23:10 23 Oktober 2018
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Reaktion auf US-Sanktionen: Russische Regierung schnürt „Dollar-Frei-Paket“

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    Dass die russische Regierung die Wirtschaft des Landes aus der Geiselhaft des Dollars zu befreien versucht, ist längst keine Neuigkeit mehr. Russlands Finanzministerium hat angekündigt, bis Anfang kommenden Monats einen Maßnahmenplan zu erarbeiten, um die Nutzung des Dollars im Außenhandel zu verringern.

    Es ist an der Zeit, die Befreiung der Wirtschaft vom Dollar zu intensivieren. Die Dominanz der amerikanischen Währung im internationalen Abrechnungssystem muss man bekämpfen, denn „der Dollar macht alle fertig, er ist ein Mittel, um zu bestrafen“, sagte unlängst der Vorstandsvorsitzende der russischen Staatsbank VTB, Andrei Kostin.

    In diese Richtung handelt das russische Regierungskabinett nun. Das Finanzministerium hat angekündigt, einen entsprechenden Maßnahmenkatalog zu erarbeiten. Alle bisherigen russischen Gegensanktionen sollen systematisiert werden, heißt es. Der verantwortliche Vizepremier Anton Siluanow hat dem Vorhaben des Finanzministeriums Anfang dieses Monats zugestimmt.

    Demnach soll russischen Firmen, die von US-Sanktionen betroffen sind, der Zugang zum inländischen Kapitalmarkt erleichtert werden. Der „unlautere Wettbewerb ausländischer Staaten“ soll eingeschränkt werden – sprich: auf einige US-Waren werden Strafzölle verhängt. Zudem soll der Zugang zu Informationen über Firmen erschwert werden, die von den US-Sanktionen betroffen sind.

    Ein weiterer zentraler Punkt des geplanten Maßnahmenpakets ist die Schaffung sog. Sonderverwaltungsbezirke. Firmen, die mit US-Sanktionen belegt sind, können sich dann auf russischem Gebiet neu registrieren lassen, um weiter ihren Geschäften nachgehen zu können.

    Die US-Sanktionen seien ein starker Impuls, den Einfluss des Dollars auf die russische Wirtschaft schneller zurückzudrängen, sagt der Chef-Analyst der Investmentgesellschaft TeleTrade Mark Goichman. Die Entdollarisierung sei „eine einzige große Importsubstitution im Finanzbereich“, so der Experte. Es sei strategisch und politisch wichtig, die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern, „weil der Einfluss äußerer Faktoren begrenzt werden muss, damit die Wirtschaft stabil und steuerbar bleibt“. Doch: Außer Vorteilen habe die „Importsubstitution“ auch Nachteile.

    Es wäre in der Tat eine Entlastung für Unternehmen, wenn ihnen der Zugang zum inländischen Kapitalmarkt erleichtert würde, wie es das russische Finanzministerium vorschlägt. „Aber die Zinsen, die Laufzeiten und andere Finanzierungsbedingungen sind im Ausland günstiger als bei russischen Banken“, mahnt der Analyst. Verringert man die Nutzung ausländischer Kredite, erhöht man dadurch die Finanzierungskosten der Unternehmen.

    Eine andere Maßnahme des Finanzministeriums könne man indes nur begrüßen, betont Goichman. Gemeint ist die Abschaffung der Pflicht für russische Exporteure, ihre Deviseneinnahmen nach Russland zu transferieren.

    Dass die Devisen dann auf ausländischen Konten russischer Firmen bleiben dürfen, erleichtert ihnen die Abrechnung mit ausländischen Partnern. Dadurch steigt die Wettbewerbsfähigkeit russischer Exporteure. Die Kehrseite dieser Entscheidung aber ist die Verringerung der Devisenmenge in Russland – dies setzt den Rubel im bestimmten Maße unter Druck.

    Die Umstellung des Außenhandels auf Nationalwährungen wäre da deutlich interessanter, erst recht ob der Vielfalt der Länder, mit denen Russland Handel – Export und Import – treibt. Doch wie sehr es auch erwünscht ist: Dass man mit einem Mal auf den Dollar verzichtet, wird nicht funktionieren, sagt der Finanzexperte Gaidar Gassanow vom Internationalen Finanzzentrum.

    Innerhalb der GUS ist die Idee, auf den Dollar zu verzichten und auf Nationalwährungen umzusteigen, laut dem Experten noch praktikabel. „Aber das im globalen Maßstab umzusetzen, geht nicht, ohne die Stabilität des gesamten Finanzsystems zu gefährden“, so Gassanov. All die gegenwärtigen Maßnahmen – die Importsubstitution, der Verkauf von US-Staatsanleihen etc. – dienen nur dazu, die Abhängigkeit der Wirtschaft von „äußeren geopolitischen Faktoren“ zu verringern, so der Analyst.

    Um vollständig auf den Dollar zu verzichten, müssten laut dem Experten gut durchdachte Konzepte her – anderenfalls kämen hohe Verluste auf russische Firmen, Banken und den Staat zu.

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    Tags:
    Handel, Gegensanktionen, US-Sanktionen, Bekämpfung, Dominanz, Währung, Dollar, US-Finanzministerium, VTB, Andrej Kostin, USA, Russland