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    US-Finanzhegemonie in Gefahr: Analyst zu „Russlands exotischer Waffe“ im Devisenkrieg

    © REUTERS / GLOBAL BUSINESS WEEK AHEAD/ Andrew Nelles
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    Russland nutzt seinen Haushaltsüberschuss als eine neue exotische Waffe im Devisenkrieg mit dem Westen aus, findet der US-amerikanische Analyst John Rubino, Redakteur von dollarcollapse.com und Autor der Bücher „Money bubble“ und „The collapse of the dollar – and how to profit from it“.

    Russland bekommt mehr Öleinnahmen als erwartet

    „Die Ölpreise steigen, und das ist offensichtlich eine gute Nachricht für diejenigen, die es uns verkaufen. Russland profitiert davon dermaßen stark, dass Moskaus Steuereinnahmen, soweit ich verstehe, seine Ausgaben übertreffen. Damit hat das Land einen sogenannten ‚Haushaltsüberschuss‘, der eine Art Waffe im Devisenkrieg ist und für eine Verbesserung der geopolitischen Lage des Landes eingesetzt werden könnte“, schrieb der Experte.

    Hier eine Übersicht von der Webseite Oil Price: Dank dem Wachstum der Ölpreise wird erwartet, dass Russlands Einnahmen für den Öl- und Gasexport sich im Vergleich zu den Zahlen, die im Haushalt 2018 stehen, verfünffachen. Das teilte das Finanzministerium in Moskau mit, das inzwischen zum ersten Mal seit 2011 einen Haushaltsüberschuss prognostiziert. Auf den Öl- und Gasexport entfallen etwa 40 Prozent aller Haushaltseinnahmen Russlands.

    Laut einem Entwurf von Novellen zum Haushalt 2018 werden Russlands Einnahmen aus dem Rohstoffexport in diesem Jahr voraussichtlich 44,4 Milliarden Dollar (statt der vorher geplanten 8,5 Milliarden Dollar) betragen.

    Wegen der überraschend hohen Ölpreise könnte der russische Haushalt tatsächlich zum ersten Mal seit Anfang der 2010er Jahre einen Überschuss von 0,45 Prozent vom BIP haben. (Zuvor hatte die Regierung mit einem Defizit von 1,3 Prozent vom BIP gerechnet.) Damals war man von einem Preis für die Urals-Ölsorte von ungefähr 40 Dollar pro Barrel ausgegangen. Aber zwischen Januar und April belief sich der Preis auf etwa  66,15 Dollar.

    Russlands Zentralbank kauft „aggressiv“ Gold

    Russische Medien berichteten zuletzt ebenfalls, dass „zusätzliche Öl- und Gaseinnahmen“, die das Land dank den höheren als erwartet Preisen bekomme, „nicht ausgegeben, sondern reserviert“ würden.

    „Dadurch könnte eine Art ‚Airbag‘ für den Fall entstehen, dass es in der Welt makro- oder geopolitische Erschütterungen gibt“, erläuterte der Chefanalyst von Citi in Moskau, Iwan Tschakarow, gegenüber Reuters.

    Einer der Wege zum Einsatz  dieser „Waffe“ wäre Gold zu kaufen. Die russische Zentralbank befasst sich schon damit: In den letzten drei Jahren sind Russlands Goldreserven um nahezu 500 Tonnen gewachsen – und das trotz des Haushaltsdefizites. 

    Und jetzt, wenn es möglicherweise einen Haushaltsüberschuss haben wird, lässt sich durchaus vermuten, dass Moskau noch intensiver Gold kaufen wird. Fazit: Die mit Gold bekräftigten Devisenvorräte wären vor dem Hintergrund der restlichen Fiatwährungen für die finanzielle Hegemonie der USA noch gefährlicher als das militärische Arsenal des Kremls.

    „Noch mehr als das: Der russische Präsident Wladimir Putin sagte vor einigen Tagen, Russland überlege sich verschiedene Wege zur ‚Befreiung‘ von der Dollar-Last beim Ölhandel im Rahmen eines Plans zur Festigung seiner wirtschaftlichen Souveränität“, so Tschakarow.

    „Mit dem Öl wird an der Börse für Dollar gehandelt“, so der Staatschef. „Und natürlich denken wir daran, was wir tun könnten bzw. sollten, um diese Last loszuwerden.“

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    Tags:
    Kampf, Hegemonie, BIP, Gaslieferungen, Ölpreis, Ölvorkommen, Gold, Zentralbank, Wladimir Putin, USA, Russland
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