08:02 24 Oktober 2018
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    Der Prototyp der YF-23 „Black Widow“ im Flug (Archivbild)

    Auf zum Gegenschlag: Fliegt die „Schwarze Witwe“ bald über Fernost?

    © Foto: U.S. Air Force
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    Noch bevor die F-22 „Raptor“ flog, war schon ein Prototyp der YF-23 „Black Widow“ von Northrop Grumman in die Luft aufgestiegen. Beide Maschinen konkurrierten in den 1990er Jahren im ATF-Programm darum, der nächste Überlegenheitsjäger der US-Luftwaffe zu werden. Die „Schwarze Witwe“ fiel durch, hat jetzt aber Chancen auf eine Revanche.

    Den Verantwortlichen bei der US Air Force war die YF-23 wohl zu futuristisch, munkelten Insider in den Neunzigerjahren, als die Kampfmaschine von Northrop Grumman aus dem Rennen um den Titel des Advanced Tactical Fighters (des künftigen Kampfjets für den taktischen Einsatz), schied.

    In der Tat könnten amerikanische Luftwaffengeneräle – an das schlichte Design der F-15 Strike Eagle gewöhnt – die Konfiguration der „Schwarzen Witwe“ mit dem rautenförmigen Flügel für etwas zu gewagt gehalten haben. Allerdings sieht der Jet von Lockheed Martin auch nicht allzu konventionell aus.

    Maßgeblich für die Wahl der Entscheider bei der US Air Force waren wahrscheinlich doch die technischen Parameter der beiden Kampfmaschinen. So zeigte die „Black Widow“ beim Überschallflug eine ähnlich beeindruckende Leistung wie die „Raptor“: 1.700 Stundenkilometer schnell flog die YF-23 ohne Nachbrenner. Ihre Konkurrentin war im Luftkampf jedoch agiler, beherrschte sie doch solch komplizierten Manöver wie „Kobra“ und Kulbit“. 

    Dass der Lockheed-Konzern in den Neunzigerjahren wirtschaftlich schwer angeschlagen war, beeinflusste die Entscheidung sicherlich ebenfalls. Die F-22 sollte so etwas wie ein Rettungsprogramm des US-Kongresses für die Rüstungsfirma werden, während Northrop Grumman kurz bereits den lukrativen Auftrag für den Bau von B2-Bombern erhalten hatte.

    Wie dem auch sei: Dass das Angebot von Northrop Grumman damals ausgeschlagen wurde, heißt nicht, dass die „Schwarze Witwe“ für immer vom Horizont verschwinden muss. So berichtet der Rüstungskonzern, die japanischen Streitkräfte hätten Interesse an den technischen Details der YF-23 gezeigt. Erst im November letzten Jahres hatten die Japaner ihr Programm des Tarnkappenjägers ATD-X eingefroren – mit der Begründung, die Entwicklungskosten würden aus dem Ruder laufen.

    Ein weiteres großes Problem scheinen die japanischen Entwickler mit den Triebwerken des künftigen Kampfjets zu haben. Die Schubvektorsteuerung des ATD-X jedenfalls wies die Form einer urzeitlichen Strahlruder-Konstruktion auf. Nun konzentrieren sich die Spezialisten des Flugzeugherstellers Mitsubishi Heavy Industries offenbar darauf, bereits fertige Technologien bei den drei US-Giganten Boeing, Lockheed und Northrop zu erwerben, wobei die letztere Firma ja bereits auf ausgereifte Erfahrung mit der YF-23 zurückgreifen kann.

    Was die Fachleute von Northrop Grumman ihren japanischen Kollegen anzubieten hätten, wären technische Lösungen wie eine flache, rechteckige Düse (reduziert die Infrarot-Signatur des künftigen Stealth-Jägers erheblich), den bereits erwähnten rautenförmigen Flügel und eine Heckflosse, die sowohl steile Manöver als auch eine noch niedrigere Radarsignatur als bei der F-22 ermöglichen würde. Außerdem können bei der YF-23 – wie bei der russischen Su-57 auch – zusätzliche Radare unter den Tragflächen und den Höhenrudern untergebracht werden.

    Diese Auflistung ist sicherlich nur ein Auszug aus den zahlreichen technischen Features, die Northrop Grumman den japanischen Flugzeugbauern anbieten könnte, um es wieder einmal mit der F-22 „Raptor“ aufzunehmen.

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    Prototyp, Tarnkappentechnologie, Kampfjet, YF-23 "Black Widow", Su-57, B-2 Spirit, F-22 Raptor, Lockheed Martin, Pentagon, Fernost, USA, Russland