09:27 17 November 2018
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    LNG-Tanker in den Niederlanden (Archiv)

    Warum Niederlande nicht ohne russisches Gas auskommen

    © AFP 2018 / LEX VAN LIESHOUT / ANP
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    Seit einigen Jahrzehnten sind die Niederlande eine recht günstige Energiequelle für Nordwesteuropa. Die Entdeckung des Gasvorkommens in Groningen, des neuntgrößten in der Welt, ist eine zuverlässige Energiequelle seit den Jahren, als die Energiemärkte nach dem arabischen Ölembargo für westliche Länder 1973 stark erschüttert wurden.

    Doch jetzt sieht die Zukunft des Gassektors trübe aus. Der Grund dafür sind zwei wichtige politische Beschlüsse, die 2018 getroffen wurden. Der erste Beschluss – der im März getroffene Beschluss, die Gasförderung in Groningen allmählich abzubauen und sie bis 2030 vollständig einzustellen. Der zweite – das neue Klimaabkommen.

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    Den Haag ist wegen unumkehrbarer Folgen gezwungen, das Vorkommen zu schließen. Wegen der Gasförderung kam es in diesem Gebiet zu einem starken Anstieg der seismischen Aktivitäten.

    Das neue Klimaabkommen war ein weiterer negativer Faktor für die Gasförderung. Laut dem Abkommen sollen alle Kohlekraftwerke bis 2030 geschlossen werden. Kohle sollte eigentlich durch Gas ersetzt werden, doch auch sein Anteil am Energiegleichgewicht des Landes soll bis 2050 bei Null liegen. Die Wirtschaft der Niederlande soll in drei Jahrzehnten zu 100 Prozent „erneuerbar“ sein, also mit erneuerbaren Energiequellen funktionieren.

    Allerdings sind die Niederlande nach wie vor ein großer Gasverbraucher. So machte der Gasbedarf im vergangenen Jahr 40 Mrd. Kubikmeter aus. Er soll mit Flüssiggas- und Rohrgasimport gedeckt werden. Das einzige im Land vorhandene Werk zur Umwandlung von Flüssiggas in Gas kann nicht die gesamte Nachfrage decken, weil seine Kapazität nur zwölf Mrd. Kubikmeter pro Jahr ausmacht. Was gewöhnliches Gas betrifft, kann Den Haag es nur bei Norwegen und Russland kaufen.  Im Falle von norwegischem Gas sind die Möglichkeiten wegen der Obergrenze der Gasförderung in Norwegen begrenzt. Deswegen ist der einzige Ausweg für die Niederlande – russisches Gas.

    Nach der Rekordkälte im Winter konnte Russland in vielen Teilen Europas 2018 seinen führenden Status als europäischer Gasversorger sogar noch festigen. Es bestätigte sich erneut, dass russisches Gas der einzige Ausweg ist, wenn kurzfristig große Mengen benötigt werden.

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    Dennoch sieht es für die niederländische Gasbranche nun auch nicht so düster aus. Der Hauptgrund besteht darin, dass es im Klimaabkommen Aspekte gibt, die Zweifel an seiner Effizienz bzw. Erfüllbarkeit in den vereinbarten Fristen aufkommen lassen.

    Laut Berechnungen können die Niederländer bis 2050 nicht vollständig auf Gas verzichten, weil die erneuerbaren Quellen dafür nicht ausreichen. Falls nicht eine revolutionäre Entdeckung im Energiebereich gemacht wird, wird Gas auch bis Mitte dieses Jahrhunderts der einzige passende Kraftstoff bleiben.

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    Tags:
    Gasförderung, Energie, LNG, Gaslieferungen, Europa, Niederlande, Russland