20:25 16 Oktober 2018
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    Paramilitärische Einheiten in der Zentralafrikanischen Republik (Symbolbild)

    Journalisten-Tod in Afrika: Welche Verantwortung trägt Kremlkritiker Chodorkowski?

    © AP Photo / Jerome Delay-File
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    Orchan Dschemal, Alexander Rastorgujew und Kirill Radtschenko, die in der Zentralafrikanischen Republik getötet wurden, hätten vor ihrem tragischen Tod eigentlich nach Syrien reisen sollen. Doch kurzfristig hat das Ermittlungs-Kontroll-Zentrum von Michail Chodorkowski, für den die Journalisten arbeiteten, ihre Reisepläne geändert.

    Das ist nicht der einzige merkwürdige Aspekt dieser Geschichte, der unmittelbar mit der Frage verbunden ist, ob Michail Chodorkowski für diese Tragödie verantwortlich ist.

    Der Chefredakteur des Ermittlungs-Kontroll-Zentrums, Andrej Konjachin, sagte dem Chefredakteur des Radiosenders „Echo Moskwy“, Alexej Wenediktow, dass die Journalisten zunächst einen Film über russische Söldner in Syrien drehen wollten. Doch bei der Vorbereitung der Dienstreise kam das Ermittlungs-Kontroll-Zentrum unerwartet zum Schluss, dass sich das Zentrum der Interessen Russlands aus Syrien in andere Länder verschiebt. Darüber habe fast niemand in Russland geschrieben, so Konjachin.

    Allerdings war das wohl nur für die Analysten von Chodorkowski eine Überraschung, weil viele Medien – sowohl russische als auch ausländische – im Frühjahr viele ausführliche Materialien über die Beziehungen zwischen Russland und der Zentralafrikanischen Republik, die Waffenlieferungen und die Entsendung der russischen Ausbilder veröffentlichten. Das Zusammenwirken zwischen beiden Ländern ist kein Geheimnis. Zudem war der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Faustin-Archange Touadéra, bereits im Herbst 2017 nach Sotschi zu Verhandlungen mit der russischen Seite gereist.

    Darüber hinaus kam es zu organisatorischen Problemen mit Syrien. „Wir gab einige Ereignisse. Erstens konnten wir die Logistik mit Syrien einfach nicht herstellen“, sagte Konjachin. Es stellte sich heraus, dass für die Dreharbeiten eine Akkreditierung nötig ist. Das Zentrum hatte keine Akkreditierung. „Via inoffizielle Wege dorthin zu gelangen, war mit großen Risiken und Schwierigkeiten verbunden“, so Konjachin. „Wir haben damals dennoch beschlossen, mit der Zentralafrikanischen Republik zu beginnen und danach dorthin zurückzukehren.“

    In die Zentralafrikanische Republik begaben sich die Journalisten ebenfalls über inoffizielle Wege, mit einem Touristenvisum und ohne Akkreditierung.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Journalistenmord in ZAR: Leichen von Opfern nach Moskau gebracht

    Zu teuer für Chodorkowski

    Bei dem einzigen Vertrauensmann für die Journalisten in Zentralafrika soll es sich um den Holländer Martin handeln, der sich als Mitarbeiter der UN-Mission vorstellte und versprach, der Gruppe vor Ort zu helfen. Jetzt erklärt die Uno, dass sie in Zentralafrika keinen Mitarbeiter namens Martin hat. Mit wem Konjachin sprach, zu wem er die drei Journalisten schickte – das ist die große Frage.

    „Martin half uns mit der Unterbringung, denn dort gibt es einfach keine Hotels. Selbst in Bangui gibt es nur zwei Hotels, und die Preise sind wahnsinnig hoch. Und wir wollten dort länger bleiben, mehr als zwei Wochen unter Berücksichtigung der Check-Points. Er fand für uns ein Haus, diesen Fahrer“, so Konjachin.

    Doch eine elementare Suche im Internet zeigt, dass es in Bangui mindestens sieben Hotels gibt. Natürlich sind die Preiskategorien verschieden, doch es ist merkwürdig, dass für Menschen, die von Chodorkowski finanziert werden, der Preis von 61 Dollar pro Nacht in einem 3-Sterne-Hotel wahnsinnig teuer ist. So viel kostet beispielsweise eine Nacht im National Hotel Bangui.

    Ermittlungs-Kontroll-Zentrum kontrolliert jeden Schritt

    Konjachin ist keine zufällige Person im Recherche- und Kriegsjournalismus. Wie der ehemalige Chefredakteur der Zeitung „Kommersant“, Michail Michailin, schreibt, wusste Konjachin, wie Reisen in Kriegsgebiete organisiert werden müssen.

    Nun erklärt Konjachin, dass die Drehgruppe selbstständig in Zentralafrika agierte, dort gebe es fast keine Verbindung, man habe von dieser Reise kein einziges Foto bekommen, so Konjachin. Doch die Freunde der Ermordeten sind anderer Meinung. Die Kriegsreporterin Nadeschda Keworkowa, die im ständigen Kontakt mit Dschemal Orchan stand, sagte zu „Echo Moskwy“, dass „diese Reise sehr gut organisiert war. Ich kenne die Einzelheiten, wie sie organisiert wurde.“ „Absolut alle Einzelheiten, die nicht nach Plan liefen, berichteten sie dem Stab des Zentrums. Alles wurde besprochen, alles war unter Kontrolle“, so Keworkowa.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Nach Tod russischer Journalisten in Zentralafrika: Moskau nennt Ziel der Attacke

    Noch mehr über die Rolle Konjachins und des Ermittlungs-Kontroll-Zentrums bei der Tragödie erfährt man aus einem Artikel in „Corbeau News“. „Als sie am Montag in der Stadt Sibiu eintrafen, trafen sie sich mit Soldaten der nationalen Armee Zentralafrikas FACA, fünf Kilometer von der Stadt entfernt. Die Soldaten kannten die Gegend und empfahlen ihnen, nicht in der Nacht zu fahren, doch die Journalisten telefonierten mit jemandem von den Landsleuten und sagten dann, dass es keine reale Gefahr auf dem Wege gebe und sie fahren können. Die Soldaten ließen sie zwischen 23:27 Uhr und Mittenacht fahren“, zitiert „Kommersant“ die örtliche Zeitung.

    Also behaupten enge Freunde Dschemals, dass das Kamerateam im ständigen Kontakt mit dem Stab war, das Zentrum soll ihre Schritte kontrolliert und koordiniert haben. Eine örtliche Zeitung erfuhr bei der Untersuchung, dass gewisse „Landsleute“ das Kamerateam in diesen Hinterhalt schickten. Nur Konjachin sagt, dass es fast keine Verbindung nach Zentralafrika gibt.

    Konjachin erklärte bereits, dass er selbst nach Zentralafrika fahren will, um den Mord in Eigenregie zu untersuchen.  Allerdings nicht jetzt. Denn er will und kann nicht mit einem Touristenvisum, wie die Ermordeten, reisen. „Ich kann nicht – weil der Botschafter in Urlaub ist und keine Visa ausgestellt werden“, sagte er. Dennoch ist nicht ganz klar, was der Botschafter mit der Visaerteilung zu tun hat, denn die Visa werden direkt am Flughafen für 50 Dollar in den Pass gestempelt.

    Kojnachin beschloss, einen Antrag auf Arbeitsvisum einzureichen. Ohne Eile. „Ich werde damit in der nächsten Woche beginnen – mich aktiver mit meiner Reise und der Reise meiner Kollegen befassen, weil ich nicht allein fahre“, sagte Konjachin. Der Angestellte von Chodorkowski ist offenbar doch nicht so naiv und unvorbereitet, wie es zunächst schien.

    Falls der tragische Ausgang dieser Dienstreise nicht das Ergebnis der fehlenden Erfahrung und organisatorischer Fehler war, stellt sich direkt die Frage nach böswilliger Absicht, die zum Tod der Journalisten führte.

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    Kritiker, Kreml, Verantwortung, Ermittlung, Akkreditierung, Tod, Journalisten, Orchan Dschemal, Kirill Radtschenko, Alexander Rastorgujew, Michail Chodorkowski, Zentralafrikanische Republik, Syrien, Russland