10:43 16 November 2018
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    Russlands Soldaten in Syrien

    Diese Risiken birgt Syriens Wiederaufbau für Russland

    © REUTERS / Omar Sanadiki
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    Der Wiederaufbau Syriens rückt näher. Um die Schäden zu beheben, die der siebenjährige Bürgerkrieg in dem Land hinterlassen hat, sind gigantische Anstrengungen und auch Finanzmittel erfordert. Für die russische Wirtschaft ergeben sich hieraus große Chancen – aber auch große Risiken.

    Vor einigen Tagen haben Terroristen in Syrien einen neuen Versuch unternommen, in Richtung Palmyra vorzudrängen. Unter Mitwirkung der russischen Luftstreitkräfte haben die Regierungskräfte diesen Angriff abgewehrt. Dabei sollen fünf Kämpfer getötet worden sein.

    Militärexperten schätzen jedoch ein, dass der Bürgerkrieg in Syrien sich dem Ende nähert. Ihnen zufolge sind die Kämpfer erschöpft, und deshalb dürfte die aktive Phase des Konflikts nahezu vorbei sein.

    Das liegt auch nahe, wenn man einen Blick auf die Landkarte Syriens wirft: Die Regierungstruppen kontrollieren das rechte Euphrat-Ufer (außer einer Enklave in Idlib, deren „Säuberung“ aus diplomatischen Gründen problematisch ist). Das linke Euphrat-Ufer wird von den Kurden kontrolliert, mit denen nur ein diplomatischer Dialog über ihre Beteiligung am künftigen politischen Leben des einheitlichen Syriens aussteht.

    Was kann man daraus schließen? Es ist an der Zeit, über Syriens Wiederaufbau in der Nachkriegszeit zu reden. Und gerade darin steckt für Russland eine große Gefahr.

    In den zurückliegenden 104 Jahren hat Russland viel zu oft die Kastanien für andere aus dem Feuer geholt. Am Ende bekam jemand die Kastanien, und Russland stand mit verbrannten Händen da. Ein solches Szenario sollte sich nicht mehr wiederholen.

    Die Teilnahme russischer Unternehmen am Wiederaufbau Syriens könnte das Wirtschaftswachstum in Russland ankurbeln, dessen Tempo aktuell für alle, vom Staatsoberhaupt bis zu einfachen Russen, viel zu gering ist.

    >>Mehr zum Thema: Washington warnt Damaskus vor Militäroffensive

    Es geht um gigantische Summen: Die Schäden, die der siebenjährige Bürgerkrieg Syrien zugefügt hat, werden auf 5,5 Billionen Rubel geschätzt. Und um das Vorkriegsniveau in zehn Jahren wiederzuerreichen, müssten mindestens zwölf Milliarden Rubel in Syrien investiert werden.

    Dabei verfügt Syrien über beträchtliche innere Ressourcen, um den „russischen Marshall-Plan“ zu bezahlen. Es geht nicht nur um Öl und Gas, sondern zum Beispiel auch um Phosphate. Das ist besonders wichtig angesichts der Tatsache, dass Russland gemeinsam mit Weißrussland den globalen Markt für Kaliumdüngemittel kontrolliert..

    Der syrische Botschafter in Russland, Riad Haddad, hat bereits Damaskus‘ Interesse an der Entwicklung von Infrastruktur zum Ausdruck gebracht, die russischen Touristen das Reisen nach Syrien erleichtern soll. In diesen Worten steckt mehr Sinn als Grund zu Grinsen.

    Immerhin handelt es sich um einen riesigen Markt für russische Finanzstrukturen und um eine Basis für praktische Maßnahmen zur Etablierung des Rubels als globale Reservewährung.

    Der Wiederaufbau von Wohnhäusern könnte eine wichtige Einnahmenquelle für russische Bauunternehmen sowie für Hersteller von Baustoffen werden. Zwar werden sich viele Unternehmen finden, die es nicht wagen, schon jetzt nach Syrien zu gehen, wenn die Einnahmen, aber auch die Risiken enorm groß sind. Manche fürchten mögliche Sanktionen seitens der USA und ihrer Verbündeten. Jedoch werden sich viele Firmen finden, die keine Angst davor haben.

    Kennzeichnend ist in diesem Zusammenhang die jüngste Damaskus-Reise des Ko-Vorsitzenden der Organisation „Geschäftliches Russland“, Andrej Nasarow, die ein Treffen mit dem syrischen Ministerpräsidenten Imad Hamiss beinhaltete. Die Organisation „Geschäftliches Russland“ umfasst private Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die nicht mit der Rohstoffförderung verbunden sind. Daher geht es vor allem um den High-Tech-Export, über dessen Entwicklung in Russland so viel geredet wird.

    Die politische Unterstützung russischer Unternehmen (die nicht nur dem Staat gehören und nicht nur die Öl- und Gasbranche vertreten) wäre ein wichtiges Zeichen dafür, dass Russland in der Außenpolitik die frühere Romantik ablegt und immer pragmatischer wird. Moskau lernt zu verstehen, dass diese Unterstützung auch Arbeitsplätze und Exporteinnahmen für die regionalen Haushalte vieler Teilrepubliken Russlands bedeuten würde.

    >>Mehr zum Thema: Experte: USA geben Fehler nicht zu, auch wenn sie auf frischer Tat ertappt werden

    Anton Ljubitsch

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    Tags:
    Unterstützung, Interesse, Terroristen, Unternehmen, Bürgerkrieg, Wiederaufbau, Finanzen, Riad Haddad, Russland, Syrien