14:18 21 Oktober 2018
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    Raketensystem S-400

    Wie russische S-400-Abwehrsysteme das „fliegende Auge“ der Nato und US-Jets bedrohen

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der Westen fürchtet, dass nach dem Verkauf von S-400-Abwehrsystemen an die Türkei die Parameter der US-Kampfjets F-35 offengelegt werden könnten. Zudem stufen Experten das Luftverteidigungssystem als eine Gefahr für die Awacs-Radarflugzeuge der Nato ein.

    Medien berichteten am Dienstag über die erfolgreich abgeschlossenen staatlichen Tests der Langstreckenrakete 40N6E der S-400-Systeme. Bislang gab es zwar noch keine offiziellen Bestätigungen, doch laut einer Quelle aus der russischen Rüstungsbranche könnte die Rakete bis zum Ende Sommer in Dienst genommen werden.

    Auch der russische Militärexperte Michail Chodarjonok ist überzeugt, dass die Rakete demnächst in Dienst genommen wird. Sie wird schon seit einiger Zeit in Russland getestet. Es gab auch früher erfolgreiche Tests. Der Abschluss der staatlichen Tests bedeutet einen weiteren Schritt bei der Entwicklung von Flugabwehrwaffen in Russland.

    „Bis vor kurzem nutzten wir bei den S-400-Systemen modernisierte Raketen, die bei S-300 genutzt werden. Ihre maximale Reichweite lag bei zehn bis 250 Kilometern. Die neue Rakete 40N6E kann eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern haben und auf einer Höhe bis zum nahen Weltraum eingesetzt werden. Es handelt sich wohl um eine Rakete mit einem aktiven Zielsuchkopf, der in der Endphase des Flugs eingesetzt wird. Mit dieser Rakete können Luft-Kommandostellen und gegnerische AWACS-Flugzeuge erreicht werden“, sagte Chodarjonok.

    Und weiter: „Wenn die russischen Luftstreitkräfte mit diesen Abwehrraketen umfassend versorgt worden sind, könnten sie auch exportiert werden, weil in den kommenden Jahren die Serienlieferungen von S-500-Komplexen an das russische Militär beginnen würden. Bei diesem Flugabwehrsystem handelt es sich um ein Langstreckensystem mit Abfangen in großer Höhe und besserem Flugabwehrpotential.“

    Eine mögliche Aufnahme der neuen Langstreckenrakete in die Exportversion der S-400-Komplexe würde ihre Attraktivität auf dem Weltmarkt für russische Flugabwehrwaffen erhöhen. Russland baute in den vergangenen Jahren den Export der Flugabwehrsysteme aus. Der Rüstungskonzern Almas-Antej wurde laut westlichen Einschätzungen im vergangenen Jahr in Russland zum Spitzenreiter beim Export. Das Wichtigste an diesem Prozess ist, dass High-Tech-Erzeugnisse verkauft werden, die weltweit keine Analoga haben.

    Nach Angaben aus offenen Quellen wurden 2016 zwei Divisionen von S-400-Komplexen an Weißrussland geliefert. In der ersten Hälfte 2018 wurde eine Regiment-Einheit an China geliefert. Während der Preis für weißrussische Lieferungen minimal ist, wird der Vertrag für die chinesischen auf dreiMilliarden Dollar geschätzt. Das ist eine ziemlich hohe Summe für ein System der militärtechnischen Kooperation. So belief sich der Wert der gesamten russischen Waffenlieferungen ins Ausland 2017 auf etwa 15 Milliarden Dollar.

    Auf dem Markt der Flugabwehrwaffen winken neue Verträge und Lieferungen. Laut dem Chef der russischen Technologieholding Rostec, Sergej Tschemesow, produziert Russland bereits mehrere S-400-Einheiten für die Türkei. Ihm zufolge erwirbt Ankara vier S-400-Divisionen im Gesamtwert von 2,5 Milliarden Dollar. Diese Lieferungen sind für 2019 geplant.

    AWACS-Flugzeug der US-Luftstreitkräfte E-3
    AWACS-Flugzeug der US-Luftstreitkräfte E-3

    Doch anscheinend gibt es im Westen und in den USA viele Gegner dieser Pläne. Der US-Senat billigte im Juni den Verteidigungsetat für das Finanzjahr 2019, bei dem der Verkauf von Kampfjets der neuen Generation F-35 an die Türkei wegen der Pläne Ankaras untersagt wird, russische S-400-Komplexe zu kaufen. Laut US-Medien wehrte sich der Pentagon-Chef James Mattis gegen diesen Beschluss. Am 21. Juni fand in Texas die feierliche Übergabe des ersten Flugzeugs der 5. Generation F-35A an die türkischen Luftstreitkräfte statt. Der erste türkische F-35-Jet wurde auf dem Luftwaffenstützpunkt Luke im US-Bundesstaat Arizona stationiert, wo er zur Ausbildung von türkischen Piloten eingesetzt wird. Der Sprecher des türkischen Präsidenten, Ibrahim Kalin, sagte in der vergangenen Woche, dass Ankara trotz des US-Drucks den Deal zum Kauf der russischen S-400-Komplexe nicht aufkündigen werde.

    Westliche Medien diskutierten am Dienstag einen Artikel in der Zeitung „The Telegraph“, in dem behauptet wird, dass im Falle des gleichzeitigen Erwerbs von F-35-Flugzeugen und russischen S-400-Raketen durch die Türkei Informationen über die Anfälligkeit des US-Kampfjets nach Moskau gelangen werden. Die Zeitung zitierte Senator Chris Van Hollen, der befürchtet, dass Russland dann über vertrauliche Informationen zu Technologien verfügen wird, welche die F-35-Jets nicht erfassbar machen für Radare.

    Ähnlicher Meinung ist auch das britische Parlament. Der Chef des Sonderverteidigungsausschusses, Mark Francois, sagte gegenüber „The Telegraph“, dass Großbritannien in die F-35-Jets viel Geld investiert, weshalb London sich dagegen wehrt, dass etwas diese Technologie belasten würde.

    Zuvor hatten mehrere US-Experten betont, dass russische S-400-Komplexe eine große Bedrohung für F-35 darstellen. Über die Probleme der F-35-Tarnung und die Möglichkeiten der S-400-Komplexe berichteten auch australische Militärexperten.

    So bezeichnete der Militärexperte Carlo Kopp die technologische Strategie der Entwicklung des Kampfjets in diesem Zusammenhang als gescheitert. Das Mitglied des australischen Parlaments und ehemaliger Militärexperte, Dennis Jensen, äußerte die Meinung, dass die F-35-Jets den neuesten russischen Flugabwehrmitteln unterlegen sind.

    Über reale Fakten des Kampfeinsatzes von S-400-Raketen in Syrien wurde in der Presse nicht berichtet. Doch bekannt ist, dass S-400-Komplexe nach dem Abschuss eines russischen Flugzeugs durch ein türkisches Jet 2015 über Syrien auf dem Stützpunkt Hmeimim in Dienst gestellt wurden. Die USA und Israel setzen F-35-Flugzeuge im Nahen Osten ein. Allerdings ist es bislang nicht zu Zwischenfällen gekommen.

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    Tags:
    Luftabwehrsysteme, Kampfjet, Luftabwehr, F-35, Luftabwehr-Raketensystem S-500, AWACS-Flugzeug, S-400, U.S. Air Force, Recep Tayyip Erdogan, Ankara, Türkei, USA, Russland