09:22 22 August 2018
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    Ein russischer LNG-Tanker

    Warum ein dritter Tanker mit russischem Flüssiggas an die US-Küste fährt

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    Ein weiteres Tankschiff mit Flüssiggas russischer Herkunft bewegt sich zur US-Küste. Nach Angaben eines Navigationsportals soll der Frachter die USA am 26. Juli erreichen. Das wird bereits der dritte Flüssiggas-Dampfer aus Russland in diesem Jahr sein.

    Experten zufolge ist es in den USA jetzt vorteilhaft, billigeres Gas zu kaufen, um eigenes Flüssiggas auf die wachsenden Märkte der Asien-Pazifik-Region zu liefern.

    Die dritte Partie des Flüssiggases des Projekts „Yamal LNG“ (51 Prozent der Aktien gehören NOVATEK der Unternehmer Leonid Michelson und Gennadi Timtschenko) ist in Richtung US-Küste unterwegs. Nach Angaben des Navigationsportals Marine Traffic soll das Tankschiff Gaslong Hong Kong mit mehr als 100 Millionen Kubikmeter Gas an Bord am 26. Juli zur US-Küste kommen.

    Dass sich an Bord russisches Gas befindet, wurde von der Redakteurin ICIS Ruth Liao auf Twitter mitgeteilt.

    „Das ist wohl schon die dritte Flüssiggaspartie in diesem Jahr aus Russland mit Umladen in Europa, die sich zum US-Terminal Everett im Tankschiff Gaslong Hong Kong begibt“, so Liao.

    Nach Angaben von Marine Traffic lief Gaslong Hong Kong aus dem Hafen Amsterdams aus, woher zuvor das Tankschiff Boris Wilkizki eingetroffen war, das Flüssiggas von Jamal nach Europa beförderte. Beide Wasserfahrzeuge verließen den niederländischen Hafen am 18. Juli. Das erste begab sich in die USA, das zweite nach Sabetta.

    Die vorherigen zwei Lieferungen aus den USA entfielen auf den Winter. Wegen einer starken Abkühlung ist die Gasnachfrage in den östlichen Bundesstaaten deutlich gestiegen und die Preise auf 6300 Dollar für 1000 Kubikmeter angewachsen. Vor dem Hintergrund einer großen Nachfrage und Einschränkung der Durchlässigkeit der inneren Gaspipelines mussten US-Firmen nach günstigeren Energieträgern suchen. Das war eben das aus der EU reexportierte Jamal-Gas.

    Das erste Tankschiff mit dem russischen Flüssiggas traf Ende Januar dieses Jahres im Hafen Bostons aus der britischen Grafschaft Kent ein, wo das Terminal Isle of Grain liegt. Dorthin wurde Jamal-Gas von Tankschiff Christophe de Margerie geliefert. Flüssiggas wurde in die Speicher und anschließend in das Tankschiff Gaselys der französischen Firma Engie geladen. Das Tankschiff machte sich abenteuerlich auf den Weg in die USA – zunächst kehrte es kurz vor dem Ziel um und begab sich nach Spanien. Am nächsten Tag wurde das Manöver wiederholt und Kurs auf Boston genommen, wonach es sich noch einige Tage im Gewässer nahe dem Hafen befand.

    Das zweite Tankschiff Provalys brachte eine Partie von Jamal-Flüssiggas aus Dunkerque in die USA, wo es zuvor vom russischen Tankschiff geladen wurde.

    Bemerkenswert bei Jamal-Flüssiggaslieferungen ist, dass NOVATEK und Gennadi Timtschenko auf der US-Sanktionsliste stehen.

    „Ich würde dieses Gas nicht russisch nennen, weil es nicht direkt bei NOVATEK gekauft wurde. Gazprom verkauft auch weiter Gas aus Zentralasien, doch niemand nennt es usbekisch beziehungsweise  kasachisch“, sagte der Direktor von East European Gas Analysis, Michail Kortschemkin.

    Wie das Portal EurAsiaDaily berichtete, kann wie früher als Flüssiggas-Eigentümer die französische Firma Engie auftreten, der das Terminal Everett gehört, sowie Total.

    Im Fall mit dem ersten Tankschiff mit Jamal-Flüssiggas war bei der Ladung im Dorf Sabetta auf Jamal die malaysische Firma Petronas der Eigentümer, wonach es mehrmals weiterverkauft wurde.

    Bei der Ankunft in die USA hatte Gas formell nichts mit NOVATEK, Betreiberfirma von „Yamal LNG“, zu tun.

    Inzwischen bauen die USA neben dem Import von Jamal-Gas eigene Flüssiggaslieferungen aus.

    2016 wurden die USA erstmals zu Netto-Exporteuren von Gas und wollen den Gasexport ausbauen. Laut der Prognose der Energie Informationsadministration (EIA) sollen 2018 die Kapazitäten bei der Gasverflüssigung steigen. Das Terminal Cove Point in Maryland soll vollständig in Betrieb genommen werden, es wird die Produktion auf Objekt Elba Island in Georgia aufgenommen. Bis Jahresende soll der erste Teil des Objekts Freeport in Texas mit einer Kapazität von 0,7 Milliarden Kubikmeter Fuß pro Tag in Betrieb genommen werden.

    Die USA wollen einen großen Teil des europäischen Gasmarktes einnehmen und liefern aktiv Flüssiggas nach Asien und Südamerika. Allerdings hindert das nicht am Gasimport unter günstigen Preisbedingungen.

    Der Flüssiggasmarkt ist derzeit sehr diversifiziert. Die Interessen der US-Hersteller sind jetzt mehr auf Asien gezielt, wo die Preisbildung für den Verkauf viel vorteilhafter als innerhalb des Landes ist.

    Wir beobachten jetzt ein solches uneindeutiges Bild der Flüssiggasmigration von einem Kontinent auf den anderen, so der Direktor der Expertengruppe Veta, Dmitri Scharski.

    Die Gesetze der Bundesstaaten von New England erschweren den Bau der neuen Gaspipelines, während das alte Gesetz den ausländischen Schiffen verbietet, die Frachten zwischen den US-Häfen zu befördern. Über eigene Flüssiggas-Tankschiffe verfügen die USA nicht, so Kortschemkin.

    Für die USA ist es bei einem Gasdefizit in der eigenen Region beziehungsweise bei fehlender Gasinfrastruktur zur Lieferung vom Herstellerwerk unter Bedingungen einer niedrigen Nachfrage viel vorteilhafter, Gas aus der EU auf Vorrat zu kaufen, so Scharski.

    In den letzten drei Jahren kauften die USA Flüssiggas bei Trinidad und Tobago, doch jetzt bevorzugen sie anscheinend Gas aus Russland.

    Dass die Tendenz eines massiven Ankaufs von Flüssiggas aus Russland in der nordamerikanischen Region nur zunehmen wird – das sind zu voreilige Prognosen. Es handelt sich eher um Einzelaktionen. Das kann sich wohl wiederholen, wenn die Situation auf dem Markt wieder entsprechend sein wird, so der Experte.

    Im Ganzen sind die Aussichten der Flüssiggasprojekte ziemlich gut, so Analysten. Wie der britische Konzern BP in seiner Prognose hervorhebt, soll der Flüssiggasanteil am globalen Gashandel bis zum Jahr 2035 auf 51 Prozent steigen.

    Tags:
    Tanker, Lieferungen, LNG, Flüssiggas, Jamal-SPG, British Petroleum (BP), NOVATEK, Leonid Michelson, Gennadi Timtschenko, Jamal, Europa, Frankreich, Trinidad und Tobago, USA, Russland
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