09:01 26 September 2018
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    eine Fabrik in China (Archiv)

    China hat „keine geheime, aber sehr wirkungsvolle Waffe gegen Washington“

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    Peking hat keine geheime, aber eine sehr wirkungsvolle Waffe gegen Washington. Die früheren Erfahrungen bei der Nutzung von Seltenerdmetallen in geopolitischen Konflikten zeigte ihre Effizienz.

    Donald Trump drohte mit der Einführung von Strafzöllen für chinesische Waren im Wert von knapp 200 Milliarden Dollar. Peking kündigte adäquate Gegenmaßnahmen an. Die beiden stärksten Wirtschaftsmächte der Welt rasen auf einen umfassenden Handelskrieg zu. Die Tarife sind natürlich die Hauptwaffe Chinas in diesem Krieg. Die Seltenerdmetalle könnten eine zusätzliche, womöglich auch nicht weniger effiziente Waffe sein.

    In den Beziehungen zwischen dem Westen und China entflammten in den vergangenen Jahren häufig Konflikte. Nicht zufällig waren eine ihrer Ursachen die Seltenerdmetalle. Trotz ihrer Bezeichnung sind die 17 chemischen Elemente aus dieser unteren Gruppe im Periodensystem gar nicht so selten zu finden. Ihre hohe Leitfähigkeit und schwache Reaktion auf andere Elemente sorgen dafür, dass sie lange korrosionsfrei bleiben. Viele andere, nicht weniger nützliche Eigenschaften machen sie zu unersetzlichen Bestandteilen in Hochpräzisionsgeräten, Elektroautos und anderem. Auf China entfallen 97 Prozent der weltweiten Förderung von Erdmetallen. Peking ist damit der Monopolist auf den Märkten der Seltenerdmetalle und nutzt das häufig für politische und andere Zwecke.

    „Im Nahen Osten gibt es Öl und in China Seltenerdmetalle“, sagte Dèng Xiăopíng vor einigen Jahrzehnten prophetisch.

    Von 99 Millionen Tonnen erschlossener Lagerstätten von Seltenerdmetallen entfallen 36 Prozent auf China. Die größten Vorkommen der leichten Seltenerdmetalle liegen in der Inneren Mongolei, der schweren — im Süden des Landes. Der größte Hersteller von Seltenerdmetallen in China und in der Welt ist die Inner Mongolia Baotou Steel Rare-Earth Group Hi-Tech Co.

    In den 1980er-Jahren wurden die meisten Seltenerdmetalle in den USA produziert. Doch ihre Gewinnung ist kompliziert und sehr umweltschädlich. Die Reinigung erfordert immense Mengen an Säure und ist kostspielig. Im Ergebnis wurden die nicht benötigten Gruben für die damals nicht besonders gewinnbringenden Seltenerdmetalle massenweise dicht gemacht. Ihre Produktion wurde nach China verlagert.

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    Jetzt zahlt der Westen für den Wunsch, Geld einzusparen und die Umwelt zu schonen. Steuern für den Export von Seltenerdmetallen wurden von Peking bereits Ende 2006 erhoben. Danach wurden ihre Förderung geregelt und Einschränkungen für den Export eingeführt. Chinesische Beamte erklärten die Einschränkungen mit dem Aufbrauch der Vorräte und der stark gestiegenen Nachfrage auf dem Binnenmarkt. 2004 entfielen auf China weniger als ein Drittel des globalen Verbrauchs, ab etwa 2015 war es fast die Hälfte.

    Selbst wenn China seine Verantwortung für die globale Wirtschaft begreift und Seltenerdmetalle nicht als Waffe im Handelskrieg gegen die USA nutzt, wird das Reich der Mitte seine Dominanz in diesem Sektor noch lange beibehalten. China ist seinen Konkurrenten nicht nur bei den Vorkommen und der Förderung von Seltenerdmetallen enteilt, sondern auch in der Forschung. Experten zufolge arbeiten weltweit an der Entwicklung neuer Technologien unter Verwendung von Seltenerdmetallen rund 100 Forscher. Sie alle befinden sich in China.

    China hat bereits seine Erfahrungen bei der Nutzung der Seltenerdmetalle als Waffe gegen unliebsame Länder eingesetzt. Japan, einer der größten Verbraucher, hat es als erster zu spüren bekommen. Nach der Zuspitzung der Gebietskonflikte im Ostchinesischen Meer 2010 stoppte Peking die Lieferungen von Seltenerdmetallen an Japan. Anschließend wurden die Lieferungen in die USA und in die EU deutlich eingeschränkt. Im Ergebnis mussten viele westliche Firmen ihre Produktion nach China verlegen. Das war eine der Hauptforderungen der chinesischen Seite.

    Sollten die Lieferungen aus China eingestellt werden, werden die Firmen natürlich nach alternativen Quellen suchen.

    In Russland riss die technologische Kette der Produktion von Seltenerdmetallen nach dem Zerfall der Sowjetunion ab. In den vergangenen Jahren ging es bei der Produktion nicht weiter als bis zum Konzentrat von Seltenerdmetallen. Zur Zerlegung des Konzentrats in einzelne Elemente wird es in ausländische Werke geliefert. Russland exportiert bislang nur den Rohstoff und importiert fertige Erzeugnisse. Doch es wurden auch Fortschritte erreicht.

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    In Koroljow bei Moskau wurde vor kurzem eine Produktion zur Teilung des Konzentrats der Seltenerdmetalle in einzelne Elemente gestartet. Das war das fehlende  Endglied in der technologischen Kette, das Ende der 1990er-Jahre verloren gegangen war. Die Verarbeitungskapazität: 130 Tonnen pro Jahr. Das ist de facto eine rein experimentelle Produktion, doch die Firma „Labor für innovative Technologien“ (gehört zur Staatskorporation Skygrad) will eine neue Produktionsstätte bauen, um 1000 Tonnen Konzentrat pro Jahr verarbeiten zu können.

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    Tags:
    Strafzölle, Unternehmen, Metall, Gegenmaßnahmen, Produktion, Reaktion, Öl, Westen, USA, China