14:03 23 April 2019
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    Russische Su-57-Kampfjets bei der internationalen Luftfahrtmesse MAKS (Archivbild)

    Strategische Wende: Russische Su-57-Kampfjets können Türkei aus Nato-Sackgasse helfen

    © AFP 2019 / Dmitry Kostyukov
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    Vorerst ist nicht klar, ob die Türkei tatsächlich russische Kampfjets Su-57 (fünfte Generation) statt US-amerikanischer F-35 kaufen wird, meint Viktor Nadejin-Rajewski, Direktor des russischen Instituts für politische und soziale Forschungen und Experte des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen.

    Türkische Medien berichteten jüngst, dass Ankara russische Kampfjets kaufen könnte, falls die USA ein Verbot den russisch-türkischen Deal zum Kauf von S-400 Raketen verhängen sollten.

    Allerdings sagten offizielle Vertreter der Regierung in Ankara vorerst nichts zu dieser Angelegenheit.

    Ankaras schmerzhafte Reaktionen auf westliche Sanktionen

    Eine andere Frage ist aber, dass es im Grunde offensichtlich ist, in welche Richtung die Türkei in letzter Zeit beim Ankauf von Waffen tendiert: Sie bemüht sich darum, die Waffenlieferungen von der Nato (sprich von den USA) maximal zu differenzieren. Aus dieser Sicht wäre ein Su-57-Deal durchaus logisch.

    Das wäre ein herber Schlag gegen die Interessen der USA und der gesamten Allianz. Denn das F-35-Modell gilt als künftiger „Basis-Kampfjet“ der Nato-Fliegerkräfte, und deshalb ist diese Richtung für das Pentagon viel wichtiger als der türkische S-400-Deal

    „Genauso wie Russland, wird die Türkei einem Sanktionsdruck seitens der USA und anderer westlicher Länder ausgesetzt, auch wenn dieser wesentlich geringer ist. Darauf reagiert Ankara sehr schmerzhaft“, stellte Nadejin-Rajewski fest.

    Türkei hat vorerst nicht vor, Su-57-Kampfjets zu kaufen

    Angesichts dessen suchen die Türken nach Antworten auf diese Politik Washingtons. Zum ersten Mal war das an dem Abkommen mit Russland über die Lieferung von Raketenkomplexen S-400 zu sehen.

    Das ließ man sich in Übersee wirklich nicht gefallen. Denn erstens wurde damit klar, dass Ankara keine US-Raketen Patriot kaufen wird. Und zweitens signalisierte es damit seine Selbstständigkeit im militärtechnischen Bereich, was ebenfalls ein großer Schlag gegen die Politik Washingtons und der Nato ist.

    „Aber wenn die Amerikaner das Thema Sanktionen gegen die Türkei aufwerfen, drohen die Türken sofort im Gegenzug, Waffenlieferanten in dritten Ländern statt der jetzigen amerikanischen zu finden, und meinen dabei vor allem Russland. Für diese Spekulationen passt dieses Thema bestens, wenn man den aktuellen Kontext der Beziehungen zwischen Washington und Moskau bedenkt“, resümierte der Politologe.

    Allerdings sollte man nicht glauben, dass die Behörden in Ankara diese Frage derzeit ernsthaft in Betrachtung ziehen, ergänzte er. 

    Eher ein hypothetischer Deal

    „Vorerst wird darüber nur gesprochen, aber nichts getan. Denn es gab noch nicht einmal Informationen, dass die Türken mit russischen Lieferanten über einen solchen Deal geredet hätten. Außerdem plant Russland keine Exportlieferungen solcher Kampfjets. Deshalb ist das nichts als politische Rhetorik, die für Ankara typisch ist“, so Nadejin-Rajewski.

    Was den Export von Kampfjets der fünften Generation angeht, so plante Russland bisher höchstens die Entwicklung der FGFA-Plattform, einer Modifikation des T-50-Modells, auf dessen Basis der Su-57 entwickelt wurde. Diese Plattform wäre für die Streitkräfte Indiens bestimmt. Aber dieses Projekt wurde aus verschiedenen Gründen vorerst auf Eis gelegt.

    Also könnte es bestenfalls um künftige Verhandlungen zwischen Moskau und Ankara über die Lieferungen dieser Technik an die Türkei gehen, konstatierte Nadejin-Rajewski.

    Für Russland wäre ein solches Abkommen nützlich, weil das Su-57-Modell unter anderem als potenzielles Exportprodukt entwickelt wurde, das mit den amerikanischen F-35-Maschinen konkurrieren würde.

    Der Deal könnte künftig infrage kommen

    „Eine andere Sache ist, dass man vorerst von Versuchen der Türken zu Gegenschlägen angesichts des Vorgehens der USA sprechen kann. Das ist Ankaras ‚Standardpolitik‘, die die Türken schon öfter gegenüber ihren Partnern ausübten“, so der Experte weiter.

    Erwähnenswert seien in diesem Kontext die „Spiele“ der Türken beim Verzicht auf russischen Weizen, als Ankara die für seine Agrarproduzenten nötigen Präferenzen im Rahmen der Abschaffung der russischen Sanktionen aushandeln wollte.

    Türkei kann russische Su-57 statt amerikanischen F-35 kaufen
    © Sputnik / Witali Podwizkij
    Türkei kann russische Su-57 statt amerikanischen F-35 kaufen

     

    „Aber generell gibt es unter diesen Spekulationen eine klare Basis: Es ist offensichtlich, dass Russland zu vielen Schritten zwecks militärpolitischer Annäherung mit der Türkei bereit wäre. Das ist durchaus logisch, wenn man bedenkt, wie aussichtsreich der türkische Rüstungsmarkt im Kontext der grandiosen Pläne des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist“, sagte der Politologe.

    Deshalb könne man nicht ausschließen, dass Moskau und Ankara ein solches Abkommen treffen, falls die Türken reales Interesse für das Su-57-Modell zeigen.

    „Darüber hinaus könnte Russland dadurch einen Schlag gegen die hypothetischen militärtechnischen Sanktionen der USA gegen die Türkei versetzen, was unseren nationalen Interessen entsprechen würde, wenn man Moskaus Linie gegenüber Washington bedenkt.“

    Das würde auch den Interessen der Türkei entsprechen, die auf einer unabhängigen Außenpolitik besteht. Dann bräuchte Ankara früher oder später andere Waffenlieferanten als Alternative für US-Unternehmen.

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    Luftabwehrsysteme, Raketenabwehrkomplex, Liefervertrag, Lieferung, Kampfjet, Waffendeal, Waffenhandel, Waffenlieferungen, S-400, Su-57, F-35, Flugabwehrraketensystem Patriot, Northrop Grumman, Boeing, Sukhoi-Konzern, EU, NATO, Donald Trump, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, USA, Türkei, Russland