00:10 18 November 2018
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    T-14 Armata (Archiv)

    Wettkampf mit dem „Armata“: Deutsche und Franzosen schicken neues Gerät ins Rennen

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    Deutsche und französische Rüstungsfirmen haben auf der Waffenmesse „Eurosatory 2018“ zwei Kampffahrzeuge vorgestellt, die die Nato-Strategen als Gegenpart zu der neuen russischen Panzerfamilie auf „Armata“-Basis positionieren dürften. Was haben die beiden Neuen drauf?

    Der Schützenpanzer „Lynx“ und der Kampfpanzer „EMBT“ – „European Main Battle Tank“, ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt – sind zumindest hinsichtlich der Elektronik für die datenzentrischen Kriege des 21. Jahrhunderts gerüstet. Beide verfügen über Datenterminals, die über geschützte Funkkanäle mit anderen Hochleistungssystemen auf dem Schlachtfeld kommunizieren. Aber was einen Panzer vorrangig ausmacht, sind immer noch Feuerkraft und Schutz der Besatzung.

    Der erste „Lynx“ wurde als Version „KF31“ vor zwei Jahren der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Der Rumpf des Panzers war noch keine völlige Neuentwicklung, hatten sich die Ingenieure bei der Konstruktion doch am Schützenpanzer „Marder“ orientiert. Bei der Entwicklung des neuen „Lynx KF41“ haben sich die Spezialisten von Rheinmetall hingegen auf die Erfahrungen mit dem Schützenpanzer „Puma“ gestützt, um das Schutzniveau des „Lynx“ zu erhöhen. Davon zeugen zumindest Ausstellungsfotos und Videopräsentationen des Herstellers.

    So sind auf dem oberen Frontteil des „Lynx“-Rumpfes Elemente einer modularen Panzerung zu erkennen. Diese technische Lösung verweist darauf, dass die Widerstandskraft des neuen Schützenpanzers gegen panzerbrechende Munition noch höher sein könnte, als dies beim „Puma“ der Fall ist. Die Seitenwände des „Lynx KF41“ sind mit massiven Passivschutzmodulen abgedeckt. Deren Struktur ist der Öffentlichkeit aus naheliegenden Gründen nicht bekannt. Vermuten lässt sich jedoch, dass hier eine durch Siliziumcarbid und Aluminiumoxid verstärkte Wabenverbundstruktur aus Keramik eingebaut ist. Natürlich können hier auch Schichten aus Polyurethan oder anderen Verbundwerkstoffen verwendet worden sein.

    Derartige Panzerungstypen können die Masse des Kampffahrzeugs erheblich reduzieren, ohne dass die Besatzung Schutzeinbußen hinnehmen muss. Die hervorragenden Schutzeigenschaften dieser Werkstoffe werden erfolgreich am russischen Kampfhubschrauber Mi-28N demonstriert. Dieser wird von 10-mm-dicken Aluminiumplatten im Verbund mit darauf geklebten 15-mm-dicken Keramikkacheln geschützt. Dieser „Schichtkuchen“ ist bei vergleichbaren Schutzparametern um das 1,65-Fache leichter als Panzerplatten aus Stahl.

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    Einem Treffer aus der Bordkanone eines Kampfhubschraubers etwa hält der Rumpf des neuen „Lynx“ ohne weiteres stand – davon kann man ausgehen. Unter bestimmten Umständen ist es denkbar, dass der Schützenpanzer den Einschlag eines russischen 125-mm-Wuchtgeschosses oder einer Panzerabwehrgranate, wie sie beim SPG-9-Geschütz zum Einsatz kommen, überlebt. Besonders auffällig ist der Schutz der Besatzung und des Schützenteams. Hier haben sich die deutschen Ingenieure offenbar etwas vom israelischen Truppentransportpanzer „Namer“ und dem russischen schweren Schützenpanzer T-15 abgeschaut.

    So ist die Ausstiegsluke des „Lynx“ etwa einen Meter tief in das Heck eingelassen, was einen Treffer von Sprengbrandmunition und anderen Geschossen in die Besatzungszelle praktisch ausschließt. Auf einem der veröffentlichten Fotos ist zu erkennen, dass die Stärke der Ausstiegsluke sogar größer ist als beim „Namer“ oder einem anderen russischen Schützenpanzer, dem „Kurganez-25“. Insofern dürfte die Crew des „Lynx“ vor 45-mm- und sogar 125-mm-Wuchtgeschossen sicher sein. Beim Turm des „Lynx“ ist zu beachten, dass dieser bemannt ist: Darin sind der Kommandant und der Richtschütze sowie Teile der Munition untergebracht.

    Die wichtigste Waffe des „Lynx KF41“ ist sein Bordgeschütz: Die 35-mm-Maschinenkanone des Typs „Wotan“. Im Grunde handelt es sich um eine Weiterentwicklung der schweizerischen „Oerlikon KDG“, die nach der Übernahme des schweizerischen Waffenbauers Oerlikon durch Rheinmetall Defence zu Beginn der 2000er Jahre in das „Arsenal“ der deutschen Rüstungsfirma eingegangen ist. Die Kanone ist in einen Infrarot- und Radarstrahlen absorbierenden Mantel eingelassen. Auch die Panzerungsmodule an den Seitenwänden des Gefährts weisen eine Radarstrahlen absorbierende Schicht auf. Somit entspricht die Konstruktion des neuen Schützenpanzers den Anforderungen an die Tarnkappenfähigkeit von Kampffahrzeugen der nächsten Generation.

    Video von dem „Lynx KF41“-Test:

    Zugunsten dieses Konzepts haben die Ingenieure eine Lösung für das Unterbringen der Raketenwaffen beim „Lynx“ gefunden. So wird der Startbehälter für die bordeigene Panzerabwehrwaffe „Spike-LR2“ nicht etwa am Geschützturm angebracht, sondern in einem Waffenschacht versteckt. Damit wird nicht nur die Radarsignatur verringert, sondern auch verhindert, dass die Panzerabwehrwaffe durch gegnerischen Beschuss beschädigt wird. Der israelische Rüstungsspezialist Rafael hat die „Spike-LR2“-Rakete entwickelt. Sie ist durch eine störfeste Funkverbindung (statt wie bisher durch ein Drahtseil) ferngesteuert, weshalb sie auch in schwierigem Gelände eingesetzt werden kann.

    Dem Angriff eines „Lynx“ aus eineinhalb Kilometern Entfernung könnten weder ein russischer BMP-2, noch dessen neuere Variante BMP-3 standhalten. Auch der „Kurganez-25“ wäre gefährdet. Das einzig erfolgreiche Mittel im Kampf gegen den neuen deutschen Schützenpanzer wären entweder Infanteristen, die mit den Panzerabwehrwaffen „Kornet“ ausgerüstet sind, oder aber die russischen Support-Panzer „Terminator“. Diese würden dem Beschuss aus der Bordkanone des „Lynx“ standhalten.

    Abschließend eine kurze Übersicht über den deutsch-französischen Panzer „EMBT“, der vom deutsch-französischen Konsortium KNDS entwickelt wurde, einem Gemeinschaftsunternehmen von Krauss-Maffei Wegmann und NEXTER Defense Systems. Der Kampfpanzer ist im Grunde eine Kreuzung aus dem französischen AMX-56 „Leclerc“ – dieser hat den Geschützturm beigesteuert –, und dem deutschen „Leopard-2A7“, von dem der Rumpf und der Antriebsstrang stammen. Hierbei muss man festhalten, dass für die Entwicklung und den Bau eines Vorführmodells nach der Gründung des KNDS-Konsortiums drei Jahre gebraucht wurden. Das heißt, der „EMBT“ ist quasi im Eilverfahren als Reaktion auf den 2015 der Weltöffentlichkeit präsentierten T-14 „Armata“ entwickelt worden. Der eigentliche gesamteuropäische Kampfpanzer mit einer 130-mm-Kanone ist ja erst für den Anfang der 2030er Jahre angekündigt worden.

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    Möglicherweise macht der bereits vorgestellte „EMBT“ als Zwischenschritt aber vor dem Hintergrund datenzentrischer Kriege durchaus Sinn. Denn der Geschützturm des „Leclerc“ gilt in dieser Hinsicht seit Langem schon als weit fortgeschritten. Es ist nämlich geplant, den französischen Panzer mit einem innovativen Panzerinformations- und Kommandosystem – dem SICS – auszurüsten. Darin werden das Feuerleitsystem und die Datenterminals des Kommandanten sowie des Richtschützen integriert, das zwecks des Austauschs taktischer Daten mit anderen Kampfpanzern vernetzt werden kann.

    Was die Feuerkraft des „EMBT“ anbelangt, so hat sich der KNDS-Konzern dafür entschieden, die Turmkanone des französischen Panzers zu verbauen, die „CN120-26“. Von ihrer Leistungsfähigkeit her entspricht sie der deutschen Kanone „Rh120-L55“. Der Schutz des „Leclerc“-Turms bleibt indes nur mittelmäßig: selbst ein „Leopard2A7“ ist durch massive Panzerungsmodule am Turm besser geschützt – ganz zu schweigen von einem Vergleich mit dem russischen T-90S, dem amerikanischen „Abrams“ oder dem britischen „Challenger 2“.

    Fazit: Für die Bundeswehr ist der „EMBT“ von vornherein ein Minusgeschäft. Das recht gute Fahrgestellt vom „Leopard“ erhält in dieser Kombination einen schwach geschützten französischen Turm. Dabei hätte KMW die datenzentrischen Fähigkeiten des „Leopards“ durch entsprechende Digitalisierung des Geschützturms verbessern können. Auf dem Schlachtfeld bringt das „EMBT“-Projekt hinsichtlich der Schutzausstattung keinen Zusatzgewinn. Als ernsthafter Gegner des russischen T-14 „Armata“ kann das deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt insofern nicht gelten.

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    Panzer, Entwicklung, Waffen, SPG-9, Mi-28, Armata, Frankreich, Deutschland, Russland