09:19 22 Oktober 2018
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    US-Präsident Donald Trump

    „Ein niedrigerer Preis für Hegemonie“: Trumps Rolle bei neuem US-Kurs

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    Donald Trump will nach wie vor eine Dominanz für Amerika – aber keine globale Führerschaft mehr. Er strebt eine billigere Hegemonie an. Darauf weist der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow hin.

    Lukjanow schreibt in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift „Ogonjok“, dem gegenwärtigen US-Präsidenten werde oft Unberechenbarkeit vorgeworfen, doch dieser Vorwurf sei nicht gerechtfertigt. Trump halte konsequent an seinem Wahlprogramm fest.

    „Keiner von Trumps Schritten, die seit eineinhalb Jahren seiner Präsidentschaft am meisten für Aufregung sorgten, war überraschend. Der Verzicht auf die Transpazifische Partnerschaft und auf das Abkommen mit dem Iran, die Handelskriege mit den größten Wirtschaften der Welt, die harte Migrationspolitik, die Schelte gegenüber Nato-Verbündeten wegen ihrer Vorliebe fürs Nassauern, die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, die regelmäßige Anwendung (oder zumindest Anwendungs-Drohungen) von Gewalt, die Steuersenkung und Erhöhung der Militärausgaben – all dies war nicht nur im Programm von Kandidat Trump enthalten, sondern auch seit vielen Jahren in seinen Auftritten, Artikeln, Büchern und Interviews“, so Lukjanow.

    Die Mission, der Trump anhänge, bestehe darin, das zu zerstören, woran seine Amtsvorgänger seit ein paar Jahrzehnten gebaut hatten, und zwar das System der globalen amerikanischen Führerschaft im Rahmen der neoliberalen Globalisierung, hieß es.

    Allerdings sei Trump keine Ursache des Wandels, sondern dessen Folge: „Der US-Kurs nach dem Kalten Krieg hat sich sowohl politisch als auch wirtschaftlich totgelaufen. Nicht dass die Unkosten bei der 'Weltverwaltung' die Dividende überstiegen haben (die Dominanz ist immerhin eine ziemlich profitable Sache), diese Unkosten sind aber unverkennbar geworden. Das Aufkommen neuer globaler Konkurrenten wie vor allem China zog einen Schlussstrich unter jenes Zeitalter, wo ungeteilte Macht in einer offenen Welt relativ billig gewesen war.“

    Lukjanow erläutert, ein Verzicht auf die Führerschaft bedeute aber keinen Verzicht auf die Dominanz. Trump strebe einen „niedrigeren Preis für Hegemonie“ an – durch eine Fragmentierung des Systems der internationalen Beziehungen mittels einer höheren Verschlossenheit auf verschiedenen Ebenen. Es gehe um Protektionismus im weitesten Sinne des Wortes – von Strafzöllen auf konkurrierende Waren bis hin zu Hürden für einen Zustrom von Menschen anderer Kulturen.

    Trump sei eine Grenze zwischen dem früheren und dem neuen Kurs: „Zwar ist leicht vorstellbar, dass in zwei- oder in sechseinhalb Jahren ein Politiker von ganz anderem Typ und Image Trumps Nachfolge als Präsident antreten wird (…) Doch der neue Präsident wird nicht mehr in der Lage sein und wahrscheinlich auch keine Lust haben, jene Realität zu demontieren, die Donald Trump derzeit so resolut aufbaut.“

    „Trump wird die ganze Dreckarbeit erledigen und die ganze Empörung akkumulieren, um dann die politische Arena zu verlassen, indem sein Nachfolger in der beneidenswerten Position eines Versöhners und Konsens-Bauers bleibt. Aber schon auf einer neuen Grundlage. Und in einer neuen Welt“, schreibt Lukjanow.

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    Tags:
    Handelskrieg, Strafzölle, Außenpolitik, Dominanz, Hegemonie, Weltmacht, Kalter Krieg, NATO, Fjodor Lukjanow, Donald Trump, USA