04:27 19 November 2018
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Dollar-Wirtschaft: Russland wendet unsichtbare Waffe an

    © AP Photo / Ted Shaffrey
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    Das russische Finanzministerium hat einen beispiellosen Verkauf von US-Schatzanleihen durchgeführt.

    Russlands Zentralbank hat im April US-Schatzanleihen im Wert von 47,4 Mrd. Dollar verkauft, geht aus einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Statistik des US-Finanzministeriums hervor. Der Verkauf begann nach der Verschärfung der Sanktionen gegen Russland und der Aufnahme der Unternehmer Oleg Deripaska und Viktor Wechselberg sowie der Firma Rusal in die Sanktionsliste.

    Ende April gingen die Einlagen um 50 Prozent auf einen neuen Tiefststand seit 2008 zurück. Mit Stand vom 1. Mai waren in US-Staatsanleihen nur 48,7 Mrd. Dollar der russischen Gold- und Währungsreserven bzw. 10 Prozent von ihrem Umfang gegenüber 96,1 Mrd. (21 Prozent) im Vormonat angelegt. Der Verkauf war nicht nur beispiellos für die russische Zentralbank, sondern auch für den gesamten Markt der US-Staatsschulden. In den vergangenen 18 Monaten hatte kein einziger der 15 Top-Inhaber von Schatzanleihen seine Einlagen innerhalb eines Monats um 50 Prozent verringert.

    Die ausgeführten Mittel platzierte die russische Zentralbank in Bargeld auf Depositen im Ausland, wie es in der Statistik der Zentralbank heißt. 5,4 Mrd. Dollar davon gingen auf Konten in ausländischen Zentralbanken, beim IWF und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – nach Stand vom 1. Mai hatte die Zentralbank dort 55,6 Mrd. Dollar deponiert. Auf Konten von kommerziellen Banken platzierte die Zentralbank 26,6 Mrd. Dollar, wobei die Gesamtsumme auf 69,8 Mrd. Dollar anstieg. Die restlichen 17 Mrd. Dollar wurden von der Zentralbank in Wertpapiere anderer Staaten investiert.

    Die Weltwirtschaft ändert sich rasant, Sanktionen und Erpressungen wurden zum Hauptinstrument der internationalen Politik, wie Roman Blinow vom Internationalen Finanzzentrum sagt. Vor diesem Hintergrund wird die Rückkehr des Geldes aus dem Ausland die einzig mögliche Variante, damit es bereits innerhalb des Staates investiert bzw. ausgegeben werden kann.

    >>Mehr zum Thema: Neue Sanktionsrunde kann Russland hart treffen, aber es gibt Lösungen

    Oligarchen und große Unternehmen hätten ihre Präsenz in US-Papieren fast um ein Drittel reduziert, so Roman Blinow. Die Erwartung einer weiteren Sanktionsrunde führt dazu, dass die Mittel für die Lösung von inneren Probleme und nicht „für einen schwarzen Tag“ bereit gehalten werden. Bemerkenswert ist, dass China im vergangenen und in diesem Jahr ebenfalls seine Präsenz auf dem Anleihenmarkt der USA reduzierte — mehr als 500 Mrd. Dollar wurden zurückgeholt. Nur Japan versucht, den alten Kurs weiter zu verfolgen, doch selbst der Vasall der USA sucht nach neuen Orten zur Platzierung der eigenen Reserven und dem Ausbau der bereits vorhandenen Ströme nach China und Südkorea.

    Im Ergebnis musste Fed den Leitzins nach oben treiben und melden, dass dieser Anstieg nicht der letzte sei. Der Zuwachs der Einträglichkeit der Forderungspapiere förderte neue Investitionen in die US-Wirtschaft seitens der internationalen Investoren, doch die höhere Einträglichkeit erfordert auch ein anderes Umgehen, was nach verschiedenen Schätzungen 2018 zu einem Anwachsen der Fed-Verpflichtungen um weitere 100 Mrd. Dollar führen wird.

    Russland bleibt seiner Gesetzgebung treu und platziert Gold- und Währungsreserven in den USA, doch die Richtlinien sind derzeit so verschwommen, dass sich das Land alleine mit der Rückkehr der ausländischen Investitionen innerhalb der nächsten drei Jahre entwickeln kann. Leider reicht das nicht aus, um die Steuersätze und die Rentengesetze unangetastet zu lassen, doch eignet sich gut für eine mehr als durchdachte Einschätzung der Handlungen im Wirtschaftsbereich in kurzfristiger Perspektive.

    Der Verkauf der US-Schatzbriefe ist nicht nur mit den im April eingeführten Sanktionen, sondern auch vor allem mit den Befürchtungen neuer Einschränkungen verbunden, äußerte der Experte von TeleTrade, Mark Goichman. Die Mittel in Treasuries können im Falle der Verschärfung der Sanktionen leicht blockiert werden. Das wäre sehr riskant für die internationalen Reserven Russlands. Die Summe der internationalen Reserven ging im Ganzen nicht zurück, sondern stieg sogar im April um 0,4 Prozent von 458 auf 459,9 Mrd. Dollar. Die Sanktionen betrafen also nicht die Menge der Reserven, zwingen jedoch zur Änderung ihrer Struktur.

    Es handele sich nicht um Gegensanktionen, das Streben, die USA zu bestrafen, so der Experte. Die russischen Einlagen machen einen sehr geringen Anteil an den US-Staatsschulden aus. Ein möglicher Nachteil dieses Prozesses kann sein, dass die Einlagen aus neuen Deviseneinnahmen in US-Treasuries gerade im April zu einer höheren Einträglichkeit hätten führen können. Im April stieg ihre Rentabilität von 2,73 auf mehr als drei Prozent.

    Doch die Zentralbank bevorzugt Zuverlässigkeit statt Rentabilität. Anfang Mai machten die in ausländischen Banken platzierten Reserven 61,5 Prozent mehr als am 1. April aus, während die Platzierung in Wertpapieren im Ganzen um elf Prozent zurückging.

    Die weitere Dynamik werde von den Aussichten der Beziehungen zwischen Russland und den USA abhängen, so Mark Goichman. Doch Russland könnte im Ganzen zu einem solchen Instrument, einer Art „Waffe“ weiterhin greifen, um die Einlagen, zulasten  der US-Aktiva, zu diversifizieren.

    >>Mehr zum Thema: Weltbank-Experten: So wird Dollar vom Finanz-Thron gestoßen

    Anna Koroljowa

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    Tags:
    Beziehungen, Wertpapiere, Verschärfung, Bargeld, Sanktionen, Staatsanleihen, Dollar, Rusal, Zentralbank, Oleg Deripaska, USA, Russland