12:38 16 November 2018
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    Transportflugzeug von US Air Force auf der Militärbasis Ramstein (Archivbild)

    US-Army im russischen Gas-Würgegriff? Darum kommen Ramstein und Nato ins Spiel

    © Foto: U.S. Air Force/ Tech. Sgt. Chenzira Mallory
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    Die von den USA erklärte Abhängigkeit der US-Militärstützpunkte in Europa von russischem Gas ist nur ein Vorwand für finanzielle Spekulationen. Dies erklärte der stellvertretende Direktor für Energie des Energie- und Finanzinstituts, Alexej Belogorjew, gegenüber der Agentur „Ekonomika Segodnja“.

    „Während des jüngsten Nato-Gipfels hieß es, dass die Nato keine einheitliche Position zu Nord Stream 2 ausgearbeitet hat, weil verschiedene Länder das Projekt zu unterschiedlich betrachten. Deswegen wird die Nato gegen die künftige Pipeline keine Handlungen unternehmen. Die Meinung der USA wird nicht von allen geteilt, und ohne Konsens kann die Nato keine Schritte unternehmen. Die USA werden es einfach nicht schaffen, die Förderung der russischen Gasinteressen in Europa via Nato zu unterdrücken“, sagte Belogorjew.

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    Doch das heiße nicht, dass sich die Amerikaner das nicht wünschen. Der verbale Druck Washingtons gegen Nord Stream 2 nimmt offensichtlich zu. Vielleicht bereitet die Trump-Administration entschlossene Schritte zur Druckausübung gegen europäische Politiker vor. Doch die Einführung unmittelbarer Sanktionen gegen das Projekt würde ein zu harter Schritt des US-Präsidenten sein – das würde einen direkten Bruch der Beziehungen zu Russland, die Ausschöpfung der Möglichkeiten für einen Dialog bedeuten, den Trump wohl mit Moskau entwickeln wolle, so der Experte.

    Die Zeitung „The National Interest“ berichtete, dass die Energieversorgung der US-Militärobjekte in Europa von russischen Gaslieferungen abhängig ist. In dem entsprechenden Artikel wurde der Kongress dazu aufgerufen, die Frage nach Reservekapazitäten zu erörtern. Russland liefere immer mehr Gas an Europa und baut parallel die Nord Stream-2-Pipeline – die US-Gesetzgeber können das nicht unbemerkt lassen. Im ersten Quartal 2018 entfielen 41 Prozent des von Europa importierten Gases auf Russland.

    „In diesem Fall kann vermutet werden, dass solche Einwürfe nicht direkt mit Russland verbunden sind – die Gaslieferungen sind nur ein indirekter Vorwand für das Lobbyieren anderer Interessen. Erstens ist es erstaunlich, warum Militärstützpunkte in der EU bislang keine autonomen Energiequellen haben – in der ganzen Welt werden diese Richtlinien gewöhnlich eingehalten. Auf der anderen Seite werden Bedingungen für künftige Rüstungsaufträge geprüft. Denn wenn jedes Militärobjekt mit einer eigenen autonomen Energieanlage ausgestattet wird, sind dafür enorme Mittel erforderlich. Lieferungen von Elektrofahrzeugen, Errichtung von Generatoranlagen, einzelne Reserve-Kraftstofflager – das ist ziemlich kostspielig. Unter dem Deckmantel der strategischen Interessen der Nato wird für das Pentagon und der mit ihm verbundenen Industriekonzerne ein immenser Rüstungsauftrag der USA vorbereitet, der große Gewinne bringen wird“, so der Experte.

    USA müssen sich damit abfinden

    Viele amerikanische Medien riefen die Gesetzgeber dazu auf, in die Schaffung von Mikronetzen und Lager für Elektrofahrzeuge zu investieren. Falls die Lobbyarbeit erfolgreich ist, werden aus dem Haushalt der USA und der Nato Gelder dafür bereitgestellt, die die Grundlage eines umfassenden Rüstungsauftrags bilden.

    Der US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Deutschland ist das größte strategische Militärobjekt, auf dem 56.000 US-Soldaten stationiert sind. Dort befindet sich das Hauptquartier der US-Fliegerkräfte in Europa und das Kommando der Nato-Luftstreitkräfte. Dabei entfallen fast 40 Prozent des Öls, das in Militäreinrichtungen in Deutschland genutzt werden, auf Russland. Nord Stream 2 verstärke dabei angeblich die geopolitische Stärke Moskaus und verdopple die Abhängigkeit der EU von russischer Energie. Moskau bekräftigt inzwischen regelmäßig, dass die Gaspipeline ein kommerzielles und kein geostrategisches bzw. politisches Projekt ist.

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    „Sanktionen gegen Nord Stream 2 werden wohl von Osteuropa unterstützt, doch dagegen werden die Lokomotiven der EU auftreten – Deutschland und Frankreich. Berlin und Paris werden eindeutig nicht dafür stimmen, weil Sanktionen stark ihre Interessen treffen würden. Europa bezeichnet die künftige Pipeline bereits seit langem als deutsch und nicht russisch. Das ist auch nicht verwunderlich – die größten Begünstigten dieses Projekts sind Bau- und analytische Firmen in Frankreich und Deutschland“, so der Experte.

    Dem Experten zufolge wird sich Trump in den kommenden sechs bzw. zwölf Monaten kaum zu Sanktionen gegen Nord Stream 2 entschließen. Bis dato ist er vor allem mit dem Iran beschäftigt. Das Thema Russland spielt derzeit eher eine Nebenrolle, unter anderem wegen Nordkorea.

    Dabei sollte berücksichtigt werden, dass nach einem bedeutenden Ölpreisanstieg in diesem Jahr auch die Gaspreise gestiegen sind: Amerikanisches Flüssiggas könnte in Europa konkurrenzfähig werden. Eine andere Sache ist, dass Europa dieses Gas kaum braucht. Doch in Bezug auf die US-Interessen ist das Thema Nord Stream 2 derzeit für die Amerikaner weniger aktuell als im vergangenen Jahr. Der Informationsdruck gegen das Projekt werde zwar andauern, aber kaum Befürworter finden, so der Experte.

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    Ramstein, Abhängigkeit, Gaspipeline, Gaslieferung, Nord Stream 2, NATO, Donald Trump, Deutschland, USA, Russland