23:35 21 August 2018
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    Der US-Zerstörer Michael Monsoor an der Werft (Archivbild)

    Wieder Panne: Was ist nur mit dem neusten US-Zerstörer los?

    © AP Photo / Robert F. Bukaty
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    Der US-Zerstörer Michael Monsoor ist während Probefahrten beschädigt worden. Nach den Tests wurde eine Panne in einem der zwei Hauptturbinenantriebe gefunden. Allerdings ist dieser technische Schaden bei den Stealth-Zerstörern der Zumwalt-Klasse nicht der Ausnahmefall.

    Der neuste US-Zerstörer ging gleich nach dem ersten Probelauf kaputt. Der Vorfall wurde nach der Verkündigung des Konteradmirals der US-Marine William Galinis bekannt.

    Galinis leitet das Programm zum Bau der Flugzeugträger der Zumwalt-Klasse, zu denen auch die USS Michael Monsoor zählt. Dieses Schiff mit der Seriennummer DDG-1001 wurde nach dem Marineinfanteristen der Delta-Spezialeinheit benannt, der 2006 im Irak ums Leben kam.  Das ist der zweite von drei Zerstörern der Zumwalt-Klasse. Alle Schiffe dieses Typs sind mit Gasturbinen Rolls-Royce Marine Trent-30 ausgestattet – die stärksten in dieser Kategorie.

    Mit diesen Turbinen sind auch die Schiffe der britischen Flotte, einige Kriegsschiffe Italiens und Südkoreas versehen. Damit haben die US-Zerstörer nun Probleme.

    „Bedauerlicherweise haben wir nach ihrem Probelauf ein Problem bei einem der beiden Hauptturbinenantriebe entdeckt, wir müssen ihn austauschen“, so Galinis.

    Laut Galinis wurde die Panne während der Prüfungen nach der Probefahrt in einer Turbine festgestellt. Experten stellten Mängel bei den Turbinenschaufeln fest.

    Wegen des Defektes wird der Terminplan des neuesten US-Zerstörers nun revidiert. Ursprünglich hätte Michael Monsoor aus Bath im Bundesstaat Maine in San Diego zur nächsten Etappe der Tests  (Prüfung der Kampfsysteme) eintreffen sollen.

    „Wir haben beschlossen, dass man lieber die Turbine austauschen soll, bevor man das Schiff nach San Diego schickt“, sagte Galinis. Geplante Veranstaltungen sollen nun bis zum Herbst verschoben werden. Mit der Wartung der Turbine im Wert von mehr als 20 Millionen Dollar werden sich Ingenieure der Korporation General Dynamics Bath Iron Works befassen, die für die Produktion der Zerstörer zuständig ist, sowie Spezialisten von Rolls-Royce.

    Für die USS Michael Monsoor ist dieser Defekt nicht der Einzelfall, wobei der Betrieb de facto nicht einmal begonnen hat. Im Dezember des vergangenen Jahres mussten die Tests abgebrochen werden. Einen Tag nach der Abreise kehrte das Schiff nach Bath zurück. Es stellte sich heraus, dass beim Zerstörer Oberwellenfilter ausfielen, die die empfindliche elektrische Ausstattung vor unerwünschten Leistungsschwankungen schützen. Im Endeffekt verlor das Schiff demnach die Möglichkeit, sein kompliziertes Elektronetz mit voller Kraft einzusetzen.

    Doch Probleme und technische Ausfälle gab es nicht nur bei der USS Michael Monsoor, sondern auch bei seinem Vorgänger der Zumwalt-Klasse – DDG-1000.

    Der Vorfall ereignete sich im November 2016, einen Monat nach der Inbetriebnahme. Während der Fahrt durch den Panamakanal auf dem Weg nach San Diego versagte beim Schiff das Haupttriebwerk. In zwei der vier Lager, die die induktiven Bordtriebwerke mit den Treibwellen verbindet, gelangte Meereswasser. Beide Treibwellen waren außer Betrieb. Das Schiff stieß auf Kanalwände, was zu einem unbedeutenden Schaden führte.

    DDG-1000 ist der größte Zerstörer der US-Flotte. Er ist 183 Meter lang, 24,6 Meter breit und hat eine Wasserverdrängung von 14500 Tonnen. Nach der Wasserverdrängung bleibt er nur hinter den russischen Atom-Raketenkreuzern des Projekts 1144 zurück, der 26000 Tonnen schafft. Die Besatzung besteht aus fast 150 Seeleuten.

    Die Schiffe der Zumwalt-Klasse sind mit zwei Pump-Türmen mit 155-mm-Artillerieanlagen AGS ausgerüstet. Zum Kampfsatz der 155-mm-Kanone gehören spezielle lenkbare LRLAP-Geschosse. Das ist ein sehr langes Geschoss mit einem Triebwerk und kleinen Flügeln. Es ist 2,24 Meter lang und 102 Kilogramm schwer. Der Sprengstoff wiegt elf Kilogramm. Im Bugteil befinden sich vier Lenkflügel und im Heck ein Stabilisator mit acht Schaufeln. Das Steuersystem des Geschosses ist inertial mit GPS Navstar. Die maximale Schussweite liegt bei bis zu 150 Kilometer, die Präzision bei zehn bis 20 Meter.

    Die Schiffe sind mit einem neuen Typ der universellen vertikalen Startanlagen Mk.57 ausgestattet. Jede Sektion besteht aus vier Zellen. Insgesamt gibt es an Bord 20 Sektionen und 80 Zellen für Raketen. Bei Zumwalt-Schiffen werden die Startanlagen im Unterschied von vorherigen Projekten der Zerstörer und Kreuzer nicht an zwei Orten, sondern gruppenweise im ganzen Schiff stationiert.

    Kampfschiff Coronado der LCS-4-Klasse
    © Foto : U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 3rd Class Deven Leigh Ellis
    In diesen Sektionen sind vor allem Tomahawk-Marschflugkörper verschiedener Modifikationen zu Angriffen gegen Bodenziele in konventioneller Ausstattung sowie Raketen des Typs SM-2, SM-3 und SM-6 stationiert.

    Zudem können auch Anti-U-Boot-Raketen ASROC-VLS genutzt werden. Die Flugabwehrkomplexe der nahen Selbstverteidigung sind bei Zumwalt-Schiffen mit zwei 57-mm-Artilleriekomplexen Bofors Mk.110 mit der Geschwindigkeit von 220 Schüssen pro Minute und Reichweite von bis zu 15 Kilometer vertreten.

    Der Übergang zu einem solchen großen Kaliber von 20-mm-Systemen ist damit verbunden, dass weder 20-mm- noch 30-mm-Geschosse das Treffen von schweren Überschall-Antischiffsraketen gewährleisten werden, selbst beim direkten Treffen der Panzergeschosse explodiert die Rakete nicht und erreicht trotzdem das Ziel wie ein schweres Geschoss. Mk.110 sichert auch die größere Abfangreichweite und die Anwendung der korrigierbaren Geschosse, mit denen man den Rückgang der Schussgeschwindigkeit von einigen Tausend Schüssen pro Minute bis einigen Hunderten kompensieren will.

    Doch der größte Vorteil der Zumwalt-Zerstörer ist nicht die Waffe, sondern die Ausstattung mit Stealth-Technologien.

    Bei der Projektierung des Zerstörers der „Zumwalt“-Klasse wurde zur Senkung der Auffälligkeit in verschiedenen Wellenfrequenzen das gesamte Prinzip der Errichtung der Ausstattung des oberen Decks und Aufbaus eingesetzt.

    Das dritte Schiff der Zumwalt-Serie – DDG 1002 Lyndon B. Johnson – soll ebenfalls demnächst in Betrieb genommen werden. Doch damit wird die Produktion der Zerstörer dieses Typs gestoppt.

    Technische Schwierigkeiten, die mit der Produktion und dem Betrieb dieser Schiffe verbunden sind, wurden mehrmals zum Grund der Änderung des Verhaltens zu ihnen seitens der US-Behörden. Nach dem Start des Projekts wollten die USA bis 2030 30 solche Zerstörer bauen. Nach den ersten Pannen wurde die geplante Zahl um das Zehnfache gesenkt.

    Tags:
    Kriegsschiffe, Militärtechnik, Turbinen, Panne, Zerstörer, US-Zerstörer, Raketenabwehrsystem SM-3, USS Michael Monsoor, U.S. Navy, USA