09:21 22 August 2018
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    Der Senator Rand Paul (r.)

    Ein neuer smarter Typ: Trumps möglicher Nachfolger kommt nach Moskau

    © REUTERS / aron P. Bernstein
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    Ein Republikaner mit festem Sinn für US-Interessen – und doch kein Hardliner, kein Tölpel: Der Senator Rand Paul kommt am Montag nach Moskau. Was zeichnet den 55-jährigen Politiker und möglichen Trump-Nachfolger aus?

    Er ist einer der nur zwei Senatoren, die entgegen Hunderten ihrer Kollegen im vergangenen Jahr gegen die Ausweitung der Russland-Sanktionen stimmten. Ende Juli, bereits nach dem Helsinki-Gipfel, hat Rand Paul bekanntgegeben, nach Moskau reisen zu wollen.

    „In nur wenigen Wochen fahre ich persönlich nach Russland, als Versuch, Anknüpfungspunkte mit der russischen Führung zu diskutieren und eine weitere unnötige Spannungseskalation zu vermeiden“, sagte er. Vorher möchte er sich aber mit Präsident Trump beraten, um die Reise erfolgreich zu gestalten und die Beziehungen zu verbessern. „Es könnten Millionen von Menschenleben auf dem Spiel stehen“, so der US-Senator.

    Die Reaktion aus Russland klingt so, als würde der US-Politiker bei seinen russischen Kollegen damit offene Türen einrennen: „Auf dem Programm beim Besuch der US-Delegation stehen Begegnungen in der Duma und im Außenministerium. Auch eine Reise nach Sankt-Petersburg wird anvisiert“, sagte Konstantin Kossatschew, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Föderationsrat. Bei der Zusammenkunft würden unter anderem Fragen der russisch-amerikanischen Beziehungen erörtert.

    Vor einem Monat erst ist eine US-Delegation zu Besuch im russischen Parlament gewesen, doch ist die Reise von Senator Rand Paul ein markanteres Ereignis. Das hat vor allem damit zu tun, dass Paul nicht nur ein charismatischer, sondern womöglich auch einer der unabhängigsten Politiker im US-Establishment ist.

    Er vertritt zwar weniger radikale Ansichten als sein Vater, der ehemalige Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Ron Paul. Aber nachdem er seinen Arztberuf zugunsten der Politikerkarriere aufgegeben hatte, wurde er auf Anhieb zum Star der Tea-Party-Bewegung.

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    2016 kandidierte er für das Amt des US-Präsidenten. Dies hätte seine Sternstunde werden sollen. Er trat nicht nur als einer der smartesten Typen unter den Kandidaten auf, sondern positionierte sich auch als vehementer Establishment-Kritiker und Gegner des Washingtoner Sumpfs.

    Die Umfragen verhießen dem Republikaner Paul einen erfolgreichen Ausgang des Präsidentschaftswahlkampfs. Aber dann tauchte Donald Trump auf. Er zog dem Senator die Wahlkampfthemen unter den Füßen weg.

    Auch war Paul längst nicht so taff und nicht so griffig wie der New Yorker Immobilienmogul. Trump hatte enorme Erfahrung im Showgeschäft, während für Paul der Wahlkampf sein erster wirklich massenwirksamer Auftritt war.

    Wie war das nochmal mit Moskau und Peking, fragte sich wohl ein durchschnittlicher Wähler der Republikaner, nachdem er eine Rede von Paul über „die Notwendigkeit einer guten Beziehung mit Russland und China“ gehört hatte. Trump formulierte es dagegen klipp und klar: „Ich will mit Putin klarkommen“.

    Wer das Rennen machte, ist bekannt. Paul wurde als Senator bestätigt, seinen Traum von der Präsidentschaft gab er aber nicht auf. Er ist ja erst 55 und hat noch alles vor sich. Dabei tritt er weiterhin auch in heiklen Fragen in der Innen- und  Außenpolitik sehr unabhängig auf.

    Er war einer der beiden Senatoren, die im Juli letzten Jahres gegen das Sanktionsgesetzt stimmten, welches eine Ausweitung von „Strafmaßnahmen“ gegen Russland, den Iran und Nordkorea vorsieht. Und vier Monate zuvor hatte er die Aufnahme Montenegros in die Nato abgelehnt.

    Da hieß es vom Kollegen McCain, Senator Paul „arbeitet für Putin“. Tatsächlich ist es nicht der russische Präsident – und es ist auch nicht der amerikanische –, für den sich der Senator aus Kentucky einsetzt. Er arbeitet einzig für sich und für US-Interessen.

    Ja, seine Vorstellung von Amerika geht in die von Trump vorgegebene Richtung. Das macht den Senator Rand Paul zu einem durchaus möglichen Nachfolger des derzeitigen US-Präsidenten für 2024.

    Deshalb ist seine erste Reise nach Russland so wichtig. Er wird unser Land zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen und wir bekommen die Gelegenheit, den Präsidentschaftskandidaten näher kennenzulernen.

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    Tags:
    Kandidat, Strafmaßnahmen, Kritik, Delegation, Besuch, Sanktionen, Nachfolger, Rand Paul, Donald Trump, Nordkorea, China, Russland, USA
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