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17:26 19 Oktober 2019
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    Trumps plötzlicher Beitrag zum Erfolg des Petersburger Wirtschaftsforums

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    St. Petersburger Internationales Wirtschaftsforum (SPIEF) 2018 (25)
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    Beim diesjährigen Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg (SPIEF) waren ausländische Spitzenvertreter wie Emmanuel Macron und Shinzo Abe mit dabei – doch paradoxerweise hat auch der abwesende Donald Trump zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen. Diese Meinung äußert Kirill Koktysch, Dozent an der Moskauer Diplomaten-Uni MGIMO.

    Koktysch schreibt in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“: „Der Scherz eines SPIEF-Moderators, Trump verstehe es, die Menschen zusammenzubringen, war natürlich nur teilweise ein Scherz.“

    „Dass Trump Praktiken eines harten Business-Feilschens auf die Politik überträgt, schockiert traditionelle Partner der USA und stellt die Aufrechterhaltung der ganzen globalen politisch-wirtschaftlichen Konstruktion in Frage“, postuliert der Experte.

    Er erläutert: „Im Business-Feilschen ist es nicht unbedingt nötig, dem jeweiligen Kontrahenten zu ermöglichen, das Gesicht zu wahren. Ein solches Feilschen kann auf eine Übernahme oder auf einen Bankrott des Konkurrenten hinauslaufen. In den Beziehungen von Staaten ist dies indes in der Regel ausgeschlossen. Jeder Staat ist immer etwas wesentlich Größeres als der Politiker, durch den er momentan vertreten ist. Im Gegensatz zu einem Konzern erinnert er sich außerdem immer gut an die Geschichte – und es gelingt im Regelfall nicht, neu ‚auf grüner Wiese‘ zu beginnen.“

    >>Mehr zum Thema: So antwortet Russland auf Trumps Handelskrieg

    „Und Trump hat schon allzu viele daran gehindert, das Gesicht zu wahren. Sowohl Merkel als auch Macron bekamen von ihm bereits symbolische Ohrfeigen, als Trump kurz nach ihren Besuchen und trotz ihrer Positionen aus dem multilateralen Iran-Abkommen ausstieg“, schreibt der Experte. Er verweist auch auf die Handelsdifferenzen zwischen den USA und Japan.

    Vor diesem Hintergrund ist es nach Ansicht von Koktysch nicht erstaunlich, dass Europa und Japan nun Russland stärker ins Visier nehmen, obwohl es sich noch um keinen qualitativen Wandel handelt: „Vorerst ist das nur eine augenfällige Deklaration, die hauptsächlich von Europa ausgeht (einige Tage vor dem SPIEF hatte auch Angela Merkel Russland besucht) und an die USA gerichtet ist.“

    Die traditionellen europäischen Partner Amerikas seien nicht bereit zur Übernahme des bei Weitem nicht ehrenvollen Status, den Trump ihnen zukommen lasse. Die Botschaft über ihre Annäherung mit Russland solle nun zumindest jene Erniedrigung aufwiegen, die der US-Präsident ihnen zugefügt habe, so der Kommentar.

    Vor den US-Zwischenwahlen am 6. November werde Trump allerdings kaum den Europäern und den Japanern wesentlich entgegenkommen können, denn er gebrauche außenpolitische Aktiva, um innenpolitische Ergebnisse zu erzielen. Der Zeitraum bis Anfang November sei deshalb ein „Gelegenheitsfenster“ für die Beziehungen Russlands, Europas und Japans, meint Koktysch.

    >>Mehr zum Thema: St. Petersburger Wirtschaftsforum: Neue Rekorde trotz Sanktionen – Washington Post

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    Atomabkommen, Sanktionen, SPIEF, Donald Trump, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Iran, USA, Russland