17:04 23 Oktober 2018
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    Ölförderung im Nahost (Archivbild)

    OPEC+-Deal: Russland und Saudis spielen USA in die Hand

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    Ende der vergangenen Woche haben sich die Teilnehmer des OPEC+-Deals geeinigt, die Ölförderung um eine Million Barrel pro Tag aufzustocken. Wie der russische Energieminister Alexander Nowak ankündigte, wird Russland jeden Tag 200.000 Barrel mehr gewinnen.

    Schon im Juli könnte die Ölförderung um bis zu 400.000 Barrel täglich wachsen, teilte seinerseits der saudi-arabische Energieminister Halid al-Falih mit. Im zweiten Halbjahr 2018 müsste sie um mindestens 635.000 Barrel erhöht werden, damit Nachfrage/Angebot-Bilanz ausgeglichen bleibe, vermutete die Analystin Jekaterina Kolbikowa (Vygon Colsulting).

    Der neue Deal hat seine Rolle gespielt: Die Ölpreise stiegen in diesem Jahr zeitweise auf über 80 Dollar. Der russische Haushalt hat davon enorm profitiert. Allerdings haben viele Teilnehmer des Deals, auch Russland, einen Teil des Marktes verloren, und zwar an die Schieferölproduzenten aus den USA.

    Der im November 2016 abgewickelte Öldeal hatte eine Kürzung der Ölförderung um 1,8 Millionen Barrel pro Tag vorgesehen, doch nach Angaben der OPEC wird der Deal schon seit mehreren Monaten übertroffen: Im Mai wurden beispielsweise 2,6 Millionen Barrel weniger Öl als im Oktober 2016 gewonnen – wegen des Rückgangs der Ölförderung in Venezuela und der unbestimmten Situation um das iranische Öl.

    Der Markt sei ausgeglichen, aber es sei wichtig, „eine Überhitzung des Marktes“ zu vermeiden, hatte Nowak am Vortag des OPEC+-Treffens in Wien gesagt. Denn ausgerechnet die Dysbalance der Nachfrage und des Angebots im Jahr 2014 habe Anfang 2015 zu einem nie dagewesenen Wachstum der Ölvorräte geführt. So waren die US-Ölreserven damals zum ersten Mal in der Geschichte auf mehr als 370 Millionen Barrel gewachsen. Inzwischen belaufen sie sich auf 500 Millionen Barrel.

    Die Dysbalance konnte überwunden werden, und aktuell liegen die Ölreserven – sowohl in der Welt als auch in den USA – auf einem Durchschnittsniveau seit fünf Jahren, hatte das russische Energieministerium Anfang Mai festgestellt. Die Teilnehmer des Deals begannen sofort, die Ölförderung zu reduzieren, aber die 100-prozentige Erfüllung der Vereinbarung konnte erst im Mai 2017 erreicht. Das ursprüngliche Format des Deals hatte eine Kürzung der Ölförderung für ein halbes Jahr vorgesehen, doch die Vereinbarung wurde bis 2019 verlängert.

    Nicht alle Teilnehmer können von der Vereinbarung zur Erhöhung der Förderungsquoten profitieren.

    „In verschiedenen Ländern ist die Situation unterschiedlich“, so Nowak. „Manche können die Förderung nicht erneut erhöhen; manch andere halten die Quoten ein, und irgendwer kann die Förderung auch aufstocken.“

    Es wird Gewinner und Verlierer geben, sind sich viele Experten einig. „Der Iran und Venezuela befinden sich in einer schlimmeren Lage, und keines von diesen Ländern kann in absehbarer Zeit die Ölförderung erhöhen oder wenigstens aufrechterhalten“, meint Dmitri Marintschenko (Fitch). Die Zusatzquoten für den Iran und Venezuela werden unter Berücksichtigung der neuen Bedingungen des Deals seine größten Teilnehmer bekommen, vor allem Saudi-Arabien und Russland, so der Branchenkenner. Es sei Teheran und Caracas ziemlich schwer gefallen, der Aufstockung der Ölförderung zuzustimmen, aber die OPEC und Russland müssten jedenfalls mehr Öl gewinnen, denn sonst könnten die Ölpreise angesichts der Iran-Sanktionen dreistellige Zahlen erreichen, was aber nicht nur einen Einsturz der Nachfrage, sondern sogar eine globale Rezession provozieren würde. Die getroffene Entscheidung mache die Preise stabiler, stellte Marintschenko fest.

    Das Defizit auf dem globalen Ölmarkt hält seit 2017 an. Deshalb hatten viele russische Unternehmen auf die Novellierung des OPEC+-Deals gewartet und die Erschließung von Ölfeldern intensiviert. Jetzt könne Russland die Förderung um die erwähnten 200.000 Millionen Barrel pro Tag leichter aufstocken – das würde etwa drei Monate in Anspruch nehmen, sagt Analystin Darja Koslowa (Vygon Consulting). Die Investitionen in die Ölbranche seien in diesem Jahr um zehn bis 15 Prozent gewachsen, und zwar unabhängig von den Verhandlungen mit der OPEC.

    Der Rückgang des Marktanteils sei für Russland kein Problem, zeigte sich Marintschenko überzeugt. Denn viel wichtiger sei der Preis. „Der Marktanteil könnte beispielsweise um zwei Prozent größer sein, aber die Einnahmen wären um 40 Prozent geringer“, ironisierte der Experte.

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    Tags:
    Öl, Wirtschaft, Ölpreis, Ölmarkt, Ölförderung, Fitch Ratings, Energieministerium Russlands, OPEC, Alexander Nowak, Iran, Nahost, Saudi-Arabien, USA, Russland