22:32 22 Juli 2018
SNA Radio
    Soldaten auf den Straßen von Monrovia (Archivbild)

    Kampf ohne Regeln: Mit wem russische Privatarmeen in Afrika konkurrieren

    © AP Photo / Abbas Dulleh
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Wsgljad
    46728

    Auch nach dem formalen Abzug aus Afrika haben die ehemaligen Kolonialmächte ihren Einfluss dort behalten, schreibt Sicherheitsexperte Wladimir Nejelow für die Onlinezeitung „VZ“. Ein Instrument, diesen Einfluss zu sichern, sind private Militärfirmen. Amerikaner, Briten und nun auch Russen, Ukrainer und Chinesen offerieren in Afrika ihre Dienste.

    Seit ihrem Aufkommen Ende letzten Jahrhunderts operieren private Militärfirmen – sog. Private Military Companies (PMC) – im Auftrag von Staaten, internationalen Organisationen und transnationalen Konzernen.

    Einer der stärksten Player auf dem afrikanischen Markt für quasimilitärische Dienstleistungen war Executive Outcomes, eine vom südafrikanischen Oberstleutnant Eeben Barlow 1989 gegründete PMC. Dieses Unternehmen war das erste, das den Krieg nicht nur zu einem erfolgreichen, sondern auch einem überaus lukrativen Geschäftsmodell machte, schreibt Sicherheitsexperte Nejelow vom Moskauer Thinktank „Zentrum für strategische Konjunktur“.

    Polizisten auf den Straßen von Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, während der Wahlkampagne 2016 (Archivbild)
    © AFP 2018 / Issouf Sanogo
    Eine der ersten von Executive Outcomes durchgeführten Operationen war ein Sondereinsatz gegen die antikoloniale UNITA in Angola. Es folgten Spezialaufträge in Zaire, Burundi, Sambia und anderen afrikanischen Staaten. 1995 etwa halfen die Mitarbeiter dieser Firma der Regierung Sierra-Leones, die Kontrolle über die Edelsteinvorkommen des Landes wiederzuerlangen, indem sie einen Putsch-Versuch vereitelten. In Sierra-Leone setzte die südafrikanische Privatarmee übrigens Hubschrauber ein, die sie laut dem Experten Nejelow in Russland gekauft hatte und die anfänglich von russischen Piloten geflogen wurden. Überhaupt waren russische Spezialisten im afrikanischen Militärsektor damals schon sehr gefragt.

    Im Dezember 1998 hatte sich Executive Outcomes unter dem Druck internationaler Organisationen und der südafrikanischen Regierung aufgelöst. Ihre Mitarbeiter sind jedoch weiterhin als Fachleute sehr gefragt, in Afrika und über den Kontinent hinaus. Eeben Barlow, der Firmengründer, berät Regierungen vieler afrikanischer Länder in Sicherheitsfragen und hilft ihnen, so Experte Nejelow, im Kampf gegen islamistische Terrorgruppen aller Art, mit denen weder die amerikanischen noch die europäischen Truppenkontingente in Afrika bislang fertigwerden – gegen Boko Haram beispielsweise.

    Alles, was Rang und Namen hat

    Nach dem erzwungenen Abgang der Executive Outcomes vom afrikanischen Markt für private Militärdienste haben amerikanische, britische und europäische Konkurrenten ihren Platz eingenommen. Inzwischen haben sie ihre Präsenz auf einem Gebiet gesichert, das ziemlich stark an die Karte der Kolonialgebiete aus dem 19. Jahrhundert erinnert. Liberia, Elfenbeinküste, Sudan, Kongo, Somali – das sind nur einige jener afrikanischen Länder, in denen sich westliche Privatarmeen verdingen, darunter solch namhafte Sicherheitsfirmen wie MPRI, Sandline International, G 4S oder Armor Group.

    Eine wichtige, wenn auch nicht die einzige Einkommensquelle dieser Unternehmen ist der Schutz der Bodenschätze auf dem afrikanischen Kontinent. Das Geschäftsmodell ist denkbar einfach: Die transnationalen Konzerne, die die Ressourcen fördern, schließen laut dem Experten einen Vertrag mit einer PMC, mit der gemeinsam sie erst die Macht der Clans und Regierungen in Afrika sichern, die ihnen wohlgesonnen sind, und dann unter ihrem Schutz die Bodenschätze ausbeuten.

    Auch wenn die westlichen Sicherheits- und Militärfirmen eigentlich privatwirtschaftlich organisiert sind, werden sie bei ihrer Tätigkeit auf die eine oder andere Weise von den eigenen Regierungen unterstützt. Laut dem Experten Nejelow werden PMCs mitunter vom US-amerikanischen Afrika-Kommando AFRICOM beauftragt und greifen in den Krisenherden des afrikanischen Kontinents häufig schneller durch als die US-amerikanischen Truppenkontingente.

    Wie effektiv dieses Bündnis zwischen Militärfirmen und westlichen Regierungen sein kann, weiß die russische Sicherheitswirtschaft aus eigener Erfahrung. 2012 wurde in Nigeria die Besatzung eines Spezialschiffs der russischen PMC Moran Security Group verhaftet – laut offizieller Version wegen Waffenschmuggels. Das russische Unternehmen war schlicht auf die Gegenwehr seines britischen Konkurrenten Armor Group gestoßen. Diese private Militärfirma ist in der Region seit langem tätig und verfügt dort über starken Einfluss nicht zuletzt wegen guter Beziehungen zur Regierung in London.

    Seit neuestem mischen auch chinesische Militärfirmen auf dem afrikanischen Markt für Sicherheitsdienste mit. Sie expandieren im Stillen und operieren dabei Hand in Hand und unter faktischer Kontrolle der chinesischen Regierung. Solche Firmennamen wie China Security Technology Group oder Hanwei Security Ltd. dürften in der Öffentlichkeit kaum bekannt sein, doch sichern sie in Afrika die Interessen und den Schutz solcher Erdölgiganten wie DAR Petroleum Operating Company. Die chinesischen PMC sind im Grunde, schreibt der Experte, Staatsunternehmen, quasi Filialen der Volksbefreiungsarmee.

    Dass die ukrainische Militärfirma Omega Consulting Group eine Niederlassung in Burkina-Faso eröffnet hat, wurde laut dem Experten anfänglich belächelt. Doch Militärberater aus der Ukraine sind nicht weniger gefragt als ihre russischen Kollegen, schreibt Nejelow. Nicht zuletzt, weil die ukrainischen Schwarzmeerhäfen als ein guter Umschlagplatz für alle möglichen „Fachleute mit militärischer Erfahrung“ dienen. Zudem ist es nicht überraschend, dass die Ukrainer nach den nunmehr vier Jahren Krieg im Donbass ihr Glück auch auf dem afrikanischen Kontinent versuchen wollen.

    Sicherheitsexport Made in Russia

    Auf dem afrikanischen Markt für paramilitärische Dienstleistungen herrscht also ein Überangebot. Die Konkurrenz ist hart. Ohne die Unterstützung der eigenen Regierung hatten es die russischen PMCs daher schwer, sich in Afrika durchzusetzen, obwohl die Moran Security Group oder die RSB-Group Einzelaufträge in Sierra-Leone, Angola, Kenia und sogar in der Zentralafrikanischen Republik erhielten. Nun häufen sich Medienberichte über unbekannte russische Soldaten, die allenthalben auf dem afrikanischen Kontinent auftauchen. Solche Informationen sind zwar bruchstückhaft, doch lassen sie ein Muster erkennen, nach dem Russland mit den Staaten Afrikas im Sicherheitsbereich zusammenarbeitet.

    Die Eckpfeiler dieser Zusammenarbeit sind: Politische Vereinbarungen über Sicherheitsgarantien und Schutz der Zentralregierung sowie ihrer Organe, Ausbildung afrikanischer Soldaten durch russische Militärberater – und das alles im Gegenzug für Exklusivrechte bei der Förderung von Bodenschätzen sowie andere Zusagen an die russische Wirtschaft. Begleitend dazu stärkt Russland seinen politischen Einfluss in der Region. Es ist ein Sicherheitsexport Made in Russia. Eines müssen die Verantwortlichen dabei jedoch immer im Hinterkopf behalten, schreibt Sicherheitsexperte Nejelow: Wenn es dir gelingt, ein Gebiet kampflos einzunehmen, besteht immer das Risiko, dass du nur hinein gelockt wurdest, während der eigentliche Kampf dir noch bevorsteht.

    Tags:
    Privatarmee, Sicherheitsdienst, Bodenschätze, Pentagon, AFRICOM, Liberia, China, USA, Angola, Russland, Afrika
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren