19:16 16 Oktober 2018
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    Bomber Tu-22M3 (Archivbild)

    Was Russlands Langstreckenbomber mit neuer Rakete alles kann

    CC BY-SA 3.0 / RuSpotters Team / Alex Beltyukov
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    Laut Medienberichten könnten russische Bomber Tu-22M3 künftig mit „Kinschal“-Raketen ausgerüstet werden. Welche Folgen die Bewaffnung der Bomber mit diesen Raketen haben könnte, erfahren Sie in diesem Artikel.

    Den neuen russischen Raketenkomplex „Kinschal“ hatte Präsident Wladimir Putin in seiner Jahresansprache an das Parlament im März quasi angekündigt. Der Staatschef teilte damals mit, dass er bereits im Militärbezirk Süd testweise in die Bewaffnung aufgenommen worden sei. Auf dem Bildschirm wurde in diesem Moment gezeigt, wie eine solche Rakete von einem modifizierten Kampfjet MiG-31 abgefeuert wird.

    Zwischen „Iskander“ und „Kinschal“

    Laut vorliegenden Angaben geht es bei der Rakete Ch-47M2 des „Kinschal“-Komplexes um die für Flugzeuge geeignete Modifikation der Rakete 9M723-1 des Komplexes „Iskander“. Dank der größeren Flughöhe (bis 18 Kilometer) und Startgeschwindigkeit (bis 2500 km/h) hat die Flugzeugmodifikation eine größere Höchstgeschwindigkeit und Reichweite (bis 2000 statt 480 Kilometer). Darüber hinaus verletzt diese Modifikation nicht die Bestimmungen des INF-Vertrags, dem zufolge Produktion, Tests und Aufstellung von bodengestützten Raketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5500 Kilometern verboten sind.

    Es wurde darüber hinaus mitgeteilt, dass der neue Komplex unter anderem für die Bekämpfung von Überwasserschiffen geeignet sei. Ob er aber über einen selbstständig zielsuchenden Kampfblock verfügt, der Überwasserobjekte treffen könnte, ist vorerst nicht bekannt. Dabei kann der Komplex gegen unbewegliche Ziele eingesetzt werden, beispielsweise gegen Kommandostellen, Kommunikationsknotenpunkte, Brücken usw.

    Von MiG-31 zu Tu-22M

    Dass es eine für Flugzeuge geeignete „Iskander“-Modifikation gibt, war noch vor der offiziellen Präsentation des „Kinschal“-Komplexes erörtert worden. Dabei wurde behauptet, dass damit vor allem Tu-22M3-Bomber ausgerüstet werden sollen.

    Diese in den 1980er Jahren entwickelten Flugzeuge werden bei Militäreinsätzen, unter anderem in Syrien, intensiv eingesetzt. Aktuell werden sie vor allem mit Freifallbomben und mit Anti-Schiffs-Überschallraketen Ch-22 ausgerüstet. Die russischen Luftstreitkräfte verfügen derzeit über etwa 60 Tu-22M3-Maschinen. Weitere Dutzende Flugzeuge werden derzeit gelagert.

    Vor Tu-22M3-Bombern stehen zwei wichtigste Aufgaben: große Bodenobjekte in einer Reichweite von 2000 bis 3000 Kilometern vernichten und gegen große gegnerische Schiffe kämpfen. Derzeit werden diese Maschinen zusätzlich modernisiert, unter anderem mit funkelektronischen Kampfmitteln ausgestattet. Außerdem sollen sie neuere Triebwerke (NK-32 statt NK-25) bekommen.

    Als stärkste Rakete für Tu-22M3-Flugzeuge galt bis zuletzt das Modell Ch-32 – eine modernisierte Version von Ch-22 mit einer auf 1000 Kilometer erhöhten Reichweite und einer Geschwindigkeit von 4000 km/h. Voraussichtlich werden Tu-22M3-Maschinen auch andere hochmoderne Waffen tragen, darunter lenkbare Flugbomben und Raketen verschiedener Typen.

    Im Falle der Ausrüstung mit „Kinschal“-Komplexen könnten die Tu-22M3-Bomber noch bessere Möglichkeiten zur Vernichtung von weit entfernten Zielen außerhalb der Reichweite der gegnerischen Luftabwehrmittel bekommen. Und dabei ist die Rakete Ch-47M2 kleiner als Ch-22 und Ch-32, so dass ein Flugzeug gleich mit drei oder vier Raketen dieses Typs ausgerüstet werden könnte. Zwar wird die maximale Reichweite der Rakete etwas geringer als bei einem Start vom MiG-31-Kampfjet sein, weil die Flughöhe und Geschwindigkeit beim Tu-22-Modell kleiner sind, aber sie wird hoch genug bleiben. Solche Raketen abzufangen, ist selbst für moderne Luft- bzw. Raketenabwehrmittel eine schwere Aufgabe.

    Falls der Gegner mehr Kräfte hat…

    Es handelt sich dabei natürlich um ein Offensivsystem, aber im Rahmen der russischen Militärdoktrin hat es ausschließlich eine defensive Ausrichtung. Im Falle einer hypothetischen Konfrontation zwischen Russland und der Nato in Europa wären die „Kinschal“-Komplexe (vor allem ohne Atomwaffen) das wichtigste Mittel zur Vernichtung der gegnerischen Infrastruktur im Hinterland, um unter anderem den Truppen- und Waffennachschub zu behindern.

    Der Einsatz solcher Mittel soll rein technisch die zahlenmäßige Überlegenheit des Gegners ausgleichen und den Zeitpunkt möglichst verschieben, wenn das einzige effiziente Mittel Atomwaffen wären.

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    Tags:
    Bomber, Kampfflugzeug, Kampfjet, Militärtechnik, Modernisierung, Langstreckenbomber, Rakete, Marschflugkörper, Raketenkomplex, Iskander, MiG-31, Tu-22M3, Kinschal, Ch-22, Wladimir Putin, Russland