11:02 20 September 2018
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    US-Militär hält Nationalflagge

    Silentium! US-Offizier erteilt Moskau eine Lektion in Moral

    © Foto: U.S. Air National Guard/ Tech. Sgt. Matt Hecht
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    Russland ist die Verkörperung des Bösen: unmoralisch, grausam, barbarisch. Diese Idee greift der US-Offizier James McDonough, Militärattaché in Warschau, in einem Artikel auf und erklärt darin, warum die Lichtgestalt USA diesem Reich des Bösen überlegen ist. Also Ruhe und aufgepasst!

    Der Autor gibt kein Insiderwissen preis, verrät keine Militärgeheimnisse, liefert keine frischen Analysen der Weltlage. Stattdessen zeigt er, wes Geistes Kinder die Spitzenleute des US-Militärs wirklich sind. Sein Artikel „Russlands moralische Heuchelei“, erschienen im Fachblatt „Task & Purpose“, lässt tief blicken.

    Seit rund einem Jahr ist der Oberst James McDonough als Militärattaché in der Warschauer US-Botschaft tätig. Er ist alles andere als ein Knallkopf in Uniform, hatte er vorher doch in Afghanistan, Deutschland, Italien, Ungarn und der Türkei gedient. Der Schwerpunkt dieses Fachmanns war jedoch stets Russland und Osteuropa. Was das Wichtigste ist: Der US-Offizier vertritt ungehemmt die Idee einer moralischen Überlegenheit der Vereinigten Staaten über Russland. Und das ist noch nicht alles.

    Predigt für die Banausen

    Anfänglich reagiert McDonough in seinem Artikel auf den Vorwurf des russischen US-Botschafters, der nach dem Raketenangriff der West-Koalition gegen Syrien im April dieses Jahres sagte, die Vereinigten Staaten hätten als Besitzer des weltgrößten C-Waffen-Arsenals kein moralisches Recht, andere Staaten zu beschuldigen.

    „In Wirklichkeit haben wir nicht nur das moralische Recht, sondern auch die moralische Pflicht dazu“, schreibt der US-Offizier. „Dass die russische Regierung wieder einmal versucht, eine moralische Gleichartigkeit, wenn nicht gar eine moralische Überlegenheit über die Regierung der Vereinigten Staaten zu demonstrieren, ist extrem heuchlerisch. Zwischen den USA und Russland gibt es keine moralische Gleichheit. Dieses Kräfteverhältnis ist zugunsten Amerikas verschoben.“

    Eine klare Ansage eines hochrangigen US-Offiziers: Russland und die USA sind moralisch ungleichwertig, die USA sind viel moralischer und viel wertiger. Wir hoffen nun, dass McDonough irgendwann aus Warschau nach Moskau versetzt wird, damit wir, die Barbaren, ihn auf eine Tonne Wodka und Bärenreiten inmitten der Hauptstadt einladen können. Bei der Gelegenheit würden wir dem Militärattaché unsere neueste strategische Waffe vorstellen: die Pelzmütze. Aber Spaß beiseite. Der Offizier legt nach:

    „Ohne die wachsamen Vereinigten Staaten wäre die Welt ein sehr viel grausamerer und kälterer Ort in Bezug auf Frieden und Sicherheit, Gerechtigkeit und Schutz von Menschenwürde, Wissenschaft und Technik“, schreibt McDonough. „Als Führungsmacht öffnen wir uns für erbarmungslose Kritik, wovon ein Großteil ungerechtfertigt ist. Dennoch ist es für die Welt notwendig, dass die Vereinigten Staaten führen. Und die Geschichte wird unweigerlich bewerten, was uns bislang im Großen und Ganzen recht gut gelungen ist.“

    Ohne die Führung der Vereinigten Staaten kann die Welt also nicht: Das Sendungsbewusstsein der amerikanischen Militärelite ist wohl kaum zu überbieten. Dass bestimmte Führungspersönlichkeiten in den USA ihre geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen als Kampf für Demokratie und Menschenrechte tarnen, ist die eine Sache. Ihre Gehilfen vor Ort – Mitarbeiter des State Departements, Agenten, Militärs – sind aber offensichtlich davon überzeugt, einsame Kämpfer an der vordersten missionarischen Front zu sein.

    James McDonough muss an der Idee der moralischen Überlegenheit der USA festhalten, auch wenn er dafür die Geschichte seines Landes im letzten Jahrhundert völlig ausblenden muss. Sinnlos, den US-Offizier und seine Geistesbrüder an die unzähligen Invasionen US-amerikanischer Truppen in der ganzen Welt, an das Ausrauben ganzer Völker, an Mord und Folter zu erinnern. Sie würden diese Gräuel ganz bestimmt mit dem höchstmoralischen Kampf für hehre Ideale rechtfertigen.

    Das tut McDonough dann auch: Die US-Präsidenten hätten nur „naiv angenommen, dass der Zweck die Mittel heiligt“ als sie Regierungen „mit widerwärtigen moralischen Ansichten“ unterstützten. Und auch wenn die US-Außenpolitik „oftmals fehlerhaft“ gewesen sei, so habe sie doch nie „systematische Grausamkeit und herzlose Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid“ zum Ziel gehabt. Ganz anders ist laut dem US-Offizier die russische Regierung, die „eine allgemein bekannte Neigung zu Einmärschen, zur Einschüchterung der Nachbarn und zur Unterstützung blutiger Regime in der ganzen Welt“ habe.

    Und überhaupt: „An welchem Ort unseres Planeten war die russische Außenpolitik jemals eine Kraft der Gerechtigkeit und Anständigkeit? Es fällt einem keiner ein“, so McDonough. Die russische Regierung habe allzu oft jenseits moralischer Normen gehandelt. Das ist eine selbstsüchtige Regierung, deren vordergründiges Interesse darin besteht, den perversen russischen Nationalismus aufrechtzuerhalten und zu unterstützen. Das ist eine Regierung, die der russischen Bevölkerung und Millionen unglücklicher Bürger kleiner Länder schadet.“

    Wie angenehm es doch ist, wenn Menschen ihre innersten Überzeugungen ungeschminkt zur Schau stellen. Unsere Sache ist es, daraus Schlüsse zu ziehen. Und die liegen ja auf der Hand.

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    Tags:
    Überlegenheit, Idee, Offizier, Außenpolitik, Militär, C-Waffen, Konfrontation, Osteuropa, Nahost, Warschau, Ungarn, Polen, Italien, Syrien, Afghanistan, Deutschland, USA, Russland