11:59 23 Oktober 2018
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    der iranische Patrouillenfahrzeug beim Öltanker (Archiv)

    Iran wird Nachbarn zwingen, Öl-Tanker zu bewachen

    © AFP 2018 / ATTA KENARE
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    Die militärpolitische Führung des Irans droht laut Ismail Kusari, einem der Kommandeure der Islamischen Revolutionsgarde, mit der einseitigen Blockade des Ölexports durch die Straße von Hormus. Nach seinen Worten wäre das Teherans Antwort auf die Entscheidung Washingtons, anderen Ländern den Ölimport aus dem Iran zu verbieten.

    „Sollten sie (die Amerikaner) den iranischen Ölexport blockieren, werden wir verhindern, dass das Öl durch die Straße von Hormus in andere Länder ausgeführt wird“, betonte Kusari.

    Bereits im Januar hatte der türkische Kolumnist Kerem Alkin hinsichtlich des potenziellen Konflikts zwischen dem Iran und Saudi-Arabien prognostiziert, dass dadurch etwa 20 Millionen Barrel Öl blockiert werden könnten, die jeden Tag durch die Straße von Hormus in andere Länder befördert werden. „In diesem Fall müssten Europa und Asien an der Tür der Amerikaner anklopfen. Alles, was wir dann durchstehen müssten, wäre ein Krieg für Afrika zwischen 2030 und 2060, der wegen der Position der USA im Bereich der globalen Energieversorgung beginnen würde“, betonte Alkin. Dass Teherans jüngste Drohungen mit der Absicht Washingtons verbunden sind, die Islamische Republik im Handelsbereich zu isolieren, bestätigt quasi, dass Alkins Argumente im Grunde richtig waren bzw. sind.

    >>Mehr zum Thema: Washington will weltweiten Stopp von Ölimporten aus dem Iran durchsetzen

    Dabei droht der Iran nicht mehr zum ersten Mal mit der Blockade der Straße von Hormus, die den Golf von Oman mit dem Persischen Golf verbindet. So etwas passierte schon 2011, als das Thema Iran-Sanktionen intensiv debattiert wurde. Damals musste die Weltgemeinschaft die potenziellen Risiken ernsthaft abwägen. Allerdings wurde damals der Öltransport durch die Straße von Hormus auf 17 Millionen Barrel täglich geschätzt, was nach Einschätzung der US-Behörden etwa 20 Prozent des globalen Öls betrug. 2012 versprach der damalige Pentagon-Chef Leon Panetta, Gefechte zu beginnen, falls Teheran die Ölbeförderung aus dem Persischen Golf stören sollte.

    Allerdings glauben die meisten Experten, dass Teherans Drohungen kaum umsetzbar sind. „Die Straße von Hormus wird nicht nur vom Iran kontrolliert“, sagte beispielsweise Leonid Issajew von der Moskauer Higher School of Economics. „Sollte sie hypothetisch gesperrt werden, wäre das ein sehr starker Schlag. Denn durch die Straße von Hormus verkehren Tankschiffe aus den Ländern der Persischen Golfregion zu ihren Verbrauchern. Alles, was östlich von Saudi-Arabien liegt, passiert die Straße von Hormus. Andererseits gibt es dort auch Oman, die Straße wird nicht nur vom Iran kontrolliert.“ Dennoch schloss der Politologe diverse Provokationen nicht aus. „Der Iran ist zwar aktuell unfähig, so etwas zu tun. Aber Provokationen würden den Amerikanern helfen, das iranische Regime schlechtzureden.“

    Provokationen hatte es in der Straße von Hormus tatsächlich gegeben. Im Sommer 2017 richtete ein Motorboot der iranischen Seestreitkräfte beispielsweise einen Laserstrahl auf einen US-amerikanischen Hubschrauber, der gemeinsam mit US-Schiffen ein Tankschiff auf dem Weg aus dem Persischen Golf begleitete.

    Damals behauptete der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, William Urban, die Iraner hätten darüber hinaus einen Scheinwerfer verwendet. Und noch im Frühjahr 2017 hatten sich mehrere Schiffe der Islamischen Revolutionsgarde in nur 548 Meter Entfernung von einem US-Schiff befunden, so dass dieses seinen Kurs korrigieren musste. Die Amerikaner mussten sogar Warnfeuer eröffnen. Ähnlich hatte auch die Besatzung des US-Zerstörers „Mahan“ im Januar 2017 auf eine Gruppe von iranischen Schiffen in ihrer Nähe reagiert.

    >>Mehr zum Thema: Deutsch-Iranische Handelskammer: Der Iran sollte Öl nicht mehr in Dollar verkaufen

    Experten zweifeln daran, dass sich Teheran für ein hartes Vorgehen entscheiden würde. „Nach dem Abschluss des Wiener Abkommens (sprich des Atomdeals) 2015 hat sich der Handelsumsatz des Irans mit den Europäern von fünf auf mehr als 17 Milliarden Euro verdreifacht“, führte Issajew an.

    „Und es ist das Potenzial für ein weiteres Wachstum vorhanden. Teheran ist daran interessiert, sich als zivilisiertes Land zu verhalten – trotz aller Vorwürfe seitens der USA. Die jüngsten Drohungen sind nichts als Rhetorik. Als die USA im Mai ihren Austritt aus dem Atomdeal verkündeten, sprachen auch die Iraner vom Ausstieg. (…) Aber sie taten das am Ende nicht. Es stellte sich heraus, dass Teheran bereit ist, den Deal auch weiter einzuhalten. Das ist eher ein neuer Ausbruch des Antiamerikanismus, der für das iranische Establishment typisch ist.“

    Die Drohungen seitens der Islamischen Revolutionsgarde kamen vor dem Hintergrund der am 2. Juli begonnenen Europa-Reise des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani. Zunächst besuchte er Bern und traf sich dort mit seinem schweizerischen Amtskollegen Alain Berset. Danach reiste Rouhani nach Wien – Österreich ist aktuell der Vorsitzende des EU-Rats. Außerdem traf er sich dort mit dem IAEO-Generaldirektor Yukiya Amano. Im Mittelpunkt aller seiner Verhandlungen stand der Atomdeal.

    „Bei allen seinen Aktivitäten im Atombereich verfolgte der Iran immer friedliche Ziele“, sagte Rouhani nach dem Treffen mit Amano und betonte zugleich, dass über das Niveau seiner Kooperation mit der IAEO Teheran selbst entscheiden werde.

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    Tags:
    Atomdeal, Tanker, Einschätzung, Öllieferungen, Provokationen, Drohungen, Blockade, Sicherheit, Hormus, Persischer Golf, Iran, Saudi-Arabien, USA