21:05 20 August 2018
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    Donald Trump (zweiter von links) und Wladimir Putin mit ihren Dolmetschern beim Gipfeltreffen in Helsinki

    Können Trump und Putin ihren Dolmetschern noch vertrauen?

    © AFP 2018 / Brendan Smialowski
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    Die gemeinsame Konferenz von Putin und Trump hat gleich mehrere Skandale in den Medien ausgelöst. Doch einer kam unerwartet und ist auf die Fehler des Übersetzers zurückzuführen, der die Antworten Trumps und die Fragen an Putin „verschluckte“. Wie konnte das passieren und ist es wirklich so, dass es selbst Präsidenten an guten Übersetzern mangelt?

    In den sozialen Netzwerken werden jetzt aktiv die Fehler der Simultandolmetscherin bei der Pressekonferenz der Präsidenten Russlands und der USA beim Gipfel in Helsinki besprochen. Es werden sogar Vermutungen geäußert, dass sie den Verlauf der Verhandlungen beeinflusst haben kann.

    Es wird vor allem auf die Nicht-Erwähnung der Raketen bei der Übersetzung der Worte Trumps über das Ziel der Verhandlungen hingewiesen. Es sah so aus, dass er über Atomwaffen spricht und nichts über die Trägermittel gesagt hat. Das ist aber ein prinzipieller Aspekt beim Thema strategische Waffen. Zudem wurde bei der Übersetzung der Worte Putins vergessen, den Namen der skandalösen Firma Hermitage Capital zu nennen, wobei der Name Bill Browder genannt wurde.

    Was auch sehr unangenehm war, ist die Verzerrung des Sinnes der Äußerungen. Die Dolmetscherin beeilte sich, die Frage des US-Journalisten an Putin zu übersetzen (“Did you want President Trump to win the election and did you direct any of your officials to help him do that” und machte dazwischen eine Pause. Der russische Präsident antwortete auf den Teil der Phrase, der für ihn übersetzt wurde: „Yes, I did. Yes, I did. Because he talked about bringing the U.S. – Russia relationship back to normal“. Es sah so aus, als ob Putin bestätigte, dass er jemanden zu Trump geschickt hat, um ihm zu helfen.

    Letztendlich hat die Pressekonferenz wohl eher keine gravierenden Folgen für die internationale Diplomatie im Ganzen und die russisch-amerikanischen Beziehungen gehabt. Bei Pressekonferenzen werden Videos und Audios aufgenommen. Die Mitarbeiter des technischen Dienstes stützen sich dabei auf objektive Angaben und nicht auf Meldungen der Synchrondolmetscher. Wir wissen also, dass Trump einem Gespräch über Trägermittel für Atomwaffen nicht ausweichen wollte, und dass die US-Seite weiß, was Putin meinte, als er auf die Frage des Journalisten antwortete.

    Trump wurde von einer Übersetzerin aus dem US-Außenministerium ins Russische übersetzt. Putin hätte von einem Übersetzer aus dem russischen Außenministerium übersetzt werden sollen – so soll es laut Protokoll sein. Doch bei der Pressekonferenz gab es nur die amerikanische Übersetzerin. Wie es hieß, sei es technisch nur möglich gewesen, das ein Simultandolmetscher die entsprechende Anlage nutzen konnte. Und es wurde die Amerikanerin ausgewählt.

    Das russische Außenministerium verfügt über viele gut ausgebildete Übersetzer – sowohl jüngere als auch sehr erfahrene. Im US-Außenministerium ist in den vergangenen 20 Jahren die Qualität der Übersetzung, besonders ins Russische, deutlich gesunken. In den 1990er-Jahren arbeiteten dort hochklassige Spezialisten, doch in diesem Beruf ist ständige Praxis von sehr großer Bedeutung. Vielleicht entschied sich das US-Außenministerium für diese Übersetzerin wegen ihrer alten Verdienste, doch wie sich herausstellte, ist die ständige Praxis wichtiger.

    Das russische Außenministerium hat anschließend die ganze Pressekonferenz aufs Neue übersetzt, diese Konferenz mit der Übersetzung des russischen Außenministeriums ist nun auf Youtube zu finden. Das bedeutet anscheinend, dass das Problem bemerkt wurde. Doch sich darüber zu beklagen, dass der westlichen öffentlichen Meinung die Logik und Argumente Putins wegen eines unprofessionellen Übersetzers nicht übermittelt wurden, hat keinen Sinn. Auch wenn die Übersetzung perfekt wäre, wäre die allgemeine Botschaft der westlichen Presse dieselbe gewesen. Sie war von Anfang an nicht auf eine objektive Analyse gestimmt und brauchte anscheinend auch keine gute Übersetzung.

    Ankunft von Donald Trump in Helsinki
    © REUTERS / Leonhard Foeger
    In der heutigen Zeit, in der Fremdsprachenkenntnisse nicht als etwas Sakrales wie in Sowjetzeiten wahrgenommen werden, beanspruchen sehr viele die Rolle des Übersetzers. Daraus ergeben sich viele Fehler. Allerdings betrifft das auf keinen Fall die Übersetzer des Außenministeriums Russlands.

    Der Fall in Helsinki kann wohl als nicht außerordentlich betrachtet werden. Nur wegen der zu hohen Erwartungen zog das Gipfeltreffen die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Die Mängel beim Dolmetschen sind keine Katastrophe, obwohl sich das US-Außenministerium tatsächlich mal Gedanken über die Erhöhung der fachlichen Qualifikation seiner Mitarbeiter machen sollte.

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    Tags:
    Atomwaffen, Wahleinmischung, Skandal, Gipfeltreffen, Dolmetscher, US-State Department, Außenministerium Russlands, US-Außenamt, US-Außenministerium, Donald Trump, Wladimir Putin, Helsinki, Russland, USA
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