12:03 21 August 2018
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    eine Fabrik in der Elfenbeinküste (Symbolbild)

    China verdrängt Frankreich aus dessen ehemaligen afrikanischen Kolonien

    © AFP 2018 / ISSOUF SANOGO
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    In den letzten Jahren zeigt das chinesische Business immer mehr Interesse an dem französischsprachigen Westafrika. Beim Kampf um Infrastrukturprojekte unterliegen französische Firmen, die nach der Unabhängigkeit Westafrikas in der Region dominierten, immer öfter ihren chinesischen Konkurrenten.

    Eine anschauliche Statistik: Die chinesisches Kredite in der sich schnell entwickelnden Wirtschaft der Elfenbeinküste sind zwischen 2010 und 2015 um das 14-fache gestiegen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass, als die Behörden dieses westafrikanischen Landes im Mai eine Ausschreibung zum Bau einer Brücke im Finanzviertel von Abidjan ankündigten, zehn der 18 Teilnehmer entweder chinesische Firmen oder lokale Unternehmen, die eng mit Chinesen verbunden sind, waren. Aus demselben Grund wunderte sich wohl kaum jemand, dass der Vertrag über 191 Mio. US-Dollar an die China State Construction Engineering Corp. ging.

    In vielerlei Hinsicht entwickelte sich die regionale Wirtschaft dank den chinesischen Krediten in den letzten Jahren sehr schnell. Nach Angaben des Programms „Chinesisch-Afrikanische Forschungsinitiative“ an der Washingtoner Johns Hopkins University stiegen die chinesischen Kredite an die Elfenbeinküste zwischen 2010 und 2015 um 1400 Prozent (!) auf 2,5 Mrd. Dollar, an Senegal um 1268 Prozent auf fast 1,4 Mrd. Dollar.

    Immer mehr chinesische Firmen tauchen auch in anderen ehemaligen französischen Kolonien Westafrikas auf – Mali, Niger, Togo. Allerdings zeige China Interesse vor allem an der Elfenbeinküste, so Bloomberg. Das chinesische Geschäft zeigt erst seit kurzem Interesse an diesem Land – seit 2011. Das ist mit der langen politischen Krise verbunden, die in einen Bürgerkrieg gipfelte. Jetzt holen die Chinesen nach. Sie werden dabei von örtlichen Behörden unterstützt, die vor allem auf Infrastruktur- und Energieprojekte setzen. Damit wollen sie die Wirtschaftsentwicklung beschleunigen, deren Umfang auf 40 Mrd. Dollar geschätzt wird.  Bislang schafft Abidjan es, seine Initiativen erfolgreich umzusetzen – die Wirtschaft der Elfenbeinküste wächst seit 2012 jedes Jahr um durchschnittlich acht Prozent.

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    Abidjan nutzte das verspätete Interesse der Chinesen und berücksichtigte die Fehler, die von den Regierungen anderer afrikanischer Länder beim Zusammenwirken mit chinesischen Firmen begangen wurden. Beim Auftrag für den Baus eines Damms im Wert von fast 600 Mio. Dollar für die Firma Sinohydro Corps stellte die Regierung harte Bedingungen – die Arbeitssprache auf der Baustelle muss Französisch sein, die Zahl der chinesischen Arbeiter darf nicht mehr als 20 Prozent ausmachen, und die Baumaterialien dürfen nur in Elfenbeinküste produziert werden. Das Projekt wurde zu 85 Prozent von der Export-Import Bank of China finanziert. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten wurde der vier Kilometer lange Damm Soubre früher als geplant fertig gestellt. Er wird zusätzliche 275 MW in das Stromnetz der Elfenbeinküste speisen und das Land zum wichtigsten Stromexporteur in der Region machen.

    Es wurde bereits mit dem Bau eines zweiten kleineren Damms begonnen. Darauf sollen zwei weitere Dämme folgen.

    Natürlich will Frankreich die Elfenbeinküste nicht kampflos aufgeben. Paris ist bislang der wichtigste Handelspartner von Abidjan. Nach dem Amtsantritt 2011 bat Präsident Alassane Ouattara die französische Firma Bouygues SA um den Bau einer Brücke über die Meeresstraße in Abidjan im Wert von 300 Millionen Dollar, die die Hauptstadt deutlich modernisierte. Doch seit dieser Zeit unterzeichneten chinesische Firmen Verträge für den Bau von Stadien, die Erweiterung der Häfen, Wasserreinigungsanlagen, einer Autobahn zwischen Abidjan und dem Urlaubsort Grand-Bassam u.a.

    Chinesen verdrängen Franzosen auch in anderen Bereichen. So schuf das chinesische private Telekommunikationsunternehmen StarTimes vor zwei Jahren einen gebührenpflichtigen TV-Sender, der das langjährige Monopol des französischen Canal+ beendete. Um mit StarTimes konkurrieren zu können, musste Canal+ den Preis für Decoder um ein Drittel reduzieren.

    In den vergangenen Jahren nahmen chinesische Unternehmer libanesischen Firmen die Produktion von Bodenfliesen ab und eröffneten Dutzende Geschäfte im ganzen Land.

    Ähnlich sieht die Situation in Senegal aus, dessen Wirtschaft im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent wuchs. Die chinesische Firma CGC Overseas Construction Group errichtet am Stadtrand von Dakar einen Industriepark. China Railway Construction modernisiert die Eisenbahnen. Zu anderen chinesischen Projekten gehören der Bau des Gebäudes des Außenministeriums Senegals und der Umbau eines alten Damms im Süden des Landes.

    Am kommenden Samstag reist der chinesische Staatschef Xi Jinping erstmals nach Dakar. Sein Besuch ist mit der Eröffnung eines Museums zur schwarzen Zivilisation zeitlich abgestimmt. Wie beim Damm Soubre entstand bereits in den 1960er-Jahren die Idee, ein Museum einzurichten. Doch wurde sie erst nach 50 Jahren umgesetzt, als chinesisches Geld auftauchte.

    Der Besuch des chinesischen Staatschefs, der nach Senegal noch Ruanda und Südafrika besuchen wird, macht Senegal wohl zu einem gefährlichen Konkurrenten der Elfenbeinküste unter chinesischen Unternehmern. In Johannesburg findet vom 25. bis 27. Juli das 10. BRICS-Gipfeltreffen statt. Auf dem Rückweg wird der chinesische Staatschef Mauritius besuchen.

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    Tags:
    Zusammenwirken, Investitionen, Interesse, Handel, BRICS, Xi Jinping, Frankreich, China
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