05:39 19 November 2019
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    Versuchsbecken des Forschungszentrums Krylow in St. Petersburg (Archivbild)

    Seesturm im Becken: Wie Russland Modelle seiner Kampfschiffe testet

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    Im Versuchsbecken des in St. Petersburg ansässigen staatlichen Forschungszentrums Krylow werden Verhältnisse auf See simuliert, um Modelle von Kampf- und Zivilschiffen zu testen. Aufträge kommen auch aus dem Ausland.

    Wie die russische Wochenzeitung „Swesda“ berichtet, sind die im Forschungszentrum getesteten Modelle aus Holz, Kunststoff und Metall gefertigt. Wjatscheslaw Magarowski, Krylow-Abteilungschef für Hydroaerodynamik, sagte der Zeitung:

    „Die Präzision jedes Modells ist vollständig. Verschiedene Modellmaßstäbe sind möglich – beispielsweise 1:20 oder 1:40. (…) Mit Hilfe unserer Wellenmaschine können wir Seegänge erzeugen, die denen in konkreten Gebieten des Weltmeeres genau entsprechen.“

    Versuchsbecken des Forschungszentrums Krylow in St. Petersburg (Archivbild)
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    Versuchsbecken des Forschungszentrums Krylow in St. Petersburg (Archivbild)

    Reporter der Zeitung beobachteten den Schau-Test eines U-Boots. Ein zwei Meter langes Modell wurde dabei von einem Schleppwagen gezogen, der sich auf Gleisen über dem Becken bewegte. Die Wellenmaschine simulierte dabei einen Seesturm der Stärke 6.

    In einem anderen Versuchsbecken des Unternehmens finden unterdessen Tests für ein geplantes Hochsee-Kampfschiff statt. Sergej Kapranzew, Laborchef für Seetüchtigkeit von Überwasserschiffen, erläuterte, derzeit werde erst am Vorentwurf dieses Schiffs gearbeitet: „Doch wir haben bereits ein Modell im Becken getestet. Wie sich herausstellte, muss die Seitenhöhe des Schiffs vergrößert werden, damit dieses seetüchtig genug ist.“

    Der 1.324 Meter lange und 15 Meter breite Wasserkanal des Zentrums lockt dank seiner rekordverdächtigen Ausmaße auch ausländische Auftraggeber an. Kapranzew sagte:

    „Ausländer sprechen uns oft um Hilfe an. In den 1990er Jahren – während der damaligen Euphorie und Annäherung mit dem Westen – kamen sogar französische Schiffsbauer, um ein Modell des Flugzeugträgers ‚Charles de Gaulle‘ zu testen. Das war allerdings eher ein Einzelfall dieser Art – Frankreich ist ja Nato-Mitglied.“

    Laut Kapranzew bekommt das Unternehmen nun Aufträge, um Modelle chinesischer und indischer Kampfschiffe zu testen. In Sachen Zivilschiffe gab es Auftraggeber aus Italien, Singapur, Australien, Griechenland. Generell sagte Kapranzew:

    „Vor Tests mit Modellen werden Situationen derzeit zum Teil im Computer modelliert. Doch die Computerprogramme haben eine Fehlerbreite von bis zu zehn Prozent. Den Auftraggebern ist das nicht recht. Bei unseren Modellversuchen beträgt die Fehlerbreite nur ein bis zwei Prozent.“

    Dem Zentrum stehen aber weitere Test-Optionen zur Verfügung. Sergej Solowjow, Abteilungs-Vizechef für Hydroaerodynamik, kommentierte: „Mit jedem Jahr werden Schiffsprojekte immer ehrgeiziger und komplizierter – Windlasten müssen auf einem ernsthafteren Niveau berücksichtigt werden. Für diese Zwecke wurde vor drei Jahren ein grundsätzlich neuer Windkanal im Zentrum gebaut. Er ist rund 18 Meter lang, seine beispiellosen Optionen ermöglichen uns, Vorgänge in verschiedenen Atmosphärenschichten zu modellieren.“

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    U-Boote, Versuche, Tests, Schwimmbad, Kampfschiffe, Schiffbau, Flugzeugträger „Charles de Gaulle, NATO, Forschungszentrum Krylow, Frankreich, Russland, St. Petersburg