07:17 20 Juli 2018
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    Marschflugkörper Ch-22 - Vorgänger von Ch-32 (Archiv)

    Neuer russischer Marschflugkörper noch schrecklicher, als USA vermuten

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    Amerikanische Militäranalysten schlagen Alarm – der russische Ultraschall-Bomber Tu-22M3 wird bereits zum Jahresende den Marschflugkörper Ch-32 bekommen, was eine Gefahr für die Militärobjekte der Nato-Länder sei, weil dieses Geschoss nicht abgefangen werden kann.

    Diese Panik ist nicht unbegründet. Zudem kann die neue Rakete weitere Überraschungen in sich bergen, die für das Pentagon äußert unangenehm sein könnten.

    Der Vorgänger von Ch-32 ist der massive Marschflugkörper Ch-22, der lange als Fluch für die ganze US-Kriegsflotte galt. Er sei speziell zur Vernichtung von Flugzeugträgern entwickelt worden, so US-Analysten. Die neue Rakete hat einen breiteren Kreis von Kampfaufgaben – wie die Vernichtung von Brücken, Militärstützpunkten, Stromkraftwerken und anderen strategischen Infrastrukturobjekten.

    Laut Experten von der Zeitschrift „The National Interest“ hat man nichts, was das Pentagon diesen Waffen entgegensetzen kann.

    US-Experten sprechen zwar von einer schrecklichen Bedrohung seitens der Russen und schlagen Alarm, doch was bedeutet es, dass „die Rakete speziell zur Vernichtung von Flugzeugträgern entwickelt wurde“? Nicht zu viel Ehre für die Flugzeugträger?

    Viele unterschiedliche Waffen wurden auf die Vernichtung von Flugzeugträgern bereits in den Sowjetzeiten ausgerichtet, doch das alles konnte ruhig in vielen anderen Bereichen genutzt werden. Die russischen Waffen sind im Prinzip durch ihren universellen Charakter gekennzeichnet. So können die russischen ZIL-Fahrzeuge Militärtransporte nicht schlechter als Diesellokomotiven befördern. Unsere Entminungs-Systeme vernichten nicht nur das Minenfeld, sondern verwandeln auch ganze Straßen in Schotter. Die Breite der Räder von UAZ-Fahrzeugen ist an die Panzer-Fahrspur angepasst u.a. Deswegen ist der Marschflugkörper Ch-22 wie der neueste Ch-32 ein wahres Überraschungsei hinsichtlich der militärischen Möglichkeiten.

    Pest für beide Kontinente

    Die Vorbereitung der Sowjetunion auf einen neuen Weltkrieg begann bereits Mitte der 1920er-Jahre. Niemand wusste genau, was es für ein Krieg und welche Waffen es vorrangig sein würden. Es gab nur Hypothesen und Vermutungen. Doch Militärs brauchen konkrete Dinge. Der Feind tötet nicht mit einer hypothetischen, sondern mit einer konkreten Waffe.

    >>Mehr zum Thema: „The National Interest“ nennt Schwachstelle von US-Armee

    Ob das schlecht ist oder nicht, der Generalstab des jungen Sowjetrusslands bereitete sich auf jede Entwicklung der Ereignisse, also auf alle möglichen Kriege gleichermaßen vor. So entstand beispielsweise die neue 15. Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Sowjetunion – biologischer Krieg. Laut dem Konzept dieses Krieges musste der Feind nicht unbedingt direkt in den Kopf getroffen werden, um ich zu töten, man konnte wie Viren vorgehen, die in die Zellen eindringen und dann deren Ressourcen für eigene Zwecke nutzen. Man kann also das Hinterland des feindlichen Staates zerstören, ohne dabei dessen Bevölkerung zu töten, sondern sie in Apotheken bzw. Krankenhäuser via eine nicht tödliche jedoch sensible Erkrankung schicken wie Koyiellose oder Tularämie.

    Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich der Raketenbau erst herausbildete, entwickelte das Wissenschaftsinstitut für besonders reine biologische Mittel aus Leningrad eine zuverlässige Methode zur Übertragung von Infektionen auf das Zielpublikum – die Marschflugkörper Ch-22. Sie sollten aus entfernter Distanz von strategischen Bombern Tu-22M abgefeuert werden. In der Umgebung der anvisierten Gegend nähert sich die Rakete dem Ziel an und beginnt, den Kampfstoff auszustreuen. Das sind ungefähr 1000 Liter biologische Waffen.

    Die praktische Arbeit am Ch-22 begann auf der Grundlage einer Verordnung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und des Ministerrats der Sowjetunion vom 17. Juni 1958. Die Rakete wurde gleich in zwei Versionen entwickelt – gegen punktuelle Ziele (beispielsweise gegen eine gegnerische Armeegruppierung) und für den Angriff gegen ganze Ortschaften. An die Vernichtung von Flugzeugträgern dachte man erst an letzter Stelle.

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    In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre wurden mit Ch-22 die Überschallflugzeuge Tu-22M2 und Tu-22M3 ausgerüstet, die jeweils drei Raketen an Bord tragen konnten. Dabei wurde auf die Idee mit den biologischen Waffen nicht ganz verzichtet.  1988-1989 wurde sogar eine Variante mit dem Ersatz des Atomsprengkopfs der Interkontinentalrakete R-36M (auch bekannt als SS-18 Satana) durch eine Kampfversion von Stämmen des Milzbrands erörtert. Nach einem Angriff gegen die USA würden alle Flugzeugträger ohne Hinterland und ohne jegliche Hilfe bleiben.

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    Wie viel die sowjetischen Militärbiologen erreicht haben, ist unklar. Wie der sowjetische Chemiker Lew Fjodorow in seinem Buch „Sowjetische biologische Waffe: Geschichte, Umwelt, Politik“ schrieb, gab es Gerüchte über die Entwicklung eines Stammes, der nur Männer mittleren Alters vernichten konnte. Also das Ziel dieser Krankheit war, die Berufsarmee zu vernichten, wobei Frauen und Kinder verschont werden. Das ist humaner als Bombenangriffe, zudem ist das sicher für die Infrastruktur.

    Zu einer solchen Variante eines Krieges war das Pentagon sicher nicht bereit. Es hatte wohl Glück, dass Russland sich strikt an die Nichtverbreitung von biologischen Waffen hält.

    Vernichtung von Flugzeugträgern

    Auch wenn man davon ausgeht, dass die neue Entwicklung keine zusätzlichen Überraschungen und geheimen Fähigkeiten hat, hat sie ohnehin ein ausreichendes Potential. Wenn sich das Pentagon vor allem um die Flugzeugträger Sorgen macht, kann man wohl auf dieses Thema zurückkommen.

    Die US-Armee verfügt über elf Flugzeugträger. Jede Tu-22M3 kann drei Ch-22-Marschflugkröper an Bord nehmen. Also zur Vernichtung aller US-Flugzeugträger würden nur vier Bomber Tu-22M3 erforderlich sein. Dabei bleibt sogar eine Rakete ungenutzt.

    Russland hat etwa 40 Tu-22-Bomber verschiedener Modernisierungsstufen. Demnächst wird es 30 Maschinen der Tu-22M3-Version geben. Von den Ch-22-Raketen gibt es noch mehr. Das würde wohl für alles ausreichen, was unter der US-Flagge im Weltozean unterwegs ist.

    Im Vergleich zu seinem Vorgänger wurde der Marschflugkörper Ch-32 stärker und smarter. Die Reichweite macht 1000 km aus, die Geschwindigkeit – 5400 km/h. Er ist im Prinzip für US-Flugabwehrmittel unüberwindbar.

    Laut dem Militär Konstantin Siwkow fliegt die Ch-32-Rakete in der Höhe von 40 km, was sieben km höher als die Obergrenze der Treffzone der US-Flugabwehrrakete ist. Zudem ist die Ch-32-Rakete zweimal schneller – 1500 vs. 800 m/s. Das ist schneller als eine Gewehrkugel.

    Natürlich kann die Ch-32 bei Bedarf mit Sprengstoff gefüllt und gegen einen Flugzeugträger abgefeuert werden. Die entfernteste Abfanglinie der bordgestützten US-Fliegerkräfte liegt bei 700 km vom Flugzeugträger. Damit kann die Tu-22M3 problemlos eine Ch-32 aus einer Entfernung von 800 km abfeuern.

    Detaillierte Berechnungen der Vernichtung von Angriffsgruppierungen eines potentiellen Gegners sind bereits vorhanden. So können Kreuzer des Typs Ticonderoga bzw. Zerstörer des Typs Arleigh Burke ein bzw. zwei Ch-32-Raketen abfangen. Eine Schiffsgruppierung aus zwei Kreuzern bzw. Zerstörern könnte mit dem Einsatz von drei Flugzeugen Tu-22M3 mit Ch-32-Raketen an Bord vernichtet werden.

    Eine Salve aus 24 Ch-32-Raketen gegen eine Flugzeugträgergruppierung würde garantiert fatal sowohl für den Flugzeugträger als auch für die Wachschiffe sein. 72 Raketen würden zwei Flugzeugträgergruppierungen versenken können.

    Bei der Ausrüstung der Raketen mit nuklearen Geschossen wird endgültig klar, dass es nicht um Flugzeugträger geht. Sondern um eine unanfechtbare Rakete, die verschiedene Kriege mit verschiedenen Schäden für den Feind führen kann.

    Daraus ergibt sich die Frage – wird nicht zu viel Geld der US-Steuerzahler für nicht lebensfähige Flugzeugträgergruppierungen ausgegeben?

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    Tags:
    Weltkrieg, Flugzeugträger, Vernichtung, Bedrohung, Ch-32, Ch-22, Pentagon, UdSSR, USA, Russland
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