19:49 21 Juli 2018
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    Mitarbeiter des russischen Öl-Unternehmens Lukoil (Archivbild)

    Höhere Ölförderquoten gemeinsam mit Opec: Was sie für Russland bedeuten

    © REUTERS / Sergei Karpukhin
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    Russland hat Kapazitäten, um die jüngste gemeinsame Entscheidung mit der Opec umzusetzen, wonach die Ölfördermengen ansteigen sollen. Mit dem Thema beschäftigt sich Igor Juschkow, Analyst der russischen Denkfabrik National Energy Security Fund.

    Juschkow schreibt in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“, nach dem Ölpreissturz im Jahr 2014 hätten die Lieferanten zunächst maximale Ölmengen gefördert – unabhängig vom Preis. Da ihre Reservefonds aber geschrumpft seien, sei man zu dem Schluss gelangt, dass etwas geändert werden müsse.

    Nach der 2016 geschlossenen Abmachung der Opec-Länder mit weiteren Öllieferanten sei es gelungen, einen Preisanstieg zu erzielen – durch die damals vereinbarte Reduzierung der Förderquoten. Dann sei die Frage nach dem weiteren Schicksal jener Abmachung aufgekommen.

    „Ein Verzicht auf sie wäre riskant, denn die Preise könnten wieder zurückgehen. Eine Aufrechterhaltung der Produktions-Einschränkungen würde indes weniger Gewinne bedeuten. Dazu noch erhöhen die amerikanischen Schieferöl-Projekte ihre Produktionsmengen, indem sie sowohl Marktanteile als auch Gewinne dank hoher Preise erzielen“, so Juschkow.

    Wie er erläutert, hatte Russland im Vorfeld jener Abmachung einen historischen Rekord in Sachen Ölförderung aufgestellt; das sei ein günstiger Ausgangspunkt für die damals beschlossene Reduzierung der Fördermengen gewesen, der auch die Regierung in Moskau zugestimmt habe. Die beteiligten Staaten hätten sich damals auf eine Reduzierung um insgesamt 1,8 Millionen Barrel täglich verständigt.

    Nun fühlt sich Russland laut Juschkow komfortabel, ist aber auch in der Lage, seine Ölförderung bei Bedarf wieder zu vergrößern; es wäre für Moskau also sinnlos, sich jetzt einer Erhöhung der Förderquoten zu widersetzen.

    „Gegen eine Erhöhung der Quoten waren der Iran und Venezuela. Die Regierung in Caracas hatte die Ölförderung unter die von der Opec vorgeschriebene Marke gesenkt, und zwar aus inneren Gründen im Zusammenhang mit der sozialen und Wirtschaftskrise. Der Iran befürchtet unterdessen einen Rückgang seiner Ölförderung angesichts des US-Ausstiegs aus dem Atomabkommen, der das Risiko eines Kapitalabflusses aus iranischen Ölprojekten verursacht“, erläutert Juschkow.

    Schließlich sei ein Kompromiss gefunden worden, indem sich die Länder der „Opec+“ einschließlich Russlands kürzlich darauf geeinigt hätten, ihre Ölproduktion um insgesamt eine Million Barrel täglich zu erhöhen.

    „Man muss aber verstehen: Diese Abmachung besteht, solange sie funktioniert. Falls die Preise plötzlich sinken sollten, laufen wir alle trotz der Bemühungen der Teilnehmer das Risiko, in den 'Jeder für sich'-Zustand zurückzufallen“, schreibt der Experte abschließend.

    Zum Thema:

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    Tags:
    Ausstieg, Atomdeal, Atomabkommen, Ölförderung, Ölvorkommen, Öl, OPEC, Iran, USA, Caracas, Venezuela, Russland
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