08:53 20 August 2018
SNA Radio
    Ein kaputtes Smartphone

    Todesstrahlen: Fördern Handys Krebs?

    CC BY 2.0 / Robert Nelson / Droid Eris meets pavement
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Gazeta.ru
    5726

    Mobiltelefone und Mikrowellen verursachen keinen Krebs. Das haben spanische Forscher im Zuge der bislang umfassendsten Studie in diesem Bereich festgestellt. Dennoch zweifeln sie daran, dass der permanente Einfluss der elektromagnetischen Strahlung solcher Geräte gänzlich unschädlich ist.

    Wissenschaftler vom Institute for Global Health (ISGlobal) in Barcelona haben keine Verbindung zwischen Hochfrequenzstrahlung und der Entstehung von Tumoren entdeckt. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden im Fachmagazin „Environment International“ veröffentlicht.

    Elektromagnetische Wellen werden von vielen modernen Geräten ausgestrahlt, beispielsweise von Mikrowellenöfen und Mobiltelefonen. Viele Menschen haben Angst vor dieser Strahlung, weil sie angeblich Tumore auslösen könnte. Doch die neueste Forschungsstudie beweist, dass dem nicht so ist.

    Zum Teil ist die Angst zwar berechtigt, denn elektromagnetische Strahlung beinhaltet auch UV-, Röntgen- und Gammastrahlung, die tatsächlich die Entstehung von Krebserkrankungen provozieren können. Aber in letzter Zeit rufen auch schwache elektromagnetische Strahlungen von wenigen Kilohertz immer mehr Bedenken hervor. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzte sie vor sieben Jahren sogar auf die Liste der potenziellen Kanzerogene. Dennoch bleibt ihr negativer Einfluss auf den menschlichen Organismus unbewiesen.

    Es ist ziemlich problematisch, den Einfluss der elektromagnetischen Wellen auf das Gehirn zu messen – denn es gibt sie heutzutage schlicht überall. Außerdem kommt der Tumor an sich relativ selten vor. Deshalb ist es schwer, einzuschätzen, inwieweit die Entwicklung des Tumors gerade durch elektromagnetische Wellen provoziert werde.

    Wissenschaftler haben ein Schema für die Bewertung von elektromagnetischen Wellen mehrerer Typen entwickelt: von Längstwellen (3 bis 10 KHz) bis zu Ultrakurzwellen (10 MHz bis 300 GHz). Dem Einfluss solcher Wellen werden Menschen üblicherweise in ihren Büros ausgesetzt.

    Dann haben die Forscher Informationen über primäre Krebsgeschwulste und über die Nutzung von Mobiltelefonen bei etwa 4000 Personen genommen und mit einer Kontrollgruppe aus 5000 Personen verglichen. Es ging dabei um Einwohner von sieben Ländern, die in verschiedenen Branchen beschäftigt waren, unter anderem im Gesundheitswesen, in der Telekommunikation und in der Funkmessbeobachtung.

    „Es ist die bisher umfangreichste Forschungsarbeit über die Entwicklung von Tumoren und den Einfluss elektromagnetischer Strahlung, die es je gab“, sagte die Leiterin der Studie, Elisabeth Cardis. Nach ihren Worten sagen die Ergebnisse dieser Studie aus, dass es keine eindeutige Verbindung zwischen der Tumorentstehung und der elektromagnetischen Strahlung geben würde, der Menschen ausgesetzt werden – egal wie groß diese gewesen sein mag.

    Dennoch kann man Experten zufolge immer noch nicht ganz eindeutig von einer Unschädlichkeit dieser Strahlen sprechen: Unter allen Teilnehmern der Studie wurden nur zehn Prozent einer starken Ausstrahlung ausgesetzt. Und bei diesen Menschen war das Risiko der Geschwulstentwicklung etwas höher als bei den anderen.

    „Zwar haben wir keine positive Korrelation entdeckt. Aber die Tatsache, dass wir unter den Menschen, die der stärksten elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt wurden, Anzeichen eines erhöhten Risikos bemerkt haben, muss zusätzlich untersucht werden“, sagte der Experte Javier Vila.

    Die Forscher geben also Entwarnung, wollen aber noch präzisere Instrumente für die Entdeckung selbst geringster Risiken entwickeln.

    Im Mai hatten britische Wissenschaftler vermutet, dass die von Handys ausgehende Strahlung doch Krebs verursachen könnte. In den vergangenen 20 Jahren hat sich ihnen zufolge die Zahl von Glioblastomen, aggressiven Tumoren, etwa verdoppelt.

    Die Experten hatten auf der Insel fast 80.000 Tumorerkrankungen über einen Zeitraum von 20 Jahren analysiert und herausgefunden, dass im Jahr 1995 bei 1250 Menschen Glioblastom diagnostiziert worden war. Im Jahr 2015 habe die Zahl bei fast 3000 gelegen.

    Früher sind im Durchschnitt 2,4 von 100.000 Menschen daran erkrankt, heute sind es fünf von 100.000.

    Die Entstehung von Geschwulsten im vorderen Teil des Temporallappens „lässt vermuten, dass mobile und kabellose Telefongeräte zur Verbreitung von Geschwulsten beitragen könnten“, so die Forscher. Andererseits könnte es sich auch um eine bloße Koinzidenz handeln.

    „In dem Beitrag werden Beweise für den Anstieg der Zahl der Fälle angeführt, in denen eine von vielen Geschwulstarten entsteht. Diese Studie beweist nicht, dass der Anstieg durch Mobiltelefone ausgelöst wurde“, sagte der Epidemiologe Lew Schachab dazu. „Allerdings ist die Verwendung von Handys durch die Bevölkerung in dieser Zeit von 15 auf 95 Prozent gestiegen, und wir sehen keinen genauso großen Anstieg der Zahl von bösartigen Tumoren. Das zeugt davon, dass das Krebsrisiko wegen der Nutzung von Mobiltelefonen zwar etwas steigen könnte, aber nur sehr unwesentlich.“

    Tags:
    Ärzte, Forscher, Menschen, Gefahr, Risiko, Gesundheit, Ausstrahlung, Handy, Krebserkrankung, Krebs
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren