20:26 20 November 2018
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    Goldfieber im All: Edelmetall-Jagd lockt Russland in den Weltraum

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    Im russischen Raumfahrtunternehmen Lawotschkin wird ein Projekt erörtert, das einem Sci-Fi-Film ähnelt. Die Firma, die einst ein Mondfahrzeug entwickelte, analysiert die mögliche Förderung von Mineralien im Weltraum – Platin, Gold und sogar Edelsteine. Inwieweit ist das technisch und wirtschaftlich aussichtsreich?

    Experten des wichtigsten russischen Unternehmens im Bereich Entwicklung von interplanetaren Stationen, das Raumfahrtunternehmen Lawotschkin, sondiert die technischen Möglichkeiten zur Förderung von Bodenschätzen im All. Am aussichtsreichsten werden in diesem Zusammenhang Asteroiden betrachtet. Forscher sind der Überzeugung, dass theoretisch auf die Erde drei bzw. vier Tonnen konzentriertes Erz gebracht werden können. Wenn es sich dabei um Gold und Platin handelt, könnte die Förderfirma mit großen Gewinnen aus diesem Geschäft rechnen. Also der Start ins Weltall könne rentabel sein, heißt es in einem Wissenschaftsartikel in der Zeitschrift „Westnik des Raumfahrtunternehmens Lawotschkin“.

    Um zu diesen Schlussfolgerungen zu gelangen, analysierten Experten die vorhandenen und aussichtsreichen Technologien, die für den Beginn der Förderung von Bodenschätzen im All nötig sind.

    „Die Rakete der Klasse Proton-M kann auf die Erde rund zehn Tonnen konzentriertes Erz bei einem Startgewicht des Geräts in Höhe von 5500 kg liefern, darunter das Betanken des Arbeitskörpers mit rund 3600 kg. Das lässt mit der Rentabilität der Förderung von Edelmetallen (Au, Pt u.a.) angesichts der Umsetzung der optimistischen Prognosen der Konzentration der Stoffe im Gestein rechnen“, heißt es im Artikel. Allerdings wird präzisiert, dass eine Landung auf dem Mond und der Start vom Mond nur mit chemischen Triebwerken möglich ist.

    Der Weltraum
    © Foto : ESO/J. Emerson/VISTA. Acknowledgment: Cambridge Astronomical Survey Unit
    Für die Anfangsphase der industriellen Erschließung von Asteroiden wäre es vernünftig, das interplanetare Transportmodul mit einem elektrischen Triebwerk zu nutzen, so Lawotschkin-Experten. Doch für die Schaffung einer solchen Technik müssen mehrere neue Technologien entwickelt werden. Dazu gehören die Landeplattform, Methoden der Erz-Förderung, Geräte zur Anreicherung der Materie und zur Abtrennung des tauben Gesteins, Container zur Beförderung und für zurückkehrende Geräte.

    „Technisch gesehen ist es nicht sehr schwer, etwas im Weltraum zu fördern. Die Fördertechnologien hängen ein wenig davon ab, ob das auf der Erde oder im Weltraum passiert. Die große Frage ist der Transport. Das Hauptproblem besteht darin, dass es bislang keine Elemente gibt, die einen solch großen Aufwand rechtfertigen würden, selbst wenn es sich um Gold bzw. Platin handelt“. Zudem gibt es keine Angaben, dass irgendwelche Himmelskörper Gold bzw. Platin in einer solchen Menge enthalten, dass sich eine solche Förderung lohnt“, so der Wirtschaftsexperte Sergej Hestanow.

    Bislang gibt es keine genauen Kenntnisse über den Gold- bzw. Platin-Gehalt in Himmelskörpern. Die Verfasser des Artikels weisen ebenfalls darauf hin. Als Beispiel wird der Asteroid (6178) 1986 DA mit einem Durchmesser von etwa drei Kilometern angeführt, der 1986 vom japanischen Astronom Minoru Kizawa entdeckt wurde. Die Gesamtmenge der nützlichen Metalle in diesem Asteroid wird auf 10.000 Tonnen Gold, 100.000 Tonnen Platin, eine Mrd. Tonnen Nickel geschätzt. Doch diese Schätzungen sind hypothetisch und wurden zur weiteren Motivation der Erforschung dieses Objektes gemacht.

    „Einer industriellen Erschließung von Asteroiden muss eine detaillierte Analyse der physikalischen Eigenschaften und Mineralien-Zusammensetzung vorausgehen. Erst dann kann ein Beschluss über die Zweckmäßigkeit von Expeditionen zu Asteroiden zur Förderung von Bodenschätzen getroffen werden“, heißt es in dem Artikel.

    „Theoretisch hindert nichts daran, Geräte zu entwickeln, die Erz auf dem Asteroiden bohren und es auf die Erde zurückbringen würden. Doch die Kosten werden so enorm sein, dass sich die Frage stellt, ob es sich überhaupt lohnt, sich damit zu befassen. Gold und Platin sind keine Elemente, die eine Förderung im Weltraum rechtfertigen können. Es ist viel billiger, sie auf der Erde zu fördern“, sagte Hestanow.

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    Grobe Berechnungen unterstützen diese These. Eine Feinunze (31,1 g) der Probe 999 kostet etwa 1200 bis 1300 Dollar. Selbst wenn es geschafft würde, auf die Erde drei bzw. vier Tonnen Gold von einem Asteroiden zu bringen, kann man für das im Weltall gewonnene Gold 115 bis 170 Mio. Dollar bekommen. Die Ausgaben würden aber Dutzende Male höher sein. Es würde sich wohl um Kosten in Höhe von 1,19 Mrd. Dollar (Stand 2014) handeln – so viel kostete der Raketenstart von Saturn-5 in den USA, um den Mond zu erreichen. Dabei konnte Saturn-5 nur 45 kg Mondgestein auf die Erde bringen.

    „Der Start einer Proton-Rakete ohne Fördergerät auf eine erdnahe Umlaufbahn kostet etwa 80 bis 100 Mio. Dollar. Sie kann nicht mehr als zwei Tonnen zurückbringen. Doch im erdnahen Orbit gibt es auch kein Gold, man muss weiter fliegen. Deswegen sinken die Möglichkeiten, etwas zurückzubringen, stark. Während Saturn-5 vom Mond, also dem nächsten Himmelskörper, nur einige Dutzende Kilogramm Mondgestein bringen konnte, würde Proton noch weniger bringen, denn das Ladevolumen von Proton ist um das 15-fache niedriger als bei Saturn“, sagte Hestanow.

    Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Lawotschkin-Büro rein theoretisch so etwas bewerkstelligen kann. Vielleicht handelt es sich auch nur um eine Demonstration der Möglichkeiten der Technologien. Doch wirtschaftlich ist es eine rein verlustbringende Veranstaltung, so der Experte.

    Ihm zufolge ist Helium-3 das einzige Element, dessen Förderung im Weltraum wirtschaftlich rentabel sein würde. Doch in der Praxis wird es nicht gefördert, weil die Aufgabe der Schaffung eines thermonuklearen Reaktors, an dem seit den 1950er Jahren gearbeitet wird, bislang nicht gelöst wurde. „Doch wenn irgendwann ein solcher Reaktor in Betrieb genommen wird, würde die Förderung des Isotopen Helium-3, der in vielen Himmelskörpern enthalten ist, theoretisch gerechtfertigt sein“, sagte der Experte.

    Um die Goldförderung im Weltraum wirtschaftlich zu rechtfertigen, muss dieses Edelmetall einiges mehr kosten.

    Der Goldpreis könnte stark steigen, falls seine Vorräte auf der Erde ausgeschöpft sind. Goldman Sachs sagte vor einigen Jahren, dass die erschlossenen Vorräte an Gold, Rohdiamanten und Zink in 20 Jahren zur Neige gehen werden. Die Vorräte an Platin, Kupfer und Nickel würden noch für 40 Jahre Förderung ausreichen. Allerdings handelt es sich dabei nur um erschlossene Vorräte.

    „Mindestens 30 Jahre sollte man sich darüber keine Sorgen machen. Auch wenn die üblichen Goldvorkommen ausgeschöpft sein werden, gibt es Fördertechnologien fürs Meer. Dort gibt es immense Vorräte. Doch auch jetzt ist es wirtschaftlich unsinnig, weil zu teuer. Doch wenn Gold teurer werden sollte, würde die Förderung in den Meeresgewässern eine Chance bekommen“.

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    Tags:
    Bodenschätze, Förderung, Entwicklung, Edelsteine, Gold, Platin, Science-Fiction, Proton-M, Weltraum, Mond, Russland