20:41 17 Dezember 2018
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    Frau auf dem Mars (Symbolbild)

    Abtreibungen und Euthanasie: Wird es auf dem Mars Sex geben?

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    Wie Geburten auf dem Roten Planeten vonstattengehen könnten und wen die Marsmenschen töten würden, um ihre Kolonie zu erhalten, darüber orakeln Wissenschaftler.

    Im Jahr 1972 ist der Song „Rocket Man“ von Elton John erschienen. Er wird oft mit David Bowies „Space Oddity“ verglichen. Die beiden Hits wurden in dem damals sehr populären SciFi-Genre kreiert, und die Protagonisten waren Raumfahrer. Das Lied von Elton John endete mit den Worten:

    Mars ain’t the kind of place to raise your kids

    In fact it’s cold as hell

    And there’s no one there to raise them.

    Und obwohl die vom Hit-Sänger zum Ausdruck gebrachte Hypothese damals im Grunde nichts als ein schönes Sprachbild war, lässt sie sich jetzt als eine Art Prophezeiung deuten, denn damit wurden die Schwierigkeiten beschrieben, mit denen die ersten Menschen, die auf dem Roten Planeten landen, konfrontiert werden könnten.

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    Die Idee von bemannten Mars-Flügen und von der Kolonialisierung des Roten Planeten sieht in letzter Zeit immer öfter nicht mehr wie Fantasie aus, sondern spiegelt sich auch in Initiativen sowohl privater Enthusiasten als auch staatlicher Raumfahrtagenturen wider.

    Als eines der künftigen Ziele wird der Mars in den Plänen der Nasa, der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, ihrer Kollegen aus Europa und China und auch Privatunternehmen wie MarsOne, Blue Origin oder SpaceX erwähnt. Von der Notwendigkeit der Kolonialisierung des Roten Planeten sprach auch der weltweit bekannte Astrophysiker Stephen Hawking.

    „Ich glaube, dass die Zukunft der menschlichen Rasse langfristig mit dem Weltall verbunden ist, das eine wichtige Garantie unseres künftigen Überlebens ist und das Verschwinden der Menschheit durch die Kolonialisierung anderer Planeten verhindern könnte“, schrieb der Wissenschaftler in einem Beitrag 2015.

    Zu den Motivationsfaktoren für die Mars-Besiedelung werden oft die Suche nach neuen Naturressourcen, die Erweiterung der menschlichen Zivilisation und die Suche nach anderen Lebensformen gezählt.

    Verschiedene Wissenschaftler äußerten sich bereits zur minimalen zahlenmäßigen Stärke einer möglichen Kolonie auf dem Mars, die für das Überleben der Menschen auf dem Roten Planeten nötig wäre. So schrieb der britische Astronom Chris Impey 2015 von mindestens 5000 Kolonialisten – für den Fall von unvorhersehbaren Katastrophen, Seuchen und anderen Krisensituationen, die sich nicht prognostizieren lassen.

    Angesichts dessen beschloss ein internationales Team von Wissenschaftlern, eine Reihe von physiologischen Aspekten des möglichen Aufenthalts der ersten Menschen auf dem Mars und die theoretische Möglichkeit für die Vergrößerung der menschlichen Kolonie auf dem Roten Planeten zu analysieren.

    „Die Reproduktion auf dem Mars wäre unentbehrlich für das Überleben der Kolonie und ihre künftige Vergrößerung“, finden die Autoren eines in dieser Woche im Fachmagazin „Futures“ veröffentlichten Beitrags. „Aber leider wird es bei der Umsetzung dieser Aufgabe riesige Schwierigkeiten geben.“

    Manche Probleme führen die Wissenschaftler darauf zurück, dass die Mars-Atmosphäre 100 Mal dünner als die irdische ist, sodass die Mars-Oberfläche der schädlichen Sonnenstrahlung viel stärker ausgesetzt ist.

    Frühere Nasa-Forschungen ergaben, dass diese Sonnenstrahlung die menschlichen Hirnzellen negativ beeinflussen und die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung erhöhen könnte. Aber noch schlimmer ist, dass sie die Produktion von Spermien im männlichen Organismus stark beeinträchtigt. Außerdem könnten sich Embryos auf dem Mars falsch entwickeln.

    Andere Probleme sind mit der fast dreimal schwächeren Gravitation auf dem Roten Planeten (im Vergleich zur irdischen) verbunden. Einerseits könnten sich die Menschen auf dem Mars leichter bewegen und eine geringere Belastung empfinden. Andererseits ist der menschliche Organismus die Bedingungen auf der Erde gewohnt, auch die Austragung eines Kindes eben unter den irdischen Bedingungen.

    Zu all dem kommt hinzu, dass die Menschen auf dem Mars schlechter sehen, mehr Flüssigkeit verlieren, schneller müde werden, Herz- und allgemeine Immunitätsprobleme bekommen könnten.

    Letzterer Faktor ist übrigens ausgerechnet für die menschliche Reproduktion auf dem fremden Planeten entscheidend wichtig. Denn selbst auf der Erde lassen sich bei vielen schwangeren Frauen gesundheitliche Schwierigkeiten beobachten.

    „Solche Bedingungen vergrößern die Risiken im Zusammenhang mit der Infektionsansteckung bei Abtreibungen und könnten die Verbreitung von Krankheiten unter Menschen provozieren, egal ob sie schwanger sind oder nicht“, so die Autoren.

    Zum Glück könnten sich künftig einige von diesen Fragen voraussichtlich unter Berücksichtigung neuer Technologien, Medikamente und der allgemeinen Krankenbehandlung lösen lassen. Viel schwieriger könnte die Situation um den sozialen und zudem ethischen Aspekt werden. Denn außerhalb der Erde müssten die Menschen einige angebrachten Normen des Zusammenseins quasi zwangsläufig verletzen.

    „Die Idee des Menschenschutzes in jeder Entwicklungsphase könnte bei der Kolonialisierung des Mars nicht passen“, vermuten die Wissenschaftler. „Die fremde Umgebung und die geringe zahlenmäßige Stärke der Kolonie könnten dazu führen, dass die Lebensbedingungen einer Menschengruppe wichtiger als die eines einzelnen Menschen sein werden. Wir vermuten, dass im Rahmen von Weltraummissionen eine Vorgehensweise nötig wäre, die Abtreibungen oder die Euthanasie von unheilbar kranken Menschen, oder auch die Opferung von einzelnen Menschen für das Gedeihen der ganzen Gemeinschaft akzeptieren würde.“

    Auf dem Mars müssten sich die Kolonialisten viel „liberaler“ und toleranter zum Thema Abtreibungen verhalten, sollte die Schwangerschaft gefährlich für die jeweilige Frau werden oder bei einem Embryo schon in dessen frühen Entwicklungsphasen ein Fehler entdeckt werden.

    Aus demselben Grund müssten die Paare, die ein Kind zeugen wollen, sich gründlicher untersuchen lassen, und zwar aus der Sicht der „Kompatibilität“ ihrer Gene. Andernfalls müssten der jeweilige Mann und die jeweilige Frau auf gemeinsame Kinder verzichten.

    Vermutlich könnte auf dem Mars eine neue Menschenart entstehen, die etwas andere soziale und physiologische Eigenschaften hätte. „Die Mars-Gemeinschaft könnte neue bzw. höhere Kriterien für die Bewertung der Lebensfähigkeit der Kinder entwickeln und sich im Interesse der Aufrechterhaltung ihrer persönlichen und physiologischen Eigenschaften weiterentwickeln, die für die Mars-Bewohner wichtiger wären“, so die Autoren.

    Die neue Menschenart könnte dank neuen Gentechnikmethoden (beispielsweise der CRISPR-Technologie) entstehen. „Diese Gentechnik samt der Isolation im fernen Weltraum könnte zu einer ‚Modifizierung‘ innerhalb des Homo Sapiens führen“, schlussfolgerten die Forscher.

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    erdähnliche Planeten, Kolonisierung, Abtreibung, Menschen, Schwangerschaft, Sex, Gesundheit, ESA, NASA, Roskosmos, David Bowie, Elton John, Europa, Mars, USA, Russland, China