11:22 26 September 2018
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    Arkadi Babtschenko (Archivbild)

    „Brenn, brenn lichterloh“: Leitmedienliebling Babtschenko über Flammentod von Kindern

    © REUTERS / Vitalii Nosach
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    Wie es sich für einen Kremlkritiker, Freiheitsprediger und Moralapostel gehört, klagt der russische Exil-Journalist Arkadi Babtschenko – ja der, der vorgestern ermordet wurde und dann auf einer Pressekonferenz erschienen ist – gerne an. Dafür wird er von deutschen Leitmedien geschätzt. Doch was für eine Ausgeburt feiern die da eigentlich?

    Gerade erst auferstanden, streckte Babtschenko seine beiden Mittelfinger aus: den einen jenen entgegen, die seinen (inszenierten) Tod bedauert haben, den anderen in Richtung Moskau. „Darauf (auf seinen Tod) können die lange warten“, twitterte der Aktivisten-Journalist nach seiner „Ermordung“. Sogleich erinnerte er an seine Absicht, in nicht allzu ferner Zukunft in einem Abrams-Panzer über die Moskauer Prachtmeile Twerskaja-Straße auf den Kreml zurollen zu wollen.

    Im August 2017, sechs Monate nachdem er seine Heimat verlassen hatte, schrieb Babtschenko:

    „Ich komme unbedingt nach Moskau zurück. Ich hab‘ da noch was zu erledigen. Auf dem ersten Abrams, der die Twerskaja entlang fahren wird, werde ich in der Luke unter der Nato-Flagge stecken. Und die dankbaren Russen – von der Krim nichts mehr wissend – werden den Befreiern Blumen entgegenwerfen und mit gesenktem Haupt nach Dosenfleisch betteln. Und sie werden Putins Denkmal mit Füßen treten und beteuern, sie hätten von alledem nichts gewusst und seien sowieso immer schon innerlich dagegen gewesen. Merkt euch diesen Tweet.“

    Jetzt, nach seiner Auferstehung, bekräftigte Babtschenko sein Versprechen sichtlich weniger siegesgewiss: „Ich werde versuchen, das zu tun“, twitterte er. Diese Episode mit den Nato-Panzern inmitten der russischen Hauptstadt ist aber wohl die harmloseste seiner vielen… wie soll man‘s denn nennen? Na ja, hier eine Auswahl aus der Gebetsmühle des Hasspredigers.

    „Lasst uns Hitlers Tod betrauern“

    Kürzlich ist in Russland ein sehr beliebter Schauspieler gestorben: Oleg Tabakow. Aus der russischen Provinz kommend, eroberte das Talent die Herzen des Publikums im Nu. Viele Rollen spielte er, auch unsympathische. In Erinnerung bleibt er vor allem durch die brillante Vertonung eines Katers aus einem kultigen Zeichentrick.

    Für den Pseudo-Dissidenten Babtschenko ist der beliebte Darsteller aber mindestens ein Hitler:

    „Sagt mal, ist es irgendwie so eine besondere Mentalität, dass man sich jeder Berühmtheit zu Füßen wirft, egal um welches Arschloch es sich handelt? (…) Seit Jahren bestatte ich meine Freunde und Bekannten. Seit Jahren werden meine Freunde und Bekannten eingesperrt. Ich selbst lebte jahrelang in Angst vor jedem noch so kleinen Geräusch in der Nacht. Jahrelang wartete ich auf meine Verhaftung (…). Zehntausende, Millionen, Millionen (!!!) zerstörte Schicksale, zertrümmerte Leben. Ich hasse sie. Ich hasse diese Fo**en. Talent ist in diesem Fall kein mildernder Umstand, keine Indulgenz. Nein, meine Freunde. (…) Man hört, dass Hitler auch ganz hübsche Bildchen malte. Lasst uns doch den Tod des Künstlers betrauern“, schrieb der Journalist Babtschenko anlässlich des Todes von Tabakow.

    Was ihn derart erzürnte, war wohl der Umstand, dass der Schauspieler vom russischen Präsidenten 2012 zum Mitglied des Fernsehrats ernannt worden war.

    „Putin bleibt für immer“

    Wen Arkadi Babtschenko natürlich am meisten kritisieren muss, ist der russische Präsident Wladimir Putin, der nach Ansicht des Journalisten gar keiner ist. Eine anstehende Pressekonferenz Putins kommentierte Babtschenko im Januar 2018 so: 

    „Es gibt keine Politik im Lande. Zur Politik werden die Versuche, an der Farbe eines Nasenpopels des Zaren etwas abzulesen (…). In Russland kann es keine Pressekonferenz des Präsidenten geben, weil es in Russland keinen Präsidenten gibt. (…) Ein Präsident wird gewählt. Wladimir Putin aber ist ein Usurpator. Er hat die Macht 2012 bei einem gewaltsamen Umsturz ergriffen. Bei einem gewaltsamen. Ich bestehe auf dieser Formulierung. Wer damals in Moskau war, weiß, wie das ganze Stadtzentrum mit Spezialeinheiten und Militär vollgestopft war. Es wird keine Wahlen geben. Nawalny wird nicht zugelassen. Den Donbass werden sie nicht räumen. In Syrien werden sie sich festlaufen. Für lange Zeit. Und Putin bleibt auf ewig. Viel Spaß beim Zuschauen.“

    „Brenn, brenn lichterloh“

    Selbst da, wo Worte fehlen, findet Babtschenko einen kräftigen Ausdruck. Den verheerenden Großbrand in einem Kaufhaus in Kemerowo, bei dem mehrere Dutzend Kinder starben, wertete der geflohene Journalist als eine Rache Gottes an den Russen: 

    „Wenn das einzige Mittel, euren imperialen Sumpf zum Nachdenken über den Wert des Menschenlebens zu bringen, Brände und Tode sind, dann: Brenn, brenn lichterloh. Wenn es die einzigen Momente sind, wenn eure ach so geisterfüllten Landsleute aufhören, alle ihre Nachbarn mit ihren verf***ten Flaggen, Bären, Balalaikas, Panzern, Raketenwerfern zu belästigen, wenn sie deren Angehörige mit Geschrei und Geheul bestatten, dann soll es an jedem gottverdammten Tag in euren Städten brennen. (…) Ich hab‘ hier mal eine Statistik gesehen: Wegen des Kriegs sind in der Ukraine 1.200 Kinder vaterlos geworden. (…) Solange ihr Fo**en mit eurem ganzen Land nicht auf die Knie fallt vor jedem einzelnen dieser Kinder, solange gehen mir alle eure Tragödien am A*sch vorbei. Solange ihr keine Reparationen gezahlt und all den Müttern nicht in die Augen geschaut, all das Zerstörte nicht wiederaufgebaut habt, solange ihr all die Verwundeten nicht geheilt und keinen öffentlichen Prozess geführt, das Urteil nicht vollstreckt und nicht bewiesen habt, dass ihr euch gewandelt und gebessert habt – solange f***t euch einfach. War das eingängig genug?“

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    Tags:
    Großbrand, Journalist, Attentat, Russophobie, Facebook, Inlandsgeheimdienst der Ukraine (SBU), NATO, Arkadi Babtschenko, Kemerowo, Kiew, Moskau, Russland, Ukraine