprom baute im letzten Jahr seine Präsenz in der EU aus, wobei sein Anteil am europäischen Gasverbrauch auf 33-34 Prozent stieg, was eine wahre Hysterie seitens einzelner europäischer Länder und Politiker auslöste.

    „Zudem soll nicht vergessen werden, dass Russland ein traditioneller Gaslieferant auf den europäischen Markt ist, einschließlich Deutschland, weshalb diese Initiative von Rosneft dort vollständiges Verständnis bekommen wird“, so Juschkow.

    Außerdem müssen laut ihm die Europäer heute sogar um das russische Öl konkurrieren, weil immer mehr Öl an asiatische Märkte gehe, weshalb eine solche Initiative den europäischen Interessen wohl entspreche.

    „Hier gibt es einen objektiven wirtschaftlichen Aspekt: Die Ölpreise sind in Asien höher als in Europa. Also falls Öl in Westsibirien gefördert wird, ist es oft gewinnbringender, es nach China als nach Europa zu liefern. Damit sind diese Projekte Rosnefts äußerst vorteilhaft“, erläuterte Juschkow.

    Darüber hinaus gebe es einen Unterschied zwischen den Sorten: In Westsibirien werde schwefelreiches Öl gewonnen, das viel teurer als die Wolga-Sorte Urals sei, das gerade vor allem an Europa via Druschba fließe. Nur bei solchen Lieferungen werde Öl vermischt und nach Urals-Preis verkauft. Rosneft mache bei diesem Projekt große Zugeständnisse gegenüber den Europäern.

    „In vielerlei Hinsicht ist ein Teil der Stränge der Pipeline Druschba jetzt deswegen nicht hundertprozentig im Einsatz“, so Juschkow.

    So müsse man sich keine Sorgen über die Politik machen, weil die Deutschen tatsächlich an garantierten Öllieferungen aus Russland interessiert seien. Und es seien gerade sie, die sich in erster Linie Gedanken darüber machen sollten, dass die Pläne Rosnefts umgesetzt werden, so der Experte.

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    Deswegen sollte es da keine Schwierigkeiten geben, zumal Rosneft bei diesem Projekt keine ausländischen Aktiva in Europa kaufen werde. Denn die EU sei besorgt gewesen, als die russischen Unternehmen zahlreiche Ölraffinerien in EU-Ländern kauften.

    Was die Struktur einer solchen Ölpipeline betreffe, so werde sie sicher über das Festland verlaufen, so Juschkow, denn Öl sei im Unterschied zu Gas kein umweltfreundlicher Rohstoff, weshalb man wohl ohne Polen in diesem Projekt nicht auskommen könne.

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    Abkommen, Öllieferung, Bau, Markt, Gas, Pipeline, Gasleitung Druschba, Total, Rosneft, Deutschland, Frankreich, Russland