19:48 19 Juni 2018
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    Russlands Wladimir Putin (l.) und Bundeskanzlerin Angela MerkelRusslands Wladimir Putin (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel

    Hätte er Merkel doch abgeknutscht: Wenn Unwissen über Putin Schlagzeilen macht

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    Gute Stimmung zwischen deutschen und russischen Spitzenpolitikern hält die „Bild“ offenbar nicht aus. Wo ein Blumenstrauß ein Gespräch zwischen Putin und Merkel anbahnt, da erkennt das Blatt eine Beleidigung. Aber vielleicht wissen die „Bild“-Redakteure einfach nicht, dass Blumen in der russischen Politik zum guten Ton gehören?

    Ihren Amtskolleginnen sollen die führenden Weltpolitiker die Hände schütteln, statt sie mit Blumen zu beleidigen, schrieb die „Bild“-Zeitung nach dem Treffen von Putin und Merkel in Sotschi sinngemäß. Wie verhält es sich eigentlich mit dieser Regel, wenn der US-Präsident die Bundeskanzlerin bei einem Treffen förmlich abknutscht, wie kürzlich geschehen?… Doch wie dem auch sei: Solcherart Journaille sei überhaupt keine Erwähnung wert, weil sie ihre Artikel „eigens dafür schreibt, um die antirussische Hysterie weiter anzuheizen“, sagt der Jurist und Politologe Nikolai Topornin vom Moskauer Institut für Internationale Beziehungen.

    Der Experte blickt auf lange internationale Erfahrung zurück und kennt sich mit Fragen des richtigen Umgangs unter Spitzenpolitikern aus. Er erklärt: „In Russland ist es üblich, Damen mit Blumen zu beschenken. Darin ist weder Negatives noch irgendeine Anspielung enthalten. Es ist einfach so, dass es in unserem Land ein Protokoll gibt, das im Rahmen jedes diplomatischen Treffens erfüllt wird.“

    Möglicherweise wüssten die „Bild“-Redakteure um die Existenz dieser Regel in Russland einfach nicht und würden deshalb aus einer Mücke einen Elefanten machen, bemerkt Topornin. Putin habe jedenfalls das getan, was jede Amtsperson hätte tun müssen, die Russland international repräsentiert. Ein Treffen in Russland verlaufe nun mal gemäß den Normen, die in Russland gelten. „Eine Kritik wie jetzt mit der ‚Bild‘ spielt hierbei keine wesentliche Rolle.“

    Überhaupt sieht die Aufregung über Putins Blumen an Merkel gekünstelt aus, angesichts eines der zahlreichen Entgleisungen, die sich US-Präsident Trump kürzlich erlaubt hat. Der Experte erinnert an den Besuch des französischen Präsidenten Macron in Washington, als „der US-Staatschef persönlich von Macrons Anzug irgendwelchen Staub oder möglicherweise sogar Schuppen" entfernte.

    >>Mehr zum Thema: Putins Blumen für Merkel: „Bild“ sieht darin Beleidigung

    Davon abgesehen, sind doch die Ergebnisse des Treffens von Putin und Merkel entscheidend. Die Ergebnisse seien in den Fokus zu nehmen, statt darauf zu schauen, wer wem was geschenkt habe, so der Experte. Sehr viel wichtiger sei die Tatsache, „dass nach Putins Wiederwahl eine europäische Ausrichtung in der russischen Politik zu erkennen ist“, betont der Politologe. Vor Merkels Sotschi-Reise waren deren Wirtschafts- und Außenminister, Peter Altmaier und Heiko Maas, auch in Russland zum Arbeitsbesuch.

    Weitere Staatsgäste werden in Russland in den kommenden Tagen erwartet. Der französische Präsident Macron zum Beispiel reist zum Wirtschaftsforum nach St. Petersburg. Und der bulgarische Präsident Rumen Radew besucht Wladimir Putin in Kürze in Sotschi. „Dabei hat dieses Land ja derzeit den EU-Vorsitz inne“, betont der Experte. Die beiden Präsidenten werden unter anderem über die Gaspipeline Turkish Stream und das Kernkraftwerk Belene sprechen – und auch darüber, was derzeit auf dem Balkan sowie in der Schwarz- und Mittelmeerregion geschieht.

    Putin und Russland verfolgen eine sehr aktive Europapolitik. Das passiert nicht von ungefähr, denn diese Linie stößt auf rege Resonanz vonseiten der EU-Mitglieder, die für sich genommen den vierjährigen Sanktionskonflikt mit Russland satthaben“, sagt der Analyst. „Es hat sich ja gezeigt, dass die USA sich durch ihre Außenpolitik als Gegenseite zu allen Ländern positioniert haben, die im UN-Sicherheitsrat, in der G7 und der G20 Mitglied sind.“

    Dass die EU-Länder sich angesichts dieser Sachlage um eine Verbesserung der Beziehung zur russischen Führung bemühen, sei nicht überraschend. „Diesen Trend werden auch westliche Medien mit ihren Spielereien über Blumen und Höflichkeit nicht aufhalten können“, so der Experte Topornin.

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    Protokoll, Blumen, Treffen, Kritik, Bild, G20, G7, EU, Donald Trump, Angela Merkel, Wladimir Putin, Deutschland, Russland
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