22:25 19 Juni 2018
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    Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko (l.) beim Truppenbesuch in Mariupol (Archivbild)

    Hinter der Krim-Brücke: Ukraine verstärkt Schutz von Hafenstädten

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    Das Asowsche Meer ist für die Ukraine strategisch wichtiger als für Russland. Die beiden Hafenstädte Berdjansk und Mariupol sind für Kiew unverzichtbare Verkehrsknoten: Ukrainische Exporte – Stahlerzeugnisse etwa – verlassen das Land zum großen Teil auf diesem Wege. Die Ukraine verstärkt nun ihr Militär zum Schutz dieser Handelsroute.

    Im Jahr 2003 hatten Moskau und Kiew Regeln zur Vermeidung von Zwischenfällen im Asowschen Meer vereinbart. Die freie Fahrt für zivile und militärische Schiffe in dem Nebenmeer zählt zu diesem Regelkatalog. Bis zum Umsturz in der Ukraine wurde die Vereinbarung von beiden Seiten im Großen und Ganzen auch eingehalten. Kleinere Zwischenfälle kamen immer wieder mal vor. Doch die Situation blieb im Allgemeinen verhältnismäßig ruhig. Seit der Eröffnung der Krim-Brücke spitzt sich die Lage jedoch zu.

    Es häufen sich Fälle, dass ukrainische Grenzschützer Schiffe in Sektoren anhalten, die laut der Vereinbarung von 2003 als russisch gelten. Der bekannteste Fall ist die Festsetzung des Fischkutters „Nord“ samt der gesamten Besatzung am 25. März. Die Ukrainer behaupteten, das Schiff habe sich in ukrainischen Gewässern – einem 12-Meilen-Streifen entlang der ukrainischen Küste – aufgehalten. Später räumte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU zwar ein, die russischen Fischer hätten sich außerhalb dieser Zone befunden, doch eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. 

    Moskau hat versucht, die Besatzung des Fischereischiffs auf diplomatischem Wege freizubekommen, Kiew aber schiebt die Lösung unter allen möglichen rechtlichen Vorwänden immer wieder auf. Offensichtlich will Moskau nicht länger warten und ergreift Maßnahmen im Alleingang.

    Panzerbootpolitik

    Seit 30. April lässt Moskau die in der Straße von Kertsch durchfahrenden Schiffe stärker kontrollieren. Seit Mitte Mai hält der russische Grenzschutz nicht nur Schiffe an, die die ukrainischen Häfen ansteuern, sondern auch solche, die das Asowsche Meer verlassen. Im Grunde wird die ukrainische Schifffahrt dadurch in die 12-Meilen-Zone zurückgedrängt. 

    In dieser Situation hat Kiew angefangen, sein Militär im Asowschen Meer zu verstärken. So sind unlängst Pläne der ukrainischen Führung bekannt geworden, gepanzerte Schnellboote der Gjursa-Klasse in die Region zu verlegen. Russische Experten haben diesen Schiffstyp zwar scharf kritisiert, doch beim Einsatz im Asowschen Meer sind diese Wasserfahrzeuge durchaus ernst zu nehmen – seetauglich genug sind sie jedenfalls.

    Der größte Trumpf der Gjursa-Klasse ist deren geringe Höhe: Die Schnellboote fahre quasi unter dem Radar. Angehörige der russischen Marine berichteten, bereits häufiger mit dem Problem konfrontiert worden zu sein, dass die ukrainischen Boote unvermittelt in der Nähe russischer Kampfschiffe auftauchten. Bewaffnet ist die Gjursa-Klasse mit 30-mm-Maschinenkanonen und Panzerabwehrraketen vom Typ „Barrier“. Ihre größte Schwachstelle aber ist, dass sie keinerlei Flugabwehrsysteme an Deck haben.

    Die ukrainischen Bootsbauer haben derzeit sechs dieser Schnellboote vom Stapel gelassen. Zwei davon sind inzwischen an die Marine übergeben worden, vier befinden sich noch in der Testphase. Zwei Gjursa-Boote könnten danach ins Asowsche Meer entsandt werden. Nicht auf dem Wasserweg – so viel ist klar. Aber deren Abmessungen ermöglichen auch den Transport mit einem An-124-Frachter oder mit der Bahn.

    „Grjusa“ gegen „Schmel“

    In der Gegend der Krim-Brücke sind russische Panzerboote der Schmel-Klasse gesichtet worden. Zuvor hatten sie dem Kanonenschiffsverband der Kaspischen Flottille angehört, jetzt patrouillieren drei dieser Schnellboote in der Straße von Kertsch. Die Schmel-Klasse ist natürlich ein sehr alter Bootstyp. Ihre Hauptwaffe ist die 76-mm-Bordkanone, Maschinengewehre Kaliber 25 mm ergänzen die Bewaffnung.

    Wie ein Duell zwischen der ukrainischen Grjusa- und der russischen Schmel-Klasse ausgehen würde, ist schwer vorherzusagen. Das ukrainische Schnellboot verfügt über modernere Waffen, dafür ist das russische stärker gepanzert und verfügt über eine ansehnliche Manövrierfähigkeit. Der schlimmste Gegner der Grjusa sind aber gar nicht die Schmel, sondern die russischen Kampfhubschrauber, die in der Hafenstadt Jeisk stationiert sind. Die russischen Mi-28, Mi-35M und Ka-52 können den russischen Patrouillen im Asowschen Meer jederzeit Luftunterstützung geben. Und bei Bedarf versenken sie die ukrainischen Schnellboote mit links.

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    Kriegsgefahr, Krim-Brücke, Kriegsschiffe, Konflikt, Sicherheit, Flugabwehr-Raketenkomplex Gjursa, Granatwerfer RPO-M „Schmel, Mi-28, Mi-35M, Ka-52, An-124, Asowsches Meer, Mariupol, Kiew, Moskau, Russland, Ukraine
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