23:33 21 August 2018
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    Steve Bannon (Archiv)

    Steve Bannons rechte „Europa-Mission“ – gegen Soros und gegen Russland

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    Die Entstehung des „einheitlichen Europa“ erfolgt unter US-Kontrolle, mit Aufständen in naher Zukunft. Dieser Ansicht ist Veronika Krascheninnikowa, Mitglied der Gesellschaftskammer Russlands und stellvertretende Vorsitzende der Kommission für Entwicklung der öffentlichen Diplomatie, humanitäre Zusammenarbeit und Bewahrung der traditionellen Werte.

    Der Ideologe der amerikanischen „alternativen Rechten“ (Alt-Right-Bewegung), Steve Bannon, kündigte Pläne zur Gründung der Stiftung „The Movement“ an. Die „Bewegung“ soll die europäischen Rechtsextremen zusammenschließen, ihnen selektive Technologien im Sinne der „Cambridge Analytics“ beibringen und das nächste Ziel anvisieren, ein Drittel der Sitze bei den EU-Parlamentswahlen im Mai 2019 zu holen. Zu den weiteren Plänen gehört nichts weniger als eine rechtsextreme Rebellion in Europa.

    Die mitten in Europa – Brüssel – ansässige Stiftung soll ein operatives und beratendes Zentrum für Umfragen, Vorbereitung von „Messages“ für die Wählerschaft, Koordinierung der Handlungen und Unterstützung der Projekte für ganz Europa sein. Als Vorbild gilt Milliardär George Soros, der seit der Gründung seiner Stiftung Open Society 1984 knapp 32 Milliarden Dollar für liberale Projekte ausgab. Darüber berichtete Bannon der US-Zeitung „The Daily Beast“.

    Der Wahlstabschef und  ideologische Berater des US-Präsidenten Donald Trump wurde im August 2017 aus dem Weißen Haus vertrieben. Im Januar wurde er selbst von seinen langjährigen Sponsoren, der Milliardärsfamilie Mercer, aus dem Internetportal „Breitbart News“ geschmissen – die wichtigste Informationsquelle der US-Rechtsextremen. Das Portal war 2007 von Bannon ins Leben gerufen worden. Der Grund war sein zu großer Elan und die zu große Offenheit bei der Umsetzung der Ziele. Selbst radikale Milliardäre halten sich an das Minimum der öffentlichen Anstandsregeln.

    Damals begab sich Bannon zu den freundschaftlicher gestimmten europäischen Rechtsextremen und ließ sich in Rom nieder. Die Rolle, die er beim Sieg der italienischen Lega Nord bei den Wahlen im März und dem rasanten Aufstieg deren Anführers Matteo Salvini spielte, muss noch analysiert und beschrieben werden. In den vergangenen sechs Monaten reiste er zu den europäischen Partnern und brachte ihnen Technologien der Manipulierung der öffentlichen Meinung bei.

    Die Hauptakteure von Bannons „alternativem Europa“ sind die französische Front National, Marine Le Pen und ihre radikalere Nichte Marion, die italienische Lega Nord von Matteo Salvini, die britische Unabhängigkeitspartei (UKIP) von Nigel Farage, die Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), Vlaams Belang in Belgien, Viktor Orban in Ungarn, die regierenden Nationalisten in Polen sowie die weniger bekannten, doch nach Macht strebenden „nordischen Arier“ – die Schwedendemokraten, die direkt aus einer Neonazi-Bewegung hervorgingen, sowie die ethnischen Nationalisten „Wahre Finnen“.

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    Der Machtaufstieg Salvinis wird von Bannon als Vorbild betrachtet: „Wenn das in Italien funktioniert hat, wird es überall funktionieren.“ Dabei sprechen Salvini und Bannon unisono von der Schaffung einer „Liga der Ligen“ in Europa mit der eigenen Partei als Modell.

    Doch trotz der scheinbaren Auseinandersetzungen mit Washington brach Bannon nicht die Verbindungen mit dem Weißen Haus, wo als Senior-Berater nun sein Mitstreiter Stephen Miller tätig ist, und mit den radikalen Mitstreitern in den USA ab. Die kommenden Monate wird er mit seinen Kandidaten für die Kongresswahlen verbringen. Das europäische Hauptquartier Bannons wird auch in Verbindung mit Freedom Caucus im US-Kongress stehen – das ist eine Gruppe von äußerst radikalen Republikanern.

    Nach den Wahlen will er seine Kräfte in etwa gleich zwischen Europa und den USA verteilen. Im nächsten Jahr wird das Propagandarohr der Rechtsextremen – „Breitbart News“ – in europäischen Sprachen erscheinen.

    Die politischen Werte und Ziele Bannons sind am besten mit seinen eigenen Worten zu beschreiben: „Mögen sie euch Rassisten nennen. Mögen sie euch Fremdenhasser nennen. Mögen sie euch Nativisten nennen. Tragt das als Ehrenzeichen“ – so inspirierte Bannon die Mitglieder der „Front National“ beim Parteitag am 10. März in Lille. 

    Die Nativisten sowie Identitären sind moderne Varianten der Bestimmung der Völker nach dem alten Naziprinzip „Blut und Boden“, mit der anschließenden Vertreibung aller mit fremdem Blut und Boden.

    Mitte Juli warb Bannon im Londoner Radiosender LBC für die Freilassung von Tommy Robinson, der zu 13 Monaten Haft wegen „verbrecherischer Respektlosigkeit gegenüber dem Gericht“ und „Verstoß gegen die Rechtsordnung“ verurteilt wurde. Robinson, ehemaliges Mitglied der neofaschistischen British National Party, gründete 2009 die antimuslimische English Defence League und beteiligt sich an der Schaffung der britischen Pegida-Bewegung. „Tommy Robinson ist der Kern dieses Landes“, sagte Bannon. Selbst einer der bekanntesten britischen Rechten, Nigel Farage, mit dem die Unabhängigkeitspartei assoziiert wird, hat Robinson nicht unterstützt.

    Im „Reiseführer der Rechtsextremen für konservatives Establishment“, 2016 herausgegeben von Breitbart News unter Bannons Führung, werden in der Rubrik „Intellektuelle“ die Ideologen des europäischen Faschismus und Nazismus, Oswald Spengler und Julius Evola, der amerikanische Erzkonservative Pat Buchanan und die junge Generation – der Gründer der Bewegung „Alternative Rechte“ Richard Spencer – aufgelistet. Der Wahlsieg Trumps wurde von Spencer bei der Konferenz seines „Instituts für Nationalpolitik“ am 19. November 2016 mit dem Ausruf „Heil Trump, heil unser Volk, heil unser Sieg!“ kommentiert. Dieses Video hat fast drei Millionen Klicks bekommen.

    Bannon genießt die Rolle des schwarzen Demiurgen, die er für sich wählte: „Ich würde es vorziehen, in der Hölle zu regieren, statt im Paradies zu dienen“, sagte er im Interview für „The Daily Beast“ mit der für ihn typischen zynischen Frechheit.

    Der rechtsextreme populistische Nationalismus – der wird Europa bald regieren, so Bannon. Massenbewegungen seien schon bereit und warteten, bis jemand ihr Potential einsetzt: „Das wird blitzschnell gehen – sobald wir den Schalter umlegen.“

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Rechtspopulistische Zerstörung Europas?“ – Wer ist der Sündenbock?

    Die „Alternative“ Bannons ist demnach, die transatlantische Allianz einer breiten rechtsextremen Front zu schaffen – aus Nationalisten, Chauvinisten, Rassisten, Muslimhassern, Antisemiten, Neofaschisten und Neonazis und den sich ihnen angeschlossenen erschrockenen Massen, der Mittelschicht, die ihren Wohlstand wegen Migranten und Flüchtlingen zu verlieren fürchten.

    Was Russland betrifft, steht Moskau laut Bannon in Union mit Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Sie hat die Kontrolle über den europäischen Markt gegen niedrigere Energiepreise an Russland verkauft.“ Merkel habe den Titel eines „völligen Fakes“ verdient. Sie und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sind die Zielscheiben Bannons und seiner Mitstreiter in Europa.

    Trotz des großen Selbstbewusstseins Bannons ist der Erfolg seines Plans nicht garantiert. Es ist nicht so einfach, großes Geld für eine solche Ideologie in Europa zu finden. So musste die Front National bei der Suche nach Krediten in Russland vorstellig werden – in Europa fand sie kein Geld. Obwohl Bannons Projekt den reichen katholischen Fundamentalisten und Monarchisten wohl gefallen wird. Zudem haben die regierenden Parteien der Mitte nicht vor, die Macht und ihr Land den Radikalen zu übergeben. Auch der Verfassungsschutz muss funktionieren. Darüber hinaus sind die meisten europäischen Gesellschaften nach wie vor kategorisch gegen Rechtsextreme – sie gelangen an die Macht (in Italien sowie in Österreich) via Koalitionen mit anderen Kräften.

    Auch mit der Hilfe Russlands können sie kaum rechnen. Eine rechtsextreme Rebellion – einfacher gesagt: faschistische Regime, entspricht nicht den Interessen Russlands. Wir wissen, welche Opfer man für den Sieg im 20. Jahrhundert zahlen musste. Der Faschismus des 21. Jahrhunderts  verfolgt trotz der Unterschiede dieselben Ziele. Mit der Wirtschaftskrise steigt auch das Streben des Kapitals nach Radikalisierung der Regime.

    Der „wirtschaftliche Nationalismus“, den Trump praktiziert, bedeutet einen Wirtschaftskrieg gegen Russland, unter anderem um den europäischen Gasmarkt. Seine Forderung, die Finanzbeiträge in der Nato zu erhöhen, bedeutet, dass die Militärinfrastruktur entlang der westlichen Grenzen Russland weiter wächst. In den Händen der rechtsextremen Militaristen werden diese Waffen neue Bedrohungen darstellen.

    Ein weiterer offensichtlicher Aspekt. Die aktuelle Konsolidierung der Rechtsextremen erfolgt mit den Händen der aggressivsten US-Kreise. Sie sind nicht gegen Amerika – sie sind für das radikalere Amerika. Natürlich hat der Washingtoner Untergrund immer mit den europäischen Extremisten zusammengearbeitet: Die „Operation Gladio“ – Terrorismus unter fremder Flagge – wurde von den geheimsten Kreisen der CIA und Nato mit den Händen der europäischen Nazis umgesetzt. Doch jetzt beanspruchen diese Kreise, die ihre Ideologie mit der Verpackung der „nationalen Identität“ versehen haben, eine Massenbewegung.

    Bannon positioniert sich als das Gegenteil von Soros. Soros fügte dem russischen Machtsystem einen enormen Schaden zu. Soros ist kein Freund für uns. Doch das heißt nicht, dass Bannon  ein Freund für Russland ist. Der alte Spruch: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“, stimmte in einer 2D-Realität, doch in der heutigen multidimensionalen Welt führen solche primitive Vorstellungen nur zu Illusionen und Fehlern.

    Ein Boxer hat zwei Fäuste. Er boxt mal mit der linken Faust – den Kräften der Demokratischen Partei,  Soros und Clintons, und mal mit der rechten – der Republikanischen Partei und ihrer radikalen Flanke in Gestalt Trumps. Der Boxer hat aber nur einen Kopf. Zumal greift er oft auch zu Kämpfen ohne Regeln, die Trump so sehr mag. Er besaß nicht nur die Rechte des Schönheitswettbewerbs „Miss Universe“, sondern auch die Firma mit der symbolischen Bezeichnung „Affliction“ – Schmerzen und Leiden. Dabei ging er manchmal auch in den Ring, um den Moderator zu Boden zu schubsen und ihn kahl zu scheren – als Zeichen der sadistischen Dominanz.

    Vielleicht bereiten Trump und Bannon so einen Trick für das alte gute Europa vor?

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