08:44 18 Oktober 2018
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    Eine Kette von Krisen erwürgt den Erdball: Wann und wo bricht Dritter Weltkrieg aus?

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    Dass die Gefahren gewaltsamer Konflikte rund um den Globus nicht weniger werden, ist nicht zu übersehen. Eher im Gegenteil: Um die Welt legt sich eine Kette von Brandherden, an denen wiedermal eine globale Katastrophe ausbrechen kann.

    Die weltweiten Konflikte entwickeln sich durch die Verschärfung regionaler Gegensätze, die von den westlichen und transnationalen Eliten genutzt werden, um dort, wo sie es brauchen, bewaffnete Auseinandersetzungen und Lokalkriege zu schüren. Diese dienen als Mittel, um Einzel- und Privatinteressen zu befriedigen, mit anschließender Durchsetzung größerer, globaler Absichten.

    Westlich von Russland werden Kriegsgefahren von den USA samt der Nato gestiftet – sowohl unmittelbar als auch durch den Einsatz von Marionetten-Regierungen. Einer aufmerksamen Betrachtung bedürfen aber auch andere Weltregionen.

    Im Süden der Nordhalbkugel gehen militärische Bedrohungen vor allem von der instabilen Lage in den zentralasiatischen Staaten aus. In den Ex-Sowjetrepubliken Tadschikistan und Usbekistan brodelt es auf Grundlage ethnischer und religiöser Probleme.

    Zudem dauern die Kriege in Syrien, Irak und Afghanistan an; zwischen den Vereinigten Staaten samt ihren Verbündeten am Persischen Golf und dem Iran nehmen die Spannungen zu; auch an der Bruchstelle zwischen Indien und Pakistan schwelen Konflikte.

    Noch keine Invasion

    Die Bürgerkriege in Syrien und Afghanistan werden sich noch über längere Zeit hinziehen, mindestens über Monate, wenn nicht über Jahre. Auch im Irak wird von Stabilität noch lange keine Rede sein können: Ungelöst ist das Kurden-Problem, das die USA für ihre Zwecke zu nutzen versuchen.

    Wenn Russland und der Iran in der Region weiter erstarken, ist mit einer Zunahme militärischer Aktivitäten aufseiten der USA, Israels und ihrer arabischen Verbündeten zu rechnen. Noch hält sich das Risiko einer massiven Invasion in Grenzen, diese Gefahr besteht dennoch.

    Im Falle, dass es dazu käme, bestünde das US-Kontingent aus folgenden Kräften: drei bis vier Flugzeugträger in Begleitung von 15 bis 20 Schiffen und 5 bis 8 U-Booten, ein oder zwei taktische Luftwaffenverbände, eine oder zwei Infanteriedivisionen mit der dazugehörigen Versorgung plus der Einsatz von 500 bis 800 Marschflugkörpern „Tomahawk“.

    Die israelischen Streitkräfte würden in die Invasion sicherlich einbezogen. Sie würden zunächst Luftangriffe fliegen, um anschließend eine Bodenoffensive zu beginnen.

    Der Iran schlägt kräftig zurück

    Es besteht die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs der Vereinigten Staaten samt der Nato, Israels und der mit ihnen verbündeten Golfmonarchien gegen den Iran. Dabei käme es zu einem recht massiven Lokalkrieg.

    Der Iran könnte eine Truppe von über einer Million Mann aufstellen. Über 300 Kampfflugzeuge und über 400 Hubschrauber aller Einsatzzwecke könnten die Truppen einsetzen. Die iranische Luftabwehr zählt rund 3.000 Fla-Systeme.

    Um in einer derart gewaltigen Auseinandersetzung zum Erfolg zu kommen, wären die USA und ihre Verbündeten gezwungen, die Luftüberlegenheit im Kampfgebiet zu erringen. Das heißt, es müsste ein Verband von mindestens 1.000 bis 1.500 Flugzeugen aufgestellt werden (darunter 400 Maschinen der Marineflieger sowie 40 bis 50 strategische Bomber).

    Es müssten sieben bis acht Flugzeugträger, 35 bis 40 Kampfschiffe einschließlich der U-Boote und ein Bodentruppenverband von 300.000 Mann entsandt werden. Die strategische Luftwaffe und Marine würde höchstwahrscheinlich 1.500 bis 2.500 Marschflugkörper einsetzen.

    Die Grundvoraussetzung für diesen Krieg wäre die Wiederaufnahme des iranischen Atomprogramms oder ein Angriff des Irans auf eine der führenden Golfmonarchien, etwa auf Saudi-Arabien.

    Hinsichtlich der Dauer eines solchen Krieges ist mit mehreren Monaten zu rechnen. Dessen Ende würde mit der völligen Zerschlagung der iranischen Streitkräfte eintreten und in einen Regimechange in Teheran münden.

    Das Risiko, dass Russland in diesen Konflikt hineingezogen würde, ist als mäßig einzustufen. Doch wäre es für die russische Führung inakzeptabel, käme direkt an Russlands Grenze eine aggressive und dem russischen Staat gegenüber feindlich eingestellte Macht auf – in eine solche würde sich der Iran nach einer US-Invasion verwandeln.

    Am Horn von Afrika

    Der Krieg in Jemen geht weiter. Die geopolitische Grundlage für diesen und andere Konflikte auf afrikanischem Boden liefert der Wettkampf der Vereinigten Staaten und Saudi-Arabiens auf der einen Seite gegen China und den Iran auf der anderen Seite um die Einflusssicherung in der Region.

    Die Voraussetzung für den Kriegsausbruch: Schwere innere Verwerfungen auf ethnischer und religiöser Basis, die von äußeren Akteuren genutzt würden, um die jeweiligen Einflussbereiche auszuweiten.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland auch in diesen Krieg hineingezogen würde, ist angesichts seiner moderaten politischen und wirtschaftlichen Beteiligung in der Region mittelfristig als eher gering zu werten.

    Dennoch: Da die russische Wirtschaft ihre Aktivitäten auch auf Afrika ausweitet, könnte es zu Situationen kommen, wo die legitimen Interessen russischer Bürger und Unternehmen auch durch Waffeneinsatz verteidigt werden müssen.

    Solcherart Eingriffe könnten mit Kräften der Luftwaffe und Marine vorgenommen werden. Es würde sich hauptsächlich um Schnelloperationen von Spezialkräften, lokal begrenzte Einsätze von regulären Truppen und um vereinzelte Luft- und Raketenschläge handeln.

    Zeitlich können sich derartige Operationen auf wenige Stunden und Tage begrenzen oder längere Zeiträume von Monaten und Jahren beanspruchen.

    Auf immer und ewig in Afghanistan

    Der Krieg in Afghanistan wird noch längere Zeit dauern, bedingt durch die fehlende Bereitschaft der Vereinigten Staaten, die eigene Niederlage anzuerkennen und das Land zu verlassen. Es fehlen zudem die Voraussetzungen für eine nationale Aussöhnung.

    Daher ist zu erwarten, dass die Versuche radikaler Islamisten aus dem arabischen und afrikanischen Raum (vor allem aber aus Syrien und dem Irak), nach Afghanistan einzudringen, zunehmen werden – umso mehr, wenn die dort bereits aktiven Terrorbanden sukzessive zerschlagen werden.

    Dies wird wiederum intensivere Kämpfe in Afghanistan zur Folge haben, aber auch die Ausweitung militärischer Konflikte über die Grenzen des Landes hinaus zeitigen, vor allem in die ehemals sowjetischen zentralasiatischen Nachbarrepubliken.

    Die instabile sozialpolitische und wirtschaftliche Lage multipliziert mit den tiefen ethnischen und religiösen Spaltungen schafft in Afghanistan regelrecht einen Nährboden für die Ausweitung bewaffneter Konflikte, hauptsächlich im Inneren.

    Verschärft wird die Lage durch die USA mit der Absicht, den Aufbau und die Nutzung der „neuen Seidenstraße“ zumindest zu erschweren, wenn nicht zu verhindern, und damit auch den Einfluss Chinas und Russlands einzudämmen.

    Ihrem Wesen und Ursprung nach würden solcherart Konflikte denen in Afrika ähneln. Nur dass in diesem Fall die Wahrscheinlichkeit einer russischen Beteiligung sehr hoch wäre, ja die Beteiligung wäre fast unvermeidbar: Russland ist in die Verteidigungspolitik der zentralasiatischen Republiken durch den Vertrag über kollektive Sicherheit eingebunden.

    Nicht auszuschließen ist, dass auch China, welches mit der regionalen Wirtschaft mittlerweile eng verflochten ist, in den Konflikt hineingezogen würde. Russland jedenfalls wäre mit mehreren tausend Mann und zwei oder drei Luftwaffengeschwadern am Konflikt beteiligt. Das Kontingent könnte unter Umständen auf die Größe einer Sondereinsatzbrigade aufgestockt werden.

    Streit um die Inseln

    In Fernost sind die koreanische Halbinsel und die umstrittenen Gebiete die größten Krisenherde. Die Gebietsstreitigkeiten in der Region – hauptsächlich zwischen Japan und China, Japan und Russland sowie zwischen China und Taiwan – verursachen auch mittelfristig Spannungen.

    Gefährlich sind diese Interessenkollisionen, weil sie rasant eskalieren können – bis hin zu einem umfassenden regionalen und dann auch globalen Konflikt, weil der Zusammenstoß der drei Machtzentren USA, China und Russland in dieser Region unvermeidlich ist.

    Die Wahrscheinlichkeit solcher Konflikte ist jedoch als gering einzuschätzen. Käme es aber dazu, würden alle Seiten massive Kräfte auffahren, die sich vor allem auf die Luftwaffe und Marine stützen würden. Tempo und Intensität würden diese Kämpfe auszeichnen: wenige Tage bis höchstens drei Wochen würden sie dauern.

    Die Arktis

    Auch die Nordpolarregion birgt Gegensätze, die in einem Krieg ausbrechen könnten. Dies liegt hauptsächlich an der Neuaufteilung der Einflusssphären in dieser Region, die durch das Völkerrecht nur lückenhaft geregelt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die USA fordern, die Nordostpassage entlang der russischen Küste unter internationale Kontrolle zu stellen.

    Angesichts der exklusiven strategischen, wirtschaftlichen und logistischen Stellung dieser Region spitzen sich die darin konzentrierten Interessengegensätze zu. Es sind vor allem Russland und die USA samt den Nato-Verbündeten, die um den Einfluss in der Arktis rivalisieren. Selbst ein relativ kleiner Konflikt in der Nordpolarregion beinhaltet daher das Risiko, rasch zu einem Krieg der Rivalen zu werden, der womöglich nuklear eskalieren könnte.

    Die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts in der Arktis ist insgesamt gering, zumal die Kampfhandlungen in diesem Gebiet angesichts seiner klimatischen und geologischen Bedingungen nur von eigens darauf ausgelegten Spezialeinsatztruppen und sowie kleineren Luftwaffen- und Marineverbänden geführt werden könnten.

    Die Kämpfe würden sich hautsächlich zu Wasser und in der Luft abspielen, sie wären intensiv und würden rasch verlaufen. Dabei wären die Rivalen darum bemüht, den Konflikt in Grenzen zu halten und schnellstmöglich zu beenden, um keine Eskalation zu provozieren.

    Krach im Hinterhof

    Nicht zu vergessen ist Lateinamerika, eine Region, in der auch Russland Verbündete hat. Der größte hiesige Konflikt besteht darin, dass einige Länder Südamerikas es darauf abzielen, aus der Obhut ihres großen nördlichen Nachbarn – der USA – herauszutreten.

    Es handelt sich dabei um durchaus große Volkswirtschaften wie Brasilien, Argentinien oder Venezuela. Inzwischen kann man feststellen, dass die USA die Kontrolle über ihren „Hinterhof“ verloren haben – und sich damit nicht abfinden können.

    Indem sie die inneren Widersprüche dieser Länder und die Gegensätze zwischen den jeweiligen Staaten ausnutzen, versuchen die USA, die Kontrolle vor allem durch den Sturz unliebsamer Regierungen und den Austausch der Eliten zurückzuerobern.

    Deshalb werden die Konflikte in Südamerika auf kurze und mittelfristige Sicht als Hybridkriege ausgetragen. Zur Durchsetzung ihrer Interessen werden die Vereinigten Staaten vor allem die sog. fünfte Kolonne einsetzen.

    Ein anschauliches Beispiel dafür sind die Länder Brasilien und Argentinien, wo die Führungsspitzen bereits ausgetauscht worden sind, die einen Kurs der souveränen Entwicklung des Landes eingeschlagen hatten.

    Auf das gleiche Ziel wird auch die Entwicklung in Venezuela zugesteuert. Die plötzlich aufgeflammte „Liebe“ der Vereinigten Staaten zu Kuba lässt erahnen, dass auch auf der Karibikinsel etwas Ähnliches ansteht.

    Mittelfristig ist das Aufflammen gewaltsamer Konflikte in der Region durchaus zu erwarten. Dass die USA dabei versuchen würden, die Auseinandersetzungen durch Einbezug von Verbündeten zu „internationalisieren“, ist anzunehmen.

    Russland würde dabei – angesichts eigener geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen – mit einigen Kräften der Luftwaffe und Marine sicherlich einschreiten, zumindest aber durch militärische Präsenz Flagge zeigen.

    Russland gegen Russland

    Besonders zu beachten ist das Risiko von gewaltsamen Auseinandersetzungen oder gar Bürgerkriegen innerhalb der Groß- und Regionalmächte selbst.

    Sehr hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation wegen des ungelösten Kurden-Streits in der Türkei. Die Gründung eines kurdischen Staates durch Abspaltung syrischer und irakischer Gebiete könnte die Lage sprengen.

    Das Risiko, dass Russland in die Lage kommen könnte, sich an diesem Krieg beteiligen zu müssen, ist relativ gering. Das hat geopolitische und vor allem wirtschaftliche Gründe – man denken nur an den Turkish Stream.

    Es wäre übrigens schlicht leichtsinnig, den Ausbruch eines gewaltsamen Konflikts auf russischem Territorium auszuschließen. Ein solcher Konflikt ist schon auf kurze Sicht denkbar, und er könnte zu einem veritablen Bürgerkrieg eskalieren.

    Ganz offensichtlich versuchen Akteure von außen, die wirtschaftliche Situation in Russland ebenso auszunutzen wie die Fehler der russischen Regierung bei der Bewältigung innerer Widersprüche. Die Anzeichen, dass die Nato unter US-Führung sich unmittelbar auf eine Intervention in Russland vorbereitet, sind inzwischen deutlich zu sehen.

    Konstantin Siwkow, Vize-Präsident der Russischen Akademie für Raketen- und Artilleriewesen.

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    Militarismus, Kriegsgefahr, Forschung, Ort, Beginn, Dritter Weltkrieg, NATO, Indien, Nahost, Afghanistan, Pakistan, Afrika, Irak, Syrien, Lateinamerika, Südamerika, Iran, Taiwan, Arktis, Europa, Asien, China, Russland, USA