02:18 25 Juni 2018
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    US-Kampfjet F-22 (Archivbild)

    Neue Spielregeln im Luftkampf: Russisches „Auge“ könnte Stealth-Jets erkennen

    © Foto: U.S. Air Force/ Staff Sgt. Areca T. Bell
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    Russland und China stehen kurz vor einem technologischen Durchbruch: Eine neue Ortungstechnik könnte die größten Trümpfe amerikanischer Tarnkappenjäger ausstechen, schreibt das Fachblatt „The National Interest“. Welches Know-how damit gemeint sein könnte, erklärt der Militärexperte Dmitri Drosdenko.

    Es könnte zum schwersten Schlag für US-Strategen werden: Seit mehreren Jahrzehnten setzen US-Militärs auf Tarnkappentechnik und investieren Milliarden in die Entwicklung entsprechender Kampfflugzeuge. Diese könnten angesichts neuester russischer Entwicklungen künftig ihren Kampfvorteil verlieren.

    „Eine Technologie ist heute weit fortgeschritten und heißt ‚Nebo‘, ein Radarsystem, das in einem anderen Frequenzbereich arbeitet, weshalb es die Tarnkappen-Jäger erkennt“, sagt Experte Drosdenko. „Wirkungsvoll ist die Stealth-Technologie nur in einem bestimmten Frequenzbereich der Radarwellen. Das ist vor allem der Zentimeterbereich. Er kommt heute in den meisten Waffensystemen zum Einsatz.“

    Die Radaranlage „Nebo“ gibt es in mehreren Varianten: Für die Flugabwehr, für die Infanterie und als Exportversion. Der Iran hat derzeit solche Technik im Einsatz, sie ist auch Teil des neuesten russischen Flugabwehrsystems S-500.

    „Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang auch das Bordradar der Su-35, genannt ‚Irbis‘“, sagt der Experte. Dieses Bordradar ermöglicht es dem russischen Kampfjet, die amerikanischen F-22 und F-35 auf 100 Kilometer zu erkennen. Ein Jäger der Generation 4++ kann somit die Siegeschancen in einem Luftkampf mit den US-Jets der 5. Generation ausgleichen.

    „Es gibt außerdem ein optisches Ortungssystem. Das ist die halbkugelförmige Ausbuchtung am Cockpit des russischen Jägers. Darum ging es wohl im Fachartikel von ‚National Interest‘“, erklärt der Fachmann. Dieses Gerät erkennt die Infrarot- und die optische Signatur eines gegnerischen Flugzeugs aus großer Distanz. „Etwas Ähnliches gibt es auch an der amerikanischen F-35: zwei Sensoren am Cockpit und zwei unter den Flügeln, die nach gleichem Prinzip arbeiten. Die amerikanische Technik ist jedoch weniger ausgereift. Jedenfalls sehen wir die Amerikaner zwar, aber auch sie sehen uns – und zwar auf längere Distanz, wenn man nach den Parametern einiger Geräte urteilt.“ 

    „Deshalb können wir heute schon einen Luftkampf gegen die F-22 und F-35 von Gleich zu Gleich führen und in bestimmten Fällen sogar einen Vorteil erringen. Hinsichtlich des Radars sehen wir die Amerikaner sehr gut, bei den optischen Systemen hinken sie uns hinterher. Ein hohes Ass ist die Stealth-Technik deshalb nicht mehr“, resümiert der Experte.

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    Tags:
    Luftabwehr, Radar, Radar-Frühwarnung, Radarsystem, Kampfjets, F-35, F-22, Luftabwehr-Raketensystem S-500, Su-35, Nebo-M, Lockheed Martin, Russland, USA