22:24 14 November 2018
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    Rätselhafte Jesus-Reliquie: Turiner Grabtuch soll eine Fälschung sein

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    Experten aus Italien und Großbritannien neigen zu der Annahme, dass es sich bei dem Turiner Grabtuch um eine Fälschung handelt. Zu diesem Schluss kamen sie, nachdem sie mithilfe einer Puppe die Blutergüsse auf dem Körper Christi untersucht hatten. Die Blutflecke auf dem Grabtuch befinden sich nämlich an anderen Stellen, als sie hätten sein müssen.

    Aber wie diese Flecke auf das Tuch aufgebracht wurden und um welchen Stoff es sich dabei handelt, bleibt vorerst unklar.

    Die Analyse der Blutflecke auf dem Turiner Grabtuch hat ergeben, dass sie unmöglich von einem in das Tuch eingewickelten Körper zurückbleiben konnten. Zu diesem Schluss sind zumindest der Anthropologe Matteo Borrini von der Liverpool John Moores University und der Chemiker Luigi Garlaschelli gekommen. Die Ergebnisse ihrer Forschung wurden im „Journal of Forensic Sciences“ veröffentlicht.

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    Das Turiner Grabtuch ist ein christliches Heiligtum – ein vier Meter großes Tuch, in das angeblich der Körper von Jesus Christi nach seinem Tod eingewickelt wurde.

    Ein Teil der Gläubigen ist überzeugt, dass es auf dem Grabtuch echte Spuren des Gesichts und des Körpers Christi gibt, so dass das Turiner Grabtuch eine der größten Reliquien im Christentum überhaupt ist. Auch einige Vertreter der Kirche halten das Grabtuch für echt. Das Tuch wurde mehrfach untersucht, um seine Echtheit zu bestätigen oder zu widerlegen.

    Die Reliquie wurde im Jahr 1353 in Frankreich entdeckt. Zunächst wurde sie von Geoffroy de Charny in der Stadt Lirey bei Troyes in der Champagne zur Schau ausgestellt. 1452 kaufte König Ludwig von Savoyen das Grabtuch, das seit diesem Zeitpunkt in Chambéry aufbewahrt wurde. 1532 wurde es bei einem Brand beschädigt.

    1898, als das Grabtuch zur Schau gestellt wurde, machte der Fotograf Secondo Pia einige Bilder und entdeckte auf den Negativen die Spuren eines menschlichen Gesichts. Diese Entdeckung löste etliche Fragen aus, die vor allem die Echtheit des Grabtuchs und die Person des darauf abgebildeten Menschen betrafen. Aber richtige Untersuchungen konnten erst im späten 20. Jahrhunderts durchgeführt werden.

    Bislang konnte man immer noch nicht herausfinden, woher die Blutflecke auf dem Grabtuch stammen (und ob es überhaupt Blut ist). Es wurde jedoch festgestellt, dass sie Eisenoxid enthalten.

    Dieses konnte sowohl mit Blut als auch mit Farbe auf den Stoff gekommen sein. Außerdem wurde 1988 herausgefunden, dass das Grabtuch zwischen 1275 und 1381 hergestellt wurde. Diese Angaben wurden allerdings oft kritisiert: Manche Experten sind überzeugt, dass die Genauigkeit dieser Datierung vom Gehalt der Öle im Stoff beeinflusst sein könnte, mit denen es 1532 durchtränkt wurde. Außerdem war das Grabtuch beim erwähnten Brand immerhin enorm hohen Temperaturen ausgesetzt.

    2013 ergab eine weitere, wesentlich präzisere Analyse, dass das Grabtuch ungefähr anno 33 v. Chr. (plus/minus 250 Jahre) hergestellt wurde. Und 2015 ergab eine neue DNS-Untersuchung, dass mit dem Grabtuch Menschen aus verschiedenen ethnischen und geografischen Gruppen Kontakt gehabt hatten.

    Die jüngste Analyse widerlegt aber generell die Echtheit der Reliquie. Die Forscher stellten fest, dass die Flecke nur von einem senkrecht stehenden Körper stammen können, und ein Teil der Flecke soll überhaupt unrealistisch sein.

    Borrini und Garlaschelli griffen auf eine Puppe zurück, um zu modellieren, wie das Blut aus den Wunden auf dem Körper, den Armen und Beinen Christi geflossen war. Dafür nutzten sie sowohl echtes Menschenblut als auch künstliches Blut mit identischen Eigenschaften.

    Die Experten analysierten, wie das Blut aus verschiedenen Körperteilen in senk- und waagerechtem Zustand usw. fließt. Unter anderem untersuchten sie die kurzen Blutflüsse auf dem linken Handrücken und neben der Stichwunde auf der Brust – und stellten einige wichtige Diskrepanzen fest.

    Erstens zeigen die Flecken auf dem Grabtuch, dass das Blut vom Handrücken und die Arme entlang unter einem 45-Grad-Winkel getropft sein musste, was für einen liegenden Körper aber unmöglich sei.

    „Der Winkel zwischen der Schulter und dem Körper müsste zwischen 80 und 100 Grad betragen haben, damit das Blut von der Hand zur Elle und auf die Außenseite des Unterarms fließen kann, wie das auf dem Grabtuch zu sehen ist“, schreiben die Forscher.

    Das Blut aus der Stichwunde sammelte sich im Tuch, in das die Puppe eingewickelt war, an derselben Stelle wie auf dem Grabtuch. Aber es floss in Rinnsalen, ohne dass dabei ein großer Fleck entstand.

    Einen weiteren Fleck – am Kreuz – konnten Borrini und Garlaschelli überhaupt nicht nachahmen, egal ob sie die Puppe hinstellten oder hinlegten. Am Kreuz gab es keinen Blutfleck.

    „Wir gingen davon aus, dass die Flecke auf dem Turiner Grabtuch Blutflecke aus den Wunden Christi bei seiner Kreuzigung waren, haben bei unseren Experimenten aber festgestellt, dass die vermutlichen Blutergüsse mit diesen Flecken nicht übereinstimmen. Selbst wenn man zulässt, dass verschiedene Situationen entstanden sein könnten, in denen Blut floss (beispielsweise beim Transport des Körpers oder schon nach dem Tod), wurden sie nicht dokumentiert, und manche Flecken sind überhaupt unrealistisch“, so die Experten.

    Das ist jedoch noch lange kein Schlusspunkt bei der Untersuchung des Turiner Grabtuchs. Woher die Flecke darauf stammen, bleibt vorerst ein Geheimnis.

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