14:04 17 November 2018
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    Übung der US-Atomwaffenkräfte (Archivbild)

    USA trimmen Atomarsenal auf „Viertel-Hiroshima“ – Schwelle zum Atomschlag sinkt

    © Foto: U.S. Air Force/ Airman 1st Class Joel Pfiester
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    Das Pentagon hat bestätigt, die Entwicklung einer Mini-Kernwaffe in Auftrag gegeben zu haben. Die kleine Atombombe soll in regional begrenzten Konflikten und sogar im Anti-Terror-Kampf eingesetzt werden. Die Verantwortlichen verschweigen indes auch nicht, den neuen Gefechtskopf als Druckmittel gegen Russland und China nutzen zu wollen.

    Eine völlige Neuentwicklung wird die Mini-Nuke nicht: Die Amerikaner nehmen ihre Standardwaffe, die W76-1, aus dem Atomarsenal, entfernen daraus den Uran-Kern und lassen nur den Plutonium-Zünder übrig – fertig ist der kleine Gefechtskopf. Mit einer Sprengkraft von höchstens sechs Kilotonnen wird er gerademal ein Viertel so stark sein wie der Little Boy – jene Atombombe, die die Amerikaner 1945 auf die japanische Großstadt Hiroshima abwarfen.

    Die verminderte Sprengkraft ist aber auch das größte Problem. Damit setzen die USA die Hemmschwelle für den Einsatz von Atomwaffen gefährlich herab. Eine Mini-Nuke könnte in einem regionalen Konflikt ähnlich dem heutigen Krieg in Syrien eingesetzt werden, was unverzüglich eine globale Eskalation nach sich ziehen würde. Zu diesem Einsatzszenario passt, dass der kleine Gefechtskopf für die ballistischen Raketen Trident D5 – den Standard-Flugkörper der amerikanischen und britischen U-Boot-Flotte – bestimmt ist.

    „Diese Strategie ist nicht nur gegen Russland gerichtet, sondern auch gegen China und den Iran. Und das, obwohl in unserer Kernwaffendoktrin schwarz auf weiß geschrieben steht, dass wir nur in zwei Fällen Atomwaffen einsetzen würden: Wenn wir mit Atomwaffen angegriffen werden oder wenn die Existenz des russischen Staates an sich gefährdet ist“, erklärt der Friedensforscher Konstantin Blochin von der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    „Die politische Kultur ist maßgeblich vom japanischen Angriff auf Pearl Harbour geprägt worden. Deshalb wird in den USA ständig darüber spekuliert, dass man einen Atomschlag gegen die Vereinigten Staaten präventiv abwenden müsse. Dieses ideologische Prinzip bestimmt auch das jetzige Entwicklungsprogramm des Pentagons“, so der Friedensforscher Blochin.

    Die Möglichkeit eines nuklearen Präventivschlags ist in der russischen Doktrin nicht mal ansatzweise enthalten, betont der Experte. Anders in den USA: Washingtons „politische Kultur“ läuft auf einseitige Aggressionen als Mittel der Außenpolitik hinaus.

    Natürlich wird diese US-Strategie Gegenreaktionen in der ganzen Welt auslösen. Das Wettrüsten erreicht so eine neue Stufe: „China wird natürlich gleich mitziehen – schon aus dem Grund, dass Peking den Vertrag über Kurz- und Mittelstreckenraketen nicht unterzeichnet hat. Die Chinesen verfügen ja schon über Technologien, die es ihnen ermöglicht haben, Flugkörper mit Reichweiten von 500 bis 5.000 Kilometern zu bauen“, sagt der Experte. Es kommt also zu einem Dominoeffekt.

    Aber davon abgesehen könnte hinter dem neuen Waffenprogramm des Pentagons auch ein anderes Motiv stecken: „Die Trump-Regierung meint, die US-Wirtschaft wachse derzeit nicht besonders schnell. Daher kam Washington die Idee, das Wirtschaftswachstum durch deutlichen Anstieg der Rüstungsausgaben anzukurbeln“, so der Analyst. Der Krieg werde zu einem Mittel der amerikanischen Wirtschaftspolitik.

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    Tags:
    Atomwaffenarsenal, Kriegsgefahr, Atomwaffeneinsatz, Atomwaffendoktrin, Nuklearwaffen, Strategie, Militarisierung, Außenpolitik, Wettrüsten, Wirtschaft, Modernisierung, Atomwaffen, Pentagon, Donald Trump, Pearl Harbor, Hiroshima, Iran, USA, Washington, Russland, China