09:22 22 August 2018
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    US-Senatoren Edward Markey (l.) und Richard Blumenthal treten vor der Presse mit dem Bild eines 3D-gedrückten Plastik-Gewehrs

    Wegwerf-Waffen: Unsere Vorstellung von Gemeinschaft wird über den Haufen geknallt

    © AP Photo / Matthew Daly
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    Sie hinterlassen keine Spuren und halten Metalldetektoren stumm. Dafür alarmieren Einweg-Waffen aus dem 3D-Drucker die Experten. Bauanleitungen aus dem Internet ermöglichen es jedem X-Beliebigen, sich eine solche Knarre zuzulegen. Nicht nur, dass unsere Sicherheit in Gefahr ist – unser ganzes Zusammenleben wird zur Zielscheibe.

    Dass Schusswaffen aus dem 3D-Drucker schier grenzenlos verfügbar sind, ist ihr eigentlicher Vorteil. Doch genau das ist das Gefährliche. Außerdem springen Metalldetektoren bei solchen Waffen nicht an, denn sie werden aus Plastik gefertigt.

    „Das ist doch fatal, dass Gangstern Mittel an die Hand gegeben werden, die es ihnen ermöglichen, Waffen auf Knopfdruck herzustellen, die weder Spuren hinterlassen noch zu entdecken sind. Genau das erlaubt aber die Trump-Regierung“, sagte die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats New York, Barbara Underwood.

    Ganze acht ihrer Kollegen aus anderen US-Bundesstaaten haben, wie die Generalstaatsanwältin erklärte, eine Klage gegen die US-Regierung erhoben, mit der Forderung, die Verbreitung von Bauanleitungen für Einweg-Schusswaffen über das Internet zu unterbinden.

    US-Präsident Donald Trump hat bereits versucht, das Problem aus der Welt zu tweeten:

    „Ich habe mir diese 3D-Plastik-Pistolen angeschaut. Habe schon mit der NRA gesprochen. Scheinen nicht so viel Sinn zu machen“, so sein Statement.

    Offenbar will die US-Regierung in der Verbreitung von Schusswaffen, die im 3D-Druck-Verfahren hergestellt werden, keine ernste Gefahr erkennen. Bislang galt, dass eine solche Pistole sich zwar zuhause bauen ließe, die passende Patrone dazu aber nicht.

    Doch diese Vorstellung scheint dem Stand der Technik nicht mehr zu entsprechen: „Traditionell wird eine Patrone aus Blei gefertigt und mit Schießpulver gefüllt. Aber der technische Fortschritt geht weiter. Inzwischen gibt es Dutzende technische Möglichkeiten, einen Schuss abzusetzen“, sagt Generalmajor Wladimir Woroschzow, ehemaliger Mitarbeiter des russischen Innenministeriums.

    Es sei nicht auszuschließen, sagt der Ex-General, „dass das Schießen mittels Druckluft das Gefährlichste sein wird. Das Verfahren wäre auch noch geräuschlos. Womöglich werden dann auch Feuerwaffen entwickelt, die ohne Schießpulver funktionieren.“

    Davon abgesehen: Wenn Schusswaffen massenweise in der Bevölkerung auftauchen, müsse das Zusammenleben neu reguliert werden, betont der ehemalige General. „Die Massaker an US-Schulen sind die direkte Folge davon, dass allerhand Feuerwaffen in der Bevölkerung verfügbar sind.“

    Wenn man die Lage nicht unter Kontrolle kriegt, mahnt der Experte, wird auch die Rolle der Polizei in der Gesellschaft komplett verändert: „Ein Polizist wird dann einfach verpflichtet sein, schon bei geringster Gefahr von seiner Schusswaffe Gebrauch zu machen, einfach weil er davon ausgehen muss, dass der Verdächtige auch bewaffnet ist. Das ist ein enormes Problem.“

    Für die grenzenlose Verbreitung von Feuerwaffen, die im 3D-Druck-Verfahren hergestellt werden können, setzt sich seit Jahren die Organisation Defense Distributed aus den USA ein. Deren Gründer, Cody Wilson, ein Anhänger allerlei linker Strömungen und Bewegungen, bezeichnet sich selbst als einen „Krypto-Anarchisten“.

    Es gelte, die völlige Anonymität und Nicht-Einmischung von Behörden im Internet durchzusetzen, heißt es im Manifest von Defense Distributed. Natürlich beruft sich der Verein auf die US-Verfassung und die darin „verbrieften Rechte amerikanischer Staatsbürger“.

    Anfänglich entwickelte Defense Distributed nur Baupläne für bestimmte Waffenteile, Dämpfer aus dem 3D-Drucker zum Beispiel. Im Mai 2013 stellte die Organisation dann eine Anleitung für die Herstellung einer „Liberator“ („Befreier“) genannten Plastikpistole zum Download ins Netz.

    Als Rohstoff für den „Liberator“ eignet sich ganz normaler Kunststoff, wie der von Lego-Steinen. Geladen wird die Einschusspistole mit einer üblichen Kleinkaliberpatrone. Elf Schuss hält die Waffe aus, dann muss der Lauf ausgewechselt werden.

    Defense Distribution rät aber zum Einsatz spezieller Plastik-Munition, die ebenfalls im 3D-Verfahren gedruckt werden kann. Ihre Durchschlagkraft ist geringer als bei einer Metallpatrone. Dafür verschleißt die Pistole damit nicht so schnell.

    Angeboten wird solche Munition von allerhand Waffenamateuren aus den USA – genauer gesagt: Verkaufen dürfen sie die Plastikpatronen laut US-Gesetz nicht, aber Bauvorlagen dafür über das Internet bereitzustellen ist nicht verboten.

    Mehrere Monate waren die Anleitungen im Netz verfügbar, bis eine für die internationale Waffenkontrolle zuständige Behörde des US-Außenministeriums im November 2013 forderte, die Blaupausen für die Plastikpistolen und —patronen im Internet zu löschen.

    Dagegen klagte Cody Wilson, der Gründer von Defense Distribution – bis die Trump-Regierung das Verbot für die Verbreitung von Bauvorlagen, das noch unter Barack Obama verhängt worden war, im Juni dieses Jahres aufgehoben hat.

    Dafür hat womöglich die Waffenlobby in den USA mitgesorgt. Jedenfalls beruft sich Trump in seinem Tweet auf die NRA. Die US-Demokraten haben den Tweet des US-Präsidenten bereits scharf verurteilt: Sie sehen eine Gefahr von Weltmaßstab aufkommen.

    Schließlich könnte jetzt jeder, der einen Internetanschluss hat, sich eine Anleitung zum Waffenbau besorgen – nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt.

    Tags:
    Verbot, Sturmgewehr, Pistole, Klage, Kontrolle, Waffenhandel, Schusswaffen, 3D-Drucker, Staatsanwaltschaft, National Rifle Assoziation (NRA), US-Regierung, Donald Trump, Washington, New York, USA
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