23:56 15 Dezember 2018
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    Weißhelme inspektieren ein zerbombtes Haus in Aleppo (Archivbild)

    Weißhelme-Rettung: Verheimlicht Israel seine wahre Rolle im Syrien-Krieg?

    © AFP 2018 / Thaer Mohammed
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    Israel hat eine Operation zur Evakuierung der berüchtigten „White Helmets“ aus Syrien durchgeführt. Angesichts der militärischen Erfolge Assads sollten sie angeblich gerettet werden, doch auf den Golanhöhen ging die Hälfte von ihnen verloren. Allerdings gibt es bei diesem Vorfall auch eine andere Interpretation, die unmittelbar Russland betrifft.

    Die syrischen Regierungstruppen eroberten die Stadt Naua zurück – die letzte von den Dschihadisten kontrollierte Ortschaft in der Provinz Daraa. Der komplette zentrale Teil der Provinz kann nun als befreit betrachtet werden. Die lokale bewaffnete Opposition bekam die „Reisetickets“ nach Idlib.

    Kurze Zeit vorher hatten die Dschihadisten die Stadt Mahadscha verlassen, wonach die Armee die Kontrolle über die strategisch wichtige Autobahn von Damaskus nach Amman übernahm. Zudem nahmen die Grenzübergänge nach Jordanien wieder ihren Betrieb auf. Die Flüchtlinge kehren nach Hause zurück. Machadscha und noch einige andere große Siedlungen auf den Golanhöhen sind historisch mit „Tscherkessen“ besiedelt –  den Muhadschirun, Nachkommen der Umsiedler aus dem Nordkaukasus. Die Türken ließen sie speziell sich in den Grenzgebieten ansiedeln, wobei militärische Stände  wie die „Kosaken“ gebildet wurden. Die Tscherkessen und die Dschihadisten konnten nicht miteinander auskommen und mussten ins befreundete Jordanien fliehen, wo man sich traditionell respektvoll zu den Nachkommen der Muhadschirun verhält.

    In Richtung der israelischen Grenze – auf den Golanhöhen – ist die Lage traditionell schwieriger. In den vergangenen zwei Tagen mussten die russischen Fliegerkräfte zahlreiche Luftangriffe gegen Stellungen der unversöhnlichen Extremisten westlich von Tafas fliegen, wonach der größte Teil der Dschihadisten, darunter ehemalige IS-Mitglieder* nach Idlib weiterzog. Im zentralen Gebiet der Golanhöhen nahmen die syrischen Regierungstruppen die Städte Nabe al-Sahr, Madschdolia und Maschirfa ein. Anschließend zogen sich die Extremisten in die nördliche Zone nahe der Grenze zu Israel zurück. Laut einem Abkommen mit der russischen Militärpolizei wird ihnen innerhalb der nächsten Tage ebenfalls der Abzug nach Idlib ermöglicht.

    Vor diesem Hintergrund verkündete Israel, dass in den jüdischen Staat 827 Menschen evakuiert werden sollen – Aktivisten der „White Helmets“ und deren Angehörige. Wie diese Personen auf die Golanhöhen gekommen sind und was sie in den vergangenen drei bzw. vier Monate nach dem angeblichen „C-Waffen-Angriff“ in Duma gemacht haben, ist eine offene Frage. Angenommen wurde, dass der größte Teil dieser militarisierten Organisation, die sich als humanitäre Organisation ausgibt, nach Idlib weitergezogen sei. Jetzt übernahm Israel die Rolle eines „Transitlandes“ – laut Vertretern der israelischen Armee hielten sich die „White Helmets“ nicht einmal einen Tag in Israel auf und wurden irgendwohin nach Jordanien gebracht. Weitere 30 Mitglieder der Weißhelme sollen von Kanada aufgenommen werden. Angesichts der dort herrschenden Toleranz nehmen es die Kanadier nicht unbedingt so genau mit politischen Prozessen. Statt sich im Internet – dem wichtigsten Schlachtfeld der Weißhelme – zu tummeln, sollten die Kanadier (sowie Australier) lieber mal die reale Situation vor Ort in Augenschein nehmen.

    Der deutsche Außenminister Heiko Maas beschloss, acht Mitglieder der „White Helmets“ aus Jordanien aufzunehmen. Warum acht und nicht neun?

    Genau die Hälfte der angekündigten Zahl der Mitglieder der „White Helmets“ soll Israel irgendwie nicht erreicht und sich in den Bergen niedergelassen haben. Jordanien bestätigte die Ankunft von lediglich 422 Personen. Laut westlichen Quellen handelt es sich um eine zeitweilige Verzögerung wegen der Besonderheiten der Gegend. Alle sollen wohl glauben, dass sich mehr als 800 Personen buchstäblich zu Fuß vor dem Assad-Regime retten, während ihre bewaffneten Mitstreiter komfortabel durch das ganze Land nach Idlib gefahren werden. Welch humane Tragödie.

    Nach vorliegenden Angaben wurde die Vereinbarung über die Evakuierung jener, die sich auf den Golanhöhen als „White Helmets“ ausgaben, in Helsinki erreicht. Die Initiative soll von Donald Trump ausgegangen sein (bekannt ist, dass seine Tochter Ivanka mit den Weißhelmen sympathisiert, deren berührende Videos im Netz sie offenbar tief beeindruckt haben).

    Angesichts des bekannten Verhaltens Russlands zu dieser Organisation hält der US-Präsident die prinzipielle Zustimmung Moskaus zu dieser Rettungsaktion für einen großen Erfolg der Demokratie. Die Details dieser „Evakuierung“ wurden vom Außenminister Sergej Lawrow und dem Generalstabschef Waleri Gerassimow bei Verhandlungen mit israelischen Kollegen abgestimmt.

    Anscheinend nutzte Israel diese Situation für eigene Zwecke in Syrien.

    Der israelische Premier Benjamin Netanjahu sagte, dass Israel die „White Helmets“ auf persönliche Bitte Trumps durch sein Territorium passieren lassen werde. Doch schnell stellte sich heraus, dass die Grenze von zwei Feldkommandeuren der Gruppierung „Brigade Fursan al-Golani“, Moas Nasser und Abu Ratab, sowie den Feldkommandeuren Ahmed al-Nachs der IS-nahen Brigade „Seif asch-Scham“ und Alaa al-Halaki von „Dscheisch al-Ababil“ überquert worden sei. Diese Kämpfer sollen bereits vor einigen Jahren von der israelischen Aufklärung rekrutiert worden sein und ihre Aktivitäten auf den Golanhöhen mit der israelischen Armee koordiniert haben.

    Das ist eine normale Situation für Israel – für die Gewährleistung der lokalen Sicherheit im Grenzgebiet können Deals wohl auch mit dem Teufel geschlossen werden. Natürlich sieht das nicht schön aus, doch diese Praxis ist situationsbedingt gerechtfertigt. Für Israel ist es kein Problem, geopolitische Spiele mit allen Verbrechern zu spielen. Wenn sich „Fursan al-Golani“ und „Seif asch-Scham“ dazu verpflichteten, nicht in den Westen zu schießen, bekommen sie israelische Waffen, finanzielle Unterstützung und Aufklärungsdaten und jetzt auch noch die Zuflucht und Schutzherrschaft.

    Nach dem Verlassen der Golanhöhen und dem Umzug nach Israel sprengten die Dschihadisten die Waffenlager in die Luft und werden wohl alle Dokumente vernichten, die ihre Verbindung mit dem Mossad und der israelischen Armee nachweisen könnten. Allerdings werden sie es kaum schaffen, alle Spuren zu verwischen. Und so würden die syrischen und dann auch die russischen Strukturen später sicher interessante Angaben über die reale Teilnahme Israels am innensyrischen Konflikt bekommen.

    Natürlich sieht die politische Konjunktur derzeit so aus, dass niemand Israel öffentlich Vorwürfe machen wird, zumal die ganze Geschichte ein offenes Geheimnis ist. Doch es wäre sehr nützlich, über reale Beweise zu verfügen. Die spezifische Vorstellung Israels von eigenen nationalen Interessen sorgt für ein prinzipienloses Verhalten bei der Gewährleistung dieser Interessen. Vielen (besonders in Europa) würde die Kooperation Netanjahus mit Organisationen, die von der UNO als Terrororganisationen eingestuft wurden, bei einer möglichen Konfrontation mit dem Iran kaum gefallen.

    Vor diesem Hintergrund entsteht der logische Verdacht, dass die etwa 400 verloren gegangenen Mitglieder der „White Helmets“ in der Tat getarnte Dschihadisten sind, die man dem Publikum kaum vorstellen kann — andernfalls könnte es zu einem Skandal kommen. Oder diese Personen begaben sich bereits früher nach Idlib, indem sie ihre schönen Helme abgenommen hatten und sich an den Anmeldestellen der russischen Militärpolizei in einfache Extremisten verwandelten.

    Einer der Anführer der „White Helmets“, Rajes Saleh, behauptete zuvor, Russland hätte keine Zustimmung für die Evakuierung der „White Helmets“ nach Idlib erteilt. Doch wer würde ihm heute glauben?

    Nach der Beseitigung der letzten Gefechtsherde mit den Dschihadisten auf den Golanhöhen und in der Provinz Daraa wird sich der Schwerpunkt in Richtung Idlib verlagern. Es wird bereits berichtet, dass einige Dschihadistengruppen schon einige Aktionen aus dem Reservat durchgeführt hätten, die jedoch verhindert werden konnten. Zudem geht es auch um die Kämpfe im Gebirge Latakias und im Osten bei Aleppo.

    Mittlerweile haben sich im Reservat fast 40.000 bewaffnete Extremisten angehäuft – zehn vollwertige Divisionen. Es spielt auch keine Rolle, dass sie teilweise zerstreut sind und gegeneinander kämpfen. Trotzdem sind sie eine ernstzunehmende Kraft. Bislang ist unklar, wie man dagegen vorgehen soll.

    *  IS – Organisation, deren Tätigkeit in Russland gerichtlich verboten ist

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    Tags:
    Verhandlungen, Rettung, Manipulationen, Evakuierung, Terroristen, Islamisten, Dschihadisten, Terrormiliz Daesh, Weißhelme, Wladimir Putin, Ivanka Trump, Donald Trump, Idlib, Helsinki, Golanhöhen, Daraa, Türkei, Nahost, USA, Jordanien, Deutschland, Israel, Russland, Syrien