06:52 19 Juni 2018
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    Leopard-II-Panzer der Bundeswehr (Archivbild)

    Panzer von gestern: Bundeswehr braucht mehr davon

    © AP Photo / Axel Seidemann
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    Die Bundeswehr braucht Verstärkung, wie deutsche Militärs vor gut drei Jahren erklärt haben, im April 2015. Auch eine Aufstockung der Panzertruppe müsse unbedingt sein, um den „neuen Anforderungen in der Landes- und Bündnisverteidigung“ gerecht zu werden.

    In den 1980er Jahren zählten die westdeutschen Streitkräfte über 4.800 Kampfpanzer, knapp die Hälfte davon waren Leos. Weitere 2.300 Kampfkolosse sowjetischer Bauart gingen nach der Wiedervereinigung in die Bundeswehr ein. Die aktuelle Forderung der deutschen Militärs: Die Bundeswehr sollte über 328 Kampfpanzer des Typs Leopard 2 verfügen, statt der bisherigen 225. In Verbänden gerechnet, sollte die Truppe also um zwei auf sechs Panzerbataillons erweitert werden (weitere 60 Leopard-Panzer werden zu Test- und Trainingszwecken genutzt).

    Der überwiegende Großteil der heutigen Leopard-2-Panzer der Bundeswehr (205 Stück) ist auf dem Standard 2A6 und 2A6M. Weitere 20 Einheiten sind in den Jahren 2014-15 auf den Standard 2A7 gebracht worden. Plus: 103 Ungetüme waren konserviert worden und sollten nach einer Generalüberholung wieder „einberufen“ werden.

    Im April 2016 kündigte die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) an, die Bundeswehr erhalte bis 2020 ganze 104 Leopard-Panzer in der neuesten Version 2A7V (das V steht für „verbessert“). Interessant ist, woher so viel Kampfgerät auf einmal kommen soll. Geplant ist demnach, den schwedischen und niederländischen Streitkräften ihre älteren Leos (2A4 und 2A6) abzukaufen und auf den neuesten Standard upzugraden. So will die Bundeswehr auch mit ihren bereits vorhandenen 2A7 verfahren.

    2017 präzisierte das Bundesverteidigungsministerium übrigens, die Panzer würden nicht bis, sondern ab 2020 geliefert. Dafür sei bereits ein Modernisierungsvertrag im Umfang von 118 Millionen Euro mit den Rüstungskonzernen Rheinmetall und KMW unterzeichnet worden.

    Weg in die Zukunft?

    Das derzeitige Leopard-2-Modell soll eine ganze Reihe von Verbesserungen erhalten, darunter die Glattrohrkanone L55A1, die die Firma Rheinmetall seit 2004 entwickelt. Eigens für dieses Geschütz entsteht derzeit ein panzerbrechendes Geschoss, das um 20 Prozent effektiver sein soll. Dazu erhält der 2A7V eine verbesserte Optronik sowie optimierte Feuerleit- und Kommunikationssysteme. Der Minenschutz wird verstärkt, der Rumpf erhält einen multispektralen Tarnanstrich.

    German Bundeswehr armed forces soldiers of the 371st armoured infantry battalion march during a media day of the NATO drill 'NOBLE JUMP 2015' at the barracks in Marienberg April 10, 2015
    © REUTERS / Fabrizio Bensch/File Photo

    Die restlichen Parameter einschließlich der Panzerung bleiben indes unverändert, sodass die Kampfkraft der modernisierten Ungetüme sich nur unwesentlich verbessern dürfte. So muss auch die neueste Version des Leopard-2 auf Lenkwaffen zur Panzerabwehr verzichten. Russische Kampfpanzer werden schon seit 1975 mit derlei Waffensystemen ausgerüstet.

    Im Großen und Ganzen genießt der Leopard-2 einen Ruf als zuverlässiges Kampfgerät. Wobei die jüngsten Einsätze dieses Panzers durch die türkischen Streitkräfte im Norden Syriens dieses Image ramponiert haben dürften. Dort haben kurdische und islamistische Guerillas die türkischen Leos mehrmals erfolgreich bekämpft – und zwar mit Panzerabwehrwaffen, die längst nicht mehr die neuesten sind.

    Um die Parameter und Kampfeigenschaften eines Panzers grundlegend zu verändern, bedarf es eben eines Übergangs zur nächsten Technikgeneration: grundlegend neue Feuerleitsysteme, eine gepanzerte Kapsel für die Crew, ein unbemannter Waffenturm, integrierter Aktivschutz – all das ist im neuesten russischen T-14 Armata bereits Realität.

    Um die Entwicklung eines künftigen europäischen Kampfpanzers zu stemmen, haben der deutsche Rüstungskonzern KMW und sein französischer Konkurrent Nexter im Sommer 2015 ein internationales Konsortium gegründet. Ab 2025 soll zunächst das Konzept eines Main Ground Combat System (MGCS) entwickelt werden, bevor 2030 die ersten einsatzfähigen Kampffahrzeuge in die Kasernen rollen. Ein weiter Weg in die Zukunft für europäische Rüstungsfirmen.

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    Tags:
    Produktion, Herstellung, Wiederaufnahme, Leopard-2-Panzer, Bundeswehr, CDU, Ursula von der Leyen, Türkei, Syrien, Deutschland