07:42 19 August 2018
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    Flugzeuge der Malaysia Airlines (Symbolbild)

    „Irgendwer ließ die Maschine plötzlich beidrehen“: Einzelheiten zu Todesflug MH370

    © AFP 2018 / MANAN VATSYAYANA
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    Die Regierung Malaysias schließt nicht aus, dass beim Verschwinden der Boeing 777-200 der Malaysia Airlines (Flug MH370) eine dritte Seite involviert sein könnte. Das wurde bei der jüngsten Präsentation des endgültigen Berichts über die Ergebnisse der Ermittlung dieser Katastrophe mitgeteilt.

    Zudem soll festgestellt worden sein, dass die malaysischen und vietnamesischen Fluglotsen mangelhaft gearbeitet hätten, weshalb die Rettungsoperation wesentlich später beginnen konnte. Dabei konnten die Ermittler die Umstände der Katastrophe nicht herausfinden, was ihr wichtigstes Ziel war. Denn zu diesem Zweck hätte das Wrack der verunglückten Maschine entdeckt werden müssen.

    Laut dem endgültigen Bericht schließt die Regierung in Kuala Lumpur nicht aus, dass beim Verschwinden der Boeing eine dritte Seite beteiligt gewesen sein könnte. Wie der Leiter der Ermittlungskommission, Kok Soo Chon, sagte, gibt es aber auch keine Beweise dafür, dass die Flugmaschine von jemandem außer den Piloten gesteuert worden wäre.

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    Auch wurde die „Verschwörungstheorie“ widerlegt, dass das Flugzeug quasi aus der Distanz abgefangen worden sei, um eine Entführung durch Terroristen zu verhindern. Dem Kommissionschef zufolge wurde jedoch bestätigt, dass die Maschine kurz vor dem Absturz plötzlich den Kurs gewechselt hatte. „Das Flugzeug begann eine Kehrtwendung, und zwar nicht wegen eines technischen Ausfalls und nicht im Autopilotmodus. Die Maschine wurde zu dem Zeitpunkt manuell gesteuert“, betonte Kok Soo Chon.

    Dennoch können die Behörden nicht sagen, warum die Maschine abgestürzt ist. „Die Gründe könnten nur festgestellt werden, wenn das Wrack entdeckt wird“, ergänzte er.

    Der Hauptakzent wurde in dem Bericht nicht auf die Umstände der Katastrophe gesetzt, sondern auf die Fehler, die dabei begangen wurden. So wurden die Handlungen der malaysischen und vietnamesischen Flugleiter einer scharfen Kritik unterzogen. Als sich die Maschine zwischen zwei Flugzonen befand, konnten sie „nicht richtig handeln“, heißt es in dem Dokument.

    So sollen sie nicht sofort Alarm geschlagen haben, als das Flugzeug von den Radarbildschirmen verschwunden war. Es seien nur zwei Versuche unternommen worden, Kontakt mit der Boeing aufzunehmen, und zwar vier und fünf Stunden später. Also hätte der Rettungseinsatz früher beginnen können, als es in Wirklichkeit der Fall war.

    Aus technischer Sicht sei die verunglückte Maschine intakt gewesen, und die beiden Piloten „hatten offenbar keine privaten Probleme, die ihre Fähigkeit bzw. ihren Wunsch zum Steuern hätten beeinträchtigen können“, geht aus dem Bericht hervor.

    Wie Grace Nathan, deren Mutter sich an Bord der verunglückten Boeing befunden hatte, nach einem geschlossenen Briefing für die Verwandten der Todesopfer sagte, hoffen sie selbst und alle anderen, dass die traurigen Erfahrungen dieses Flugzeugs künftig berücksichtigt werden, so dass sich solche Tragödien nicht mehr wiederholen. Im Allgemeinen sind die Verwandten der Todesopfer sehr unzufrieden: Sie beklagten sich unter anderem darüber, dass in dem Bericht nichts Neues mitgeteilt worden sei und dass sie keine Fragen stellen konnten, weil der Bericht nicht von seinen unmittelbaren Autoren präsentiert worden sei. Zum Abschluss des geschlossenen Briefings brach ein großer Streit aus.

    Die Boeing 777-200 (Flug MH370 aus Kuala Lumpur nach Peking) war in der Nacht zum 8. März 2014 von den Radaren verschwunden. Sie war um 00.42 Uhr Ortszeit abgehoben, ungefähr 40 Minuten lang verlief der Flug planmäßig. Der letzte Kontakt mit der Besatzung fand um 01.19 Uhr statt, als die Maschine den Zuständigkeitsbereich des malaysischen Flugleitzentrums verließ und in den Zuständigkeitsbereich ihrer vietnamesischen Kollegen flog. Das letzte, was die Piloten den malaysischen Fluglotsen sagten, war „Gute Nacht!“ Zwei Minuten später wurden die Transponder der Boeing abgeschaltet, und eine Minute später verschwand sie von den Radarbildschirmen der Flugleiter.

    Dabei soll die Maschine noch sieben Stunden lang in der Luft geblieben sein, wobei sie ihren Kurs stark änderte. Erst um 08.11 Uhr schickte sie das letzte Signal an den Satelliten Inmarsat, den die Boeing 777 für die Übertragung der technischen Informationen über die Triebwerke Rolls-Royce an die Bodendienste nutzte. Eine Stunde später sendete Inmarsat ein weiteres Signal an die Boeing mit 227 Fluggästen und zwölf Besatzungsmitgliedern an Bord, das jedoch ohne Antwort blieb.

    Insgesamt 26 Länder beteiligten sich an der Suche nach dem verschwundenen Flugzeug. Der Rettungseinsatz, der insgesamt nahezu 200 Millionen Dollar kostete, erfolgte im Südchinesischen Meer und in der Andamanensee, in der Straße von Malakka und im Indischen Ozean. Es wurde ein Territorium von 7,7 Millionen Quadratkilometern untersucht. Das erste Fragment des Boeing-Wracks konnte allerdings erst mehr als ein Jahr später entdeckt werden: Das waren ein Teil des Flügels und eine Tür, die im Juli 2015 auf der Insel Réunion im Indischen Ozean gefunden wurden. Im März 2016 wurde in der Straße zwischen Madagaskar und Mosambik ein weiterer Teil des Boeing-Rumpfes aufgefunden, einen Monat später auf Mauritius ein weiteres Flügelfragment. Das vorerst letzte Fragment des Wracks wurde vor der Küste Tansanias entdeckt.

    Zwar weckte jeder neue Fund die Hoffnung, dass das Suchgebiet eingeschränkt werden könnte, aber im Januar 2017 verkündeten die Behörden Australiens, Chinas und Malaysias das Ende des Einsatzes.

    Dennoch wirkt das Koordinierungszentrum der Suchagentur (JACC) weiterhin mit der Regierung Malaysias eng zusammen. Aktuell beschäftigt sich die US-amerikanische Privatfirma Ocean Infinity mit der Suche nach dem MH370-Wrack.

    Das mysteriöse Verschwinden der malaysischen Boeing hat die Aufmerksamkeit von Experten aus aller Welt auf sich gezogen. Laut einer Version wurde die Maschine im Moment des Absturzes nicht von den Piloten gesteuert. Der Sprecher der australischen Verwaltung für Verkehrssicherheit, Greg Hood, führte diese Theorie auf die Analyse der Boeing-Signale zurück. Die Anhänger dieser Meinung vermuten, dass die Maschine um 08.19 Uhr abgestürzt wäre, weil sie keinen Brennstoff mehr hatte und weil ihre beiden Motoren in Flammen aufgingen. Den Experten zufolge ist die Boeing nahezu senkrecht abgestützt, und ihre Geschwindigkeit betrug in diesem Moment bis zu 20.000 Fuß (6096 Meter) pro Minute. Eben darauf führen sie das nahezu spurlose Verschwinden des Flugzeugs zurück.

    Andere Fachleute begründen die MH370-Katastrophe mit menschlichem Versagen und werfen dies Crew-Chef Zaharie Ahmad Shah vor. Bei der Durchsuchung seines Hauses wurde ein Flugsimulator entdeckt, und bei der Entzifferung seiner Hardware  stellte sich heraus, dass der Pilot einen Monat vor der Katastrophe den Flug auf einem Weg geübt hatte, auf dem der wahre Flug mit dem Absturz endete. Die Ermittlung zeigte sich überzeugt, dass Ahmad Shah dieses Schema auf den realen Flug übertragen haben könnte.

    Der frühere Leiter des kanadischen Büros für Verkehrssicherheit, Larry Vance, vermutete seinerseits, dass der Pilot einen Selbstmord geplant und letztendlich alle Insassen des Flugzeugs getötet haben könnte. Unter anderem könnte er eine Sauerstoffmaske aufgesetzt und dann den Druckverlust der Kabine provoziert haben, damit alle Fluggäste und Besatzungsmitglieder das Bewusstsein verlieren. „Er wollte sich selbst töten, hat aber leider auch alle Fluggäste getötet. Das machte er absichtlich“, so Vance.

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    Es gibt auch andere Versionen, die allerdings weniger populär sind. So könnte die Boeing von Terroristen überfallen worden sein. Der frühere Chef der französischen Proteus Airlines, Marc Dugain, vermutete beispielsweise, dass der MH370-Flug von US-Militärs abgeschossen wurde, die die Entführung der Maschine durch Terroristen verdächtigt haben könnten, und zwar weil sie Angst vor einer Wiederholung des 9/11-Angriffs hatten. Diese Hypothese wird dadurch gestützt, dass sich an Bord zwei iranische Staatsbürger – Puria Nur Mohammed Mehrdad und Delavar Seyed-Mohammadreza – mit gefälschten Pässen befanden.

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    Radar, Flug, Katastrophe, Piloten, Fehler, Terroristen, Ermittlung, MH370, Malaysia
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