22:18 21 September 2018
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    „Ohne Amerikas Lotsen-Hilfe“: Warum Trumps Ansatz die Europäer so verwirrt

    © REUTERS / Carlos Barria
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    Die Europäer haben die Fertigkeiten einer „selbstständigen Navigation in globalen Gewässern“ längst eingebüßt, die Vorgehensweise von Donald Trump bringt sie in Verwirrung. Die USA streben aber keine Absonderung von Europa an – Trumps Ziel ist anders, meint der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow.

    Wie Lukjanow in einem Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“ schreibt, hatten die transatlantischen Reibungen nicht mit Trump begonnen, doch bis vor kurzem wurden sie beschönigt – mit Hilfe von Ausführungen über eine unerschütterliche und durch die Sicherheitsbedürfnisse untermauerte gemeinsame Werte-Basis.

    Trump habe mit dieser Schönfärberei Schluss gemacht, stellt Lukjanow fest. Er verweist auf die umstrittenen Entscheidungen des US-Präsidenten wie den Ausstieg aus dem Klima-Abkommen, den Verzicht auf die Iran-Vereinbarungen oder die Einführung von Strafzöllen auf europäische Waren.

    Der Experte erläutert, warum dieser Ansatz für die Europäer empfindlich ist: „Erstens ignoriert Trump jegliche Einwände oder Argumente der Europäer so unverhohlen wie niemand zuvor. Er nimmt einfach keine Rücksicht. Zweitens setzt er sich gegen den Hauptgrundsatz der EU ein, der die Arbeit über multilaterale Institutionen beinhaltet, aber auch den Aufbau eines günstigen normativen Milieus, wo es bei einem gekonnten Vorgehen möglich wäre, den Mangel an realer Stärke durch politisch-bürokratisches Lavieren aufzuwiegen.“

    „Trump verkörpert das Gegenteil, wobei man sich ausgerechnet auf die eigene Stärke verlässt und mit den Partnern Auge in Auge interagiert. In diesem Fall gibt es ja praktisch keine Staaten, die sich mit den USA gleichsetzen ließen“, so der Kommentar.

    Es herrsche nun Verwirrung in europäischen Hauptstädten: „Europa hat die Fertigkeit einer selbstständigen – ohne Amerikas Lotsen-Hilfe – Navigation in stürmischen globalen Gewässern längst eingebüßt.“

    „Allerdings ist die Situation noch interessanter. Es geht nicht darum, dass Amerika einfach beschlossen hat, Europa zu vergessen unter dem Motto: ‚Kommt klar wie ihr wollt.‘ Die Dichte und die Intensität der Beziehungen (vom kulturell-historischen bis hin zum politisch-wirtschaftlichen Bereich) sind so, dass eine vollwertige Absonderung folgenschwer und auf jeden Fall ungünstig wäre“, meint Lukjanow.

    Er postuliert: „Trumps Ziel besteht nicht darin, Europa (ebenso wie die übrigen wirtschaftlich wichtigen Subjekte) zu ignorieren, sondern darin, sie zur Interaktion auf einer anderen Grundlage zu zwingen.“

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    Streit, Kursänderung, Problem, Werte, Außenpolitik, Pariser Abkommen, Atomabkommen, EU, Fjodor Lukjanow, Donald Trump, Iran, Europa, USA