18:45 05 Dezember 2019
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    Gold- und Devisenreserven: Russland sichert sich gegen neue US-Sanktionen ab

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    Russlands Auslandsschulden sind Anfang Juli auf 485,5 Milliarden Dollar gesunken, während seine internationalen Reserven auf 456,8 Milliarden Dollar gewachsen sind. Das geht aus einem Bericht der Experten der Russischen Wirtschaftsuniversität „Georgi Plechanow“ hervor.

    Ihnen zufolge könnten die nationalen Gold- und Devisenreserven schon in absehbarer Zeit die Auslandsschulden übersteigen, und das wäre sehr positiv für Moskau, falls der Westen neue Sanktionen verhängen sollte.

    Aktuell baue Russland seine internationalen Goldreserven intensiv aus, heißt in dem Dokument. In den vergangenen sieben Jahren ist der Goldanteil an den Vorräten von 7,5 auf 17,7 Prozent gewachsen. Durch die Auffüllung der Goldreserven unterstützt die russische Zentralbank darüber hinaus die nationale Goldförderbranche. In diesem Jahr könnte Russland auf den fünften Platz nach dem Umfang seiner Goldvorräte nach den USA, Deutschland, Italien und Frankreich steigen. Zudem sichert sich die Zentralbank auf diese Weise gegen eventuelle Notsituationen auf dem internationalen Schuldenmarkt ab.

    Ein vernünftiger Ausbau der Gold- und Devisenreserven, wobei die kumulierten Devisen und das Gold insgesamt teurer werden (so dass die Reserven wachsen), sei ein Verdienst der Zentralbank und zugleich ein Versuch, sich gegen die westlichen Sanktionen zu wehren, räumte die Analystin Maria Salnikowa (Expert Plus) ein. Allerdings gehe die erwähnte Zahl aus dem Bericht der Plechanow-Universität hervor, aber was in Wirklichkeit passiere, sei nicht genau bekannt, betonte sie. Angesichts der Insolvenz des russischen Rentenfonds könne man nicht ausschließen, dass die wahren Gold- und Devisenreserven geringer seien.

    Dennoch zweifelte die Branchenkennerin, dass die Behörden die ganzen Auslandsschulden mit den Gold- und Devisenreserven decken würden. Da Russland den Goldanteil an seinen Vorräten aufstocke, so dass dieser inzwischen 17 Prozent ausmache, sei der aktuelle Rückgang der Goldpreise (um zehn Prozent seit April auf 1220 Dollar pro Feinunze) ungünstig. Also könne man mindestens erwarten, dass Moskau seine Auslandsschulden Schritt für Schritt tilgen werde, aber ohne die ganze Summe auf einmal auszuzahlen.

    Aus der Sicht der Wirtschaftstheorie seien die Reserven natürlich vorrangig wichtig für die Stabilität der nationalen Wirtschaft und die geringen Schulden für die Wahrnehmung des Landes durch Kreditgeber, sagte Alexej Antonow (ALOR Broker). Andererseits aber hatte bereits Adam Smith verstanden, „warum er kein Gold brauchte, während er ein einfaches Produkt hatte“, so der Ökonom. Mit anderen Worten: Das Land sollte im schlimmsten Fall diverse Waren mit einem hohen Mehrwert herstellen und exportieren und die Erlöse reservieren oder – am besten – wieder in die Warenproduktion (…) investieren.

    Und Russland befinde sich in einer Situation, wenn es größtenteils Rohstoffe ins Ausland verkaufe und den Erlös für „harte Zeiten“ reserviere, die bestimmt kommen werden, wenn die Ölpreise wieder sinken werden. Für seine Kreditgeber sei Russland ein durchaus zuverlässiges Land, weil seine Schulden ziemlich gering und zudem abgedeckt seien. Allerdings müsse man bedenken, dass bei dem aktuellen wirtschaftlichen und politischen Modell ein richtiger Aufschwung Russlands kaum möglich sei. Potenzielle Investoren vergleichen es mit anderen Entwicklungs- bzw. Schwellenländern und wissen, dass sie in den vergangenen zehn Jahren hätten 55 Prozent verdienen können, während in Russland diese Zahl bei nur 6,5 Prozent gelegen habe, stellte Antonow fest. Und die Sanktionen machen das Investitionsklima noch schlechter und kaum vorhersagbar, weil Investitionen in die russischen Staatsanleihen jederzeit verboten werden könnten – beispielsweise für US-amerikanische Unternehmen und Staatsbürger, und künftig könnte das Verbot auch für die Europäer eingeführt werden.

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    Kampf, Wirtschaft, Staatsanleihen, Devisenreserven, Goldreserven, US-Sanktionen, Dollar, US-Finanzministerium, EU, Europa, Deutschland, Russland, USA