09:56 21 August 2018
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    Das kleine Raketenschiff des Projekts 21631 „Bujan“ (Archivbild)

    Klein, aber bissig: Dieses gefürchtete Schiff gilt als Schlüssel zum Syrien-Erfolg

    © Sputnik / Igor Zarembo
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    Vor wenigen Tagen ist in der russischen Teilrepublik Tatarstan das zwölfte kleine Raketenschiff des Projekts 21631 „Bujan“ auf Kiel gelegt worden. Nach erfolgreichem Einsatz in Syrien liegt die strategische Bedeutung dieser mit „Kalibr“-Systemen bewaffneten Schiffe trotz ihrer bescheidenen Größe auf der Hand.

    Das kleine Raketenschiff „Stawropol“ wurde am 12. Juli im Schiffsbaustandort Selenodolsk in Tatarstan auf Kiel gelegt. Es ist bereits das zwölfte Schiff in einer Serie der Schiffe des Projekts 21631 „Bujan-M“,  von denen sechs bereits im Dienst der russischen Marine stehen.

    Kleiner Bruder der Flusskanonenboote

    Die „Bujan-M“-Schiffe beinhalten Konstruktions-Merkmale des kleinen Artillerie-Schiffs des Projekts 21630 Bujan, doch dabei sind sie deutlich größer – 949 Tonnen Wasserverdrängung gegenüber 500 Tonnen. Drei dieser Artillerieschiffe, die der russischen Marine 2006 bis 2012 übergeben wurden, sind im Kaspischen Meer stationiert.

    Die Schiffe des Projekts 21631 sind schwer bewaffnet – das Standard-Modul des universellen Schiffs-Feuerkomplexes hat acht vertikale Startanlagen, was den Start von Langstrecken-Marschflugkörpern 3M14 Kalibr-NK ermöglicht.

    Die Besonderheit dieser Komplexe ist deren geringer Tiefgang. Es handelt sich de facto um Schiffe der Fluss-Meer-Klasse. Sie werden mitten im Landesinneren gebaut und dann über Flüsse zu ihren Standorten gebracht. Diese Besonderheit bedingt sowohl Vor- als auch Nachteile bei den „Bujan“-Schiffen.

    Die Nachteile sind gleich zu erkennen – schlechte Seetüchtigkeit. Selbst die vergrößerte Wasserverdrängung verbesserte die Lage nicht – die Bujan-Raketenschiffe fühlen sich nicht wohl auf hohen Wellen. Zudem hat das Schiff eine äußerst schwache Flugabwehr, was mit dem Einsatz vorwiegend in Gebieten verbunden ist, in denen die Deckung mit Basis-Flugabwehrmitteln gewährleistet werden müsste.

    Letzteres soll noch geändert werden. Laut Informationen sollen das zehnte, elfte und zwölfte „Bujan“-Schiff anders gebaut werden. Sie sollen neben den verbesserten funkelektronischen Waffen noch ein Panzyr-M-System bekommen, was die Flugabwehr deutlich stärken soll.

    Die Probleme bei der Seetüchtigkeit und Ausrüstung wurden ziemlich praktisch gelöst. In Russland wurde ein „seetüchtiges“ Schiff gebaut, das nicht die Fluss-Vorteile des „Bujan“-Schiffs hat (Tiefgang – 4 m gegenüber 2,1 m). Es handelt sich um ein kleines Raketenschiff des Projekts 22800 „Karakurt“, das in Massenproduktion genommen wurde und auch über die universale achtschussige Startanlage 3S14, die für Marschflugkörper „Kalibr“ geeignet ist, und einen Panzyr-M-Komplex verfügt (die ersten drei Schiffe jedoch nur mit AK-630, einem schiffsgestützten russischen Nahbereichsabwehr-Flugabwehrsystem).

    Klein, aber strategisch

    Der größte Vorteil der „Bujan“-Schiffe ist deren Raketenkomplex. Hochpräzisions-Marschflugkörper mit großer Reichweite 3M14 können Ziele aus einer Entfernung von bis zu 2600 km treffen, wie der Befehlshaber der Kaspischen Flottille, Sergej Alekminski, bereits 2012 mitteilte.

    Beim Vergleich zum nächsten Analogon der 3M14-Geschosse – den US-amerikanischen Tomahawk-Raketen — ist zu vermuten, dass 2600 km die Reichweite in der nuklearen Version ist (nukleare Geschosse mit geringer Kapazität sind kleiner und leichter als konventionelle Geschosse).

    das kleine Raketenschiff „Grad Swijaschsk“ der Kaspi-Flotte
    © Sputnik / Verteidigungsministerium
    In konventioneller Ausstattung sollen die 3M14-Raketen eine Reichweite von 1500 bis 1700 km haben, was auch am 7. Oktober 2015 gezeigt wurde, als eine Gruppe von Schiffen der Kaspischen Flottille (Raketenschiff Dagestan und drei „Bujan“-Schiffe: „Grad Swijaschsk“, „Uglitsch“ und „Weliki Ustjug“) einen Schlag mit 27 Marschflugkörpern gegen Ziele in Syrien versetzte. Die Raketen legten damals mehr als  1500 km über das südliche Kaspi-Gebiet, den Iran, den Irak und Syrien zurück.

    Der niedrige Tiefgang ermöglicht den „Bujan“-Schiffen eine freie Fahrt auf den inneren Wasserwegen. Das heißt, dass ein Schiff mit Marschflugkörpern vom Norden in den Süden durch die Flüsse des europäischen Russlands verlegt werden kann — und sogar in diesen Flüssen einen Kampf führen kann.

    Es handelt sich de facto um die Schaffung eines mobilen Mittels der strategischen Abschreckung (sowohl nuklearer, als auch konventioneller), das in der Lage ist, Hochpräzisions-Angriffe in Europa, im Nahen Osten und in Zentralasien zu führen.

    Beobachtern zufolge umgeht Russland damit elegant eine Beschränkung des INF-Vertrags (1987). Damals hatten die Sowjetunion und die USA vereinbart, keine bodengestützten Startanlagen für Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 km zu schaffen und aufzubauen.

    Doch bordgestützte Marschflugkörper wurden in den Waffenkontrollverträgen ausgeklammert, was durch die Position Washingtons gefördert wurde. Für die US-Flotte waren solche Raketen ein starker Trumpf, sie hielt es nicht für möglich, sie zu beschränken. Deswegen entstand eine Situation, in der Russland mit strategischen Raketen-Kleinschiffen der Fluss-Meeres-Klasse manövrieren kann, wobei die inneren Wasserwege frei genutzt werden.

    „Bujan“-Schiffe im Dienst

    Zum jetzigen Zeitpunkt stehen die „Bujan“-Schiffe im Dienst bei drei Flotten – Schwarzmeerflotte, Kaspische Flottille und Baltische Flotte.

    Ursprünglich wurden sie nur im Kaspischen Meer stationiert. Dort entstand dank einmaligen Besonderheiten eines geschlossenen Meeres-Schauplatzes eine große Startzone für Langstrecken-Marschflugkörper, die es ermöglichte, Ziele in Eurasien, im Persischen Golf und im östlichen Mittelmeergebiet zu treffen.

    Doch momentan gibt es im Kaspischen Meer nur ein solches Schiff – die „Uglitsch“. Zwei andere Schiffe (Kopfschiff „Grad Swijaschsk“ und „Weliki Ustjug“) wurden im Juni 2018 ins Schwarze Meer verlegt und fuhren anschließend zur syrischen Küste. Zwei weitere Schiffe, die zunächst für das Schwarze Meer bestimmt waren („Seljony Dol“ und „Serpuchow“), fuhren um Europa und trafen Ende Oktober 2016 an dem neuen Stationierungsort in Baltijsk ein.

    Jetzt verfügt die russische Marine über sechs „Bujan“-Schiffe. Doch zwischen 2019 und 2023 sollen sechs weitere Schiffe in Dienst gestellt werden. Ob die Serie fortgesetzt wird, ist bislang unklar. Zu den Plänen der Flotte gehört der große Bau von seetüchtigen Karakurt-Schiffen für die Nord- und Pazifikflotte, unter anderem im Werk Selenodolsk.

    Tags:
    Kriegsflotte, Raketenschiff, Kriegsschiffe, Bujan-M, Panzyr-S, INF-Vertrag, Kaspische Flottille, Schwarzmeerflotte, Kaspisches Meer, Mittelmeer, Syrien, Russland
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