21:10 20 August 2018
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    Elon Musk bei Präsentation des Projekts SpaceX Hyperloop (Archivbild)

    Hart am Limit: Wie Elon Musk sein Image ruiniert

    © AP Photo / Damian Dovarganes
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    Der US-Milliardär Elon Musk ist für seine PR-Kampagnen berühmt. Immer wieder schafft es der Tesla-Chef, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zu ziehen. Aber bei Twitter verhält sich der Unternehmer manchmal so, dass es für ihn bestimmt besser wäre, seinen Account zu löschen. Jetzt könnten seine Eskapaden sogar juristische Folgen haben.

    Aus der Geschichte mit der Tham-Luang-Höhle in Thailand hätte Musk wie ein Held hervorgehen können, der einfach hilft und die Lorbeeren den Anderen überlässt. Diese Chance hat der US-Milliardär seiner Selbstverliebtheit und der unausgeprägten Kritikfähigkeit wegen verpasst.

    Elon Musk bei der Tesla-Präsentation (Archivbild)
    © AP Photo / Marcio Jose Sanchez
    Zwei Wochen lang waren 14 junge Fußballspieler und ihr Trainer in der thailändischen Höhle von Wassermassen eingesperrt. Der Erfinder Musk bot den Rettungsmannschaften seine Hilfe an: Ein Mini-U-Boot, das die Jugendlichen angeblich aus der Höhle in die Freiheit hätte schleusen können. Der in Thailand lebende britische Höhlenforscher und Taucher Vernon Unsworth, der an der Rettungsaktion maßgeblich beteiligt war, lehnte Musks Angebot ab und bezeichnete es als „PR-Stunt“. Die Lösung des US-Unternehmers sei zum Scheitern verurteilt gewesen, weil dieser nicht gewusst habe, wie die Höhle überhaupt beschaffen sei. Das U-Boot solle Musk „sich dorthin stecken, wo es wehtut“, sagte Unsworth dem Sender „CNN“.

    Das hat der US-Milliardär nicht auf sich sitzen lassen. Er habe diesen Briten bei der Rettungsaktion in Thailand überhaupt nicht gesehen, twitterte Musk, aber der könne ja ein Video von der Rettung des Fußballteams zeigen. Dieses Video hat Musk dann nicht mehr abgewartet – in seinem letzten Tweet schrieb er:

    „Weisst du, mach dir keine Mühe mit der Suche. Wir machen unser U-Boot fertig, damit es ohne Probleme in die Höhle gelangt. Sorry, Pädo-Typ, du hast es so gewollt.“ Als ein Twitter-Nutzer den US-Unternehmer dann fragte, warum er denn einen Unbekannten als Pädophilen verunglimpft, twitterte der: „Ich wette einen von mir gezeichneten Dollar, dass es so ist.“

    Die Tweets sind zwar inzwischen gelöscht, aber das Internet vergisst ja nie. Unsworth seinerseits hat schon rechtliche Schritte angekündigt. Und es hagelt Kritik von anderen Twitter-Nutzern. Einer forderte Musk auf, endlich damit aufzuhören, jede Notsituation für eigene PR auszuschlachten. „Wenn ich auch ein Narziss bin, so mache ich mich wenigstens nützlich“, war Musks Antwort darauf. Und auf den Vorwurf, Musk würde aus aller Welt Geld für seine Projekte aussaugen, twitterte der Tesla-Chef: „Ich habe Arbeitsplätze für 300.000 Menschen geschaffen. Und was hast du getan?“

    Gestohlenes Einhorn und Lügenpresse

    Im Juni 2018 wurde Musk beim Diebstahl geistigen Eigentums erwischt. Es ist nämlich so, dass Musk einen Becher mit einer Einhorn-Zeichnung von Tom Edwards erworben und damit bei Twitter für seine Teslas geworben hatte. Später zeichnete er das Fabelwesen sogar nach. Als die Tochter des Künstlers den US-Unternehmer darauf aufmerksam machte, dass er die Zeichnung gestohlen habe und sie für seine Zwecke nutze, sagte dieser, statt sich zu entschuldigen, die Familie Edwards könne ihn ja verklagen, was allerdings „irgendwie dämlich“ wäre. Der Verkauf der Becher mit dem Einhorn-Bild habe durch seine Aktion ja nur zugenommen, also was soll die ganze Aufregung, twitterte Musk. Die Tochter von Edwards hat er seitdem übrigens blockiert.

    Ein schwieriges Verhältnis hat Elon Musk auch zu heutigen Medien. Was auch nicht überraschend ist, wird der US-Milliardär von Journalisten doch häufiger getadelt als gelobt. Als die Korrespondentin Linette Lopez bei Business Insider schrieb, Tesla habe beim Model 3 defekte Akkus verbaut, antwortete Musk, die Journalistin habe bereits häufiger Fake-News über sein Unternehmen verbreitet.

    Die gezeigten Beispiele könnten einen Menschen wirklich in Bedrängnis bringen – nur nicht Elon Musk. Er genießt immer noch großes Vertrauen. Über 20 Millionen Menschen folgen dem Twitter-Account des US-Milliardärs. Noch glauben sie ihrem Star und lassen ihm vieles durchgehen. Aber man muss schon feststellen, dass Elon Musk sich permanent an der Grenze des Zumutbaren bewegt.

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    Vorwürfe, Pädophilie, U-Boot, Rettung, Fußballteam, Schüler, Kinder, PR, Skandal, Tweet, Twitter, Tesla, SpaceX, Elon Musk, Großbritannien, USA, Thailand
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