04:12 20 September 2018
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    US-Kriegsschiffe im Südchinesischen Meer (Archivbild)

    Vor Chinas Küste: USA erzwingen Beistand von Freunden

    CC BY 2.0 / U.S. Navy / Mass Communication Specialist 2nd Class Marcus L. Stanley
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    Ein Sturm kommt auf über dem Südchinesischen Meer, dem derzeit wohl rauesten Meer des Planeten. London und Paris schicken Kampfschiffe in die Region, um die dortigen Handelswege zu sichern, die aus Washingtons Sicht von Peking bedroht werden.

    Waren im Wert von fünf Billionen Dollar – das ist mehr als Deutschlands Wirtschaftsleistung – passieren das Südchinesische Meer jährlich. England und Frankreich brechen nun auf, diese Handelsroute unter ihren Schutz zu stellen. US-Verteidigungsminister James Mattis ist es nämlich gelungen, seine Kollegen aus London und Paris zu überreden, Washington im Konflikt mit Peking beizustehen.

    Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson und seine französische Amtskollegin Florence Parly haben auf einer Sicherheitskonferenz in Singapur erklärt, Kampfschiffe ins Südchinesische Meer zu entsenden, um den dort seit Jahren patrouillierenden US-Marineverband zu unterstützen. Es gehe darum, „dass alle Länder sich an die Regeln halten müssen“, sagte Williamson in diesem Zusammenhang an Bord einer britischen Fregatte im Hafen von Singapur.

    Im Unterschied zu China haben weder die USA noch England oder Frankreich Gebietsansprüche in der Region. Peking hingegen beansprucht rund 90 Prozent dieses strategisch wichtigen Seegebiets, das überdies reich an Rohstoffen ist. Und die chinesische Führung schafft Fakten: Künstliche Inseln werden aufgeschüttet und ebenso wie natürliche Atolle zu militärischen Vorposten ausgebaut – ungeachtet aller Proteste der Nachbarn, die einige der Inseln als ihr Staatsgebiet betrachten.

    Dass auf einigen dieser Meeresfestungen bereits Raketen stationiert sind und kernwaffenfähige Bomber starten und landen können, wertet Peking übrigens keineswegs als Militarisierung der Region, sondern als gewöhnliche, sicherheitsbedingte Verstärkung des eigenen Gebiets. Die Amerikaner scheinen den Vorstoß der Chinesen indes verschlafen zu haben. Das Reich der Mitte kontrolliere inzwischen das gesamte Gebiet des Südchinesischen Meeres, stellen ranghohe US-Beamte mit Bedauern fest, wie etwa Admiral Philip Davidson, Oberbefehlshaber des Indo-Pacific Command. Alles, was Washington da tun kann, sind öffentlichkeitswirksame Verurteilungen Pekings – und Seepatrouillen.

    Diese erhöhen allerdings das Risiko einer – gewollten oder zufälligen – Kollision amerikanischer und chinesischer Soldaten zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Ende letzten Monats etwa sind zwei Kampfschiffe der US-Navy bei einer Patrouille nur 20 Kilometer an einer der Paracel-Inseln vorbeigefahren, die China sein Eigen nennt. Unverzüglich schickte Peking Schiffe und Flugzeuge in das Gebiet und beschuldigte Washington aufs Schärfste der Provokation. Daraufhin zog das Pentagon demonstrativ seine Einladung ans chinesische Militär zurück, an dem jährlichen Seemanöver RIMPAC teilzunehmen.

    Die Lage im Südchinesischen Meer droht also zu eskalieren. Von einem Krieg zu sprechen, ist aus Sicht von Optimisten jedoch unzutreffend. Die Konfliktseiten seien sich der Folgen einer Kollision allzu gut bewusst, so deren Argument. Außerdem möchte James Mattis, sagen Beobachter, auf seinen geplanten Besuch in Peking bestimmt nicht verzichten. Es ist das erste Mal in der sechzigjährigen Geschichte der amerikanisch-chinesischen Beziehungen, dass der Besuch eines Pentagon-Chefs im Reich der Mitte ansteht.

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    Tags:
    Inselstreit, Stationierung, Marschflugkörper, Langstreckenbomber, Kriegsschiffe, US-Navy, Verteidigungsministerium Großbritanniens, Verteidigungsministerium Frankreichs, Pentagon, James Mattis, Florence Parly, Gavin Williamson, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA, China, Südchinesisches Meer