12:05 17 November 2018
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    THAAD-Raketenkomplex im Einsatz (Archivbild)

    „Schutz“ gegen Russland und China: USA modernisieren THAAD-Systeme in Südkorea

    CC BY 2.0 / U.S. Missile Defense Agency / THAAD_2010_June_b
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    Das Pentagon wird die in Südkorea stationierten THAAD-Komplexe modernisieren und ihre Reichweite erhöhen. Damit wollen sich die Amerikaner in die Lage versetzen, nicht nur nordkoreanische, sondern auch russische und chinesische Raketen abzufangen.

    Die Stationierung von THAAD-Systemen in Südkorea sorgt für Spannung in den Beziehungen zwischen Washington und Peking. Laut chinesischen Experten bereiten sich die USA unter dem Vorwand der nordkoreanischen Bedrohung auf einen Krieg gegen Russland und China vor.

    US-amerikanische THAAD-Komplexe sind für das Abfangen von operativ-taktischen Raketen mit einer Reichweite von bis zu 1000 Kilometern und ballistische Mittelstreckenraketen (bis 3500 Kilometer) bestimmt.

    Im letzten Bericht des Pentagons wird die nationale Verteidigungsstrategie Nordkoreas als illegales Regime bezeichnet. Wie es weiter heißt, wolle Nordkorea dank nuklearer, biologischer und chemischer Waffen und der zunehmenden Fähigkeit des Einsatzes von ballistischen Raketen seine Existenz sichern. Die Stationierung von THAAD-Systemen in Südkorea wurde von US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr gebilligt.

    Nach dem Treffen mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un am 12. Juni in Singapur sagte Trump, dass gemeinsame Militärübungen mit Südkorea eingestellt würden. Allerdings erklärte der Generalleutnant der US-Luftstreitkräfte, Sam Greaves, dass dies nicht die Erneuerung der Raketenabwehr betrifft.

    Laut dem Militärexperten Song Zhongping würde die Reichweite der THAAD-Komplexe nach ihrer Modernisierung von 200 auf 800 Kilometer steigen. Das würde die Deckung von größeren Gebieten Nordkoreas ermöglichen.

    „Das Pentagon will die Atombedrohung Nordkoreas als Vorwand für die Modernisierung der Komplexe THAAD und Patriot nutzen. Sie sind auf ballistische Raketen Chinas und Russland gerichtet. Der Hauptfeind ist dabei China, seine Mittelstreckenraketen und operativ-taktischen Raketen“, sagte der Experte.

    Bemerkenswert ist, dass Südkoreas Staatschef Moon Jae-in die Stationierung der Komplexe in Südkorea kritisiert hatte, als er in der Opposition war. Doch nach der Wahl zum Präsidenten musste er diese Vereinbarung mit den USA billigen.

    Laut dem Fernost-Experten Wassili Kaschin wird das THAAD-Projekt mit höherer Reichweite bereits seit mehreren Jahren erörtert. Der Komplex kann mit der neuen Rakete neue Möglichkeiten bekommen und eine destabilisierende Rolle spielen. Er kann vor allem neue Möglichkeiten zum Abfangen von ballistischen Interkontinentalraketen im Endabschnitt des Fluges bekommen. Im Falle einer Stationierung der THAAD-Systeme in Südkorea und Japan würde er eine größere Bedrohung für chinesische Mittelstreckenraketen darstellen, so der Experte.

    US-Raketenabwehrsystemen THAAD
    © REUTERS / U.S. Department of Defense, Missile Defense Agency/Handout

    Dem Fachmann zufolge hatten China und Südkorea Ende 2017 vereinbart, dass Seoul keine neuen US-Raketenabwehrsysteme auf dem eigenen Territorium stationieren wird. Die Amerikaner könnten die Lücke nutzen und sagen, es handele sich um ein Upgrade. Allerdings würde das eine neue große Krise in den Beziehungen zu China auslösen. Die Südkoreaner würden sich kaum dazu entschließen.

    Dennoch bleibt die Möglichkeit der Stationierung der Komplexe in Japan bestehen, in den pazifischen Gebieten der USA. Das würde vor allem eine Bedrohung für China sein. Ein Komplex ist bereits auf Guam-Insel stationiert. Er werde wohl als einer der ersten modernisiert, so der Experte.

    Für Russland würden die Blöcke zum Abfangen der Raketen im Endabschnitt der Flugbahn keine  Bedrohung darstellen – erstens sind die russischen Raketen fortgeschrittener, zweitens gibt es davon weitaus mehr.

    „Bei China sind die Raketen bislang weniger vollkommen. Doch in den letzten Jahren investierte China immer mehr Mittel gerade in die Entwicklung der strategischen Raketenwaffen. Der Abstand zu Russland und den USA wird allmählich geringer“, so der Experte.

    Laut südkoreanischen Militärs handelt es sich bei der Modernisierung der THAAD-Systeme um eine reine Verteidigungsmaßnahme. Allerdings meint der Experte Hong Hen-ik vom südkoreanischen Institut Sejung, dass das Ziel der Modernisierung die Abschreckung Chinas sei. Dieses System könne Südkorea nicht schützen.

    Inzwischen rechnen die Chinesen damit, dass die Entspannung auf der koreanischen Halbinsel weiter andauern wird. Sie wollen die Wirtschaftsverbindungen mit Nordkorea erweitern. Positiv ist, dass die UN-Sanktionen nicht die Erfüllung mehrerer Abkommen verbieten, die vor dem Inkrafttreten der Einschränkungen abgeschlossen worden waren.

    Besonders interessiert an der Kooperation mit dem Nachbarn ist die Provinz Liaoning, die an Nordkorea grenzt. Laut Beamten dieser Provinz sollen in den Grenzstädten Freihandelszonen eingerichtet und die Kooperation mit Nordkorea in Sachen Fischerei und Tourismus ausgebaut werden. Bei einer Abschwächung der Sanktionen bekomme China große Vorteile im Vergleich zu Konkurrenten, so ein Beamter der Provinz.

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    Tags:
    Kriegsgefahr, Modernisierung, Raketensystem, Stationierung, Luftabwehrsystem THAAD, Pentagon, Donald Trump, Koreanische Halbinsel, Japan, USA, Nordkorea, Südkorea, China, Russland