12:40 14 August 2018
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    Flaggen von Russland und Griechenland (Archiv)

    Skandalmacher: USA treiben Keil zwischen Russland und Griechenland – Experten

    © REUTERS / Michalis Karagiannis/File Photo
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    Der jüngste diplomatische Skandal zwischen Moskau und Athen ist auf hoher Ebene provoziert worden. Dafür soll niemand geringerer als der US-Botschafter in Griechenland Geoffrey Pyatt verantwortlich sein. Aber warum und mit welchen Methoden bemüht sich Washington, Unstimmigkeiten in den Beziehungen mit den Griechen auf die Spitze zu treiben?

    In Athen hielt man Moskaus Antwort auf die jüngste Ausweisung von mehreren russischen Diplomaten aus Griechenland für eine „Antwort nach dem Spiegelprinzip“ und damit für angemessen. Eine Quelle in den griechischen Regierungskreisen zeigte im Grunde Verständnis dafür und betonte, dass zwar „diplomatische Mitarbeiter, aber keine Diplomaten“ ausgewiesen worden seien.

    Über die Entscheidung Moskaus, mehrere Griechen zur „persona non grata“ zu erklären, wurde gestern bekannt. Dabei blieben die Mitarbeiter der wichtigsten, nämlich der „politischen“ Sektion der Botschaft, die aus nur fünf Personen besteht, unberührt. Somit müssen ein Handelsvertreter und der Chef des Kommunikationsdienstes der griechischen Botschaft das Land verlassen. Zudem wurde dem  Leiter des politischen Büros des griechischen Außenministers, Giorgos Sakellariou, die Einreise nach Russland verboten, der als einer der engsten Vertrauten des Außenamtschef Nikos Kotzias gilt.

    Nach Angaben der russischen Zeitung „Kommersant“ darf neben Sakellariou ein weiterer Grieche Russland nicht mehr besuchen. Um wen genau es sich dabei handelt, ist unbekannt. Damit hat Moskau den Schritt Athens absolut angemessen beantwortet: Zwei Personen wurden für unerwünscht erklärt und gegen zwei Personen wurde ein Einreiseverbot verhängt. Die Griechen müssen Russland bis Samstag verlassen.

    Der beispiellose diplomatische Skandal nahm am 11. Juli seinen Lauf, als die griechische Zeitung „Kathimerini“ über die Ausweisung von zwei russischen Diplomaten und über das Einreiseverbot für zwei weitere berichtete. Ihnen wurde Einmischung in die inneren Angelegenheiten Griechenlands und Gefährdung seiner nationalen Sicherheit vorgeworfen. Unter den wichtigsten Gründen für diesen Streit wurde unter anderem das jüngste Abkommen zwischen Griechenland und Mazedonien über die Umbenennung des Letzteren erwähnt, die Moskau nicht gerade enthusiastisch wahrgenommen hat.

    In diesem Zusammenhang wurde der für kommenden Herbst geplante Griechenland-Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow abgesagt. Der Skandal zog weitere Kreise, nachdem die Sprecherin des russischen Außenamtes, Maria Sacharowa, vermutet hatte, Athen hätte die Ausweisung der Russen auf Druck von außerhalb beschlossen. Die Griechen dementierten jedoch diese Behauptung.

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    In einer entsprechenden Pressemitteilung des russischen Außenministeriums wurde direkt auf die Verbindung der jüngsten Ereignisse mit dem Nato-Gipfel am 11. und 12. Juli verwiesen. „Es ist offensichtlich, dass hinter diesem antirussischen Beschluss der griechischen Regierung, die der Eröffnung des Nato-Gipfels gewidmet war, Washington steht, das diese Aktion in einer Erklärung des US-Außenministeriums offen unterstützte“, so die russische Diplomatie. Die Sprecherin des US-Außenamtes, Heather Nauert, bezeichnete Athens Vorgehen als „Verteidigung der griechischen Souveränität“.

    Während aber die Griechen bei dem verbalen Schlagabtausch mit Sacharowa behaupteten, selbstständig zu handeln, verriet eine Quelle der Regierung in Athen gegenüber Sputniknews etwas anderes: Die Griechen sollen gar nicht gewollt haben, dass die Information über den Konflikt mit Moskau an die große Glocke gehängt wird. Nach dem Bericht in der Zeitung „Kathimerini“ konnten die Seiten „die Entwicklung der Situation nicht mehr kontrollieren“ und der Konflikt sei quasi losgegangen.

    „Kathimerini“ gelte als prowestliche Zeitung. Deshalb sei nicht auszuschließen, dass das Informationsleck auf die US-Botschaft in Athen zurückzuführen sei, zeigte sich der Insider überzeugt. Zudem hatten die westlichen Länder Griechenland unter Druck gesetzt, damit es nach dem so genannten „Fall Skripal“ auch russische Diplomaten ausweise. „Die Anspannung der Beziehungen entspricht nicht den Interessen Griechenlands oder Russlands“, so die Quelle.

    Ihr zufolge hatte Athen vor dem Moskau-Besuch Kotzias‘ im Juni keinen solchen Plan – sonst hätte der Besuch gar nicht stattgefunden. „Das Treffen Kotzias‘ und Lawrows war hervorragend – dabei wurden sehr viele Fragen erörtert. Auch Kotzias‘ Treffen mit dem Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, sei sehr gut verlaufen.

    Wenn es stimmt, dass hinter dem „Kathimerini“-Bericht über die Ausweisung der Russen aus Griechenland die US-Botschaft steht, dann stellt sich sofort die Frage: Wie konnte diese Information überhaupt in die Hände der Amerikaner geraten? Natürlich könnte es sich dabei um einen glänzenden Einsatz der US-Geheimdienste handeln. Aber viel wahrscheinlicher ist, dass die Griechen diese Information den Amerikanern selbst zur Verfügung gestellt haben – trotz ihrer Behauptungen, sie würden selbstständig handeln.

    Experten haben keine Zweifel daran, dass hinter diesem Skandal die USA stehen, die daran unmittelbar interessiert sind, dass sich Moskau und Athen zerstreiten. So erzählte der griechische Reporter des Senders Mega TV, Athanasius Avgerinos, dass in Griechenland nichts ohne die Kontrolle seitens des US-Botschafters Geoffrey Pyatt passiere: „Seine Aktivitäten kann man nicht übersehen, selbst wenn man blind ist.“ Die griechischen Geheimdienste hätten es einfach nicht gewagt, die Russen ohne Zustimmung der Amerikaner auszuweisen, zeigte sich Avgerinos überzeugt. „Hier wissen viele, dass die amerikanische Seite beschlossen hat, ihre griechischen Freunde sehr aufdringlich zu bitten, Maßnahmen zu ergreifen. Leider wird Griechenland zu einem offensichtlichen amerikanischen Protektorat in der Region. Obwohl unsere Regierung sich große Mühe gibt, das zu verbergen, glaubt kaum noch jemand daran. Nicht die gesamte griechische Führung hat sich dieser Linie untergeordnet, aber der größte Teil unserer regierenden Elite tut nichts dagegen“, so der Reporter.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Zivilisiert mit Russland statt Diplomatenausweisung – Ex-Botschafter Meyer-Landrut

    Die Anstrengungen der Amerikaner um die Streitigkeiten zwischen Moskau und Athen führte er auf die Absicht der US-Diplomatie zur Festigung der für sie nötigen Ordnung auf dem Balkan zurück. Vor allem gehe es darum, dass Mazedonien baldmöglichst Nato-Mitglied werden und dass Serbien unter Druck gesetzt werden soll.

    Die Amerikaner seien an „einer einheitlichen antirussischen Front“ auf dem Balkan interessiert, erläuterte Avgerinos. „Russlands traditionelle Verbindungen mit dem Balkan sind allgemein bekannt. Auch die Festigung der Positionen der russischen Diplomatie in der Region ist offensichtlich. Deshalb war das ein Versuch der Amerikaner, dies einzudämmen.“

    Inzwischen sind mehr als 60 Prozent der Einwohner Griechenlands laut Umfragen gegen den Nato-Beitritt ihres Landes, ebenso wie gegen die EU. Gleichzeitig empfinden die Griechen immer mehr Sympathie für Russland, „und deshalb arbeitet Herr Pyatt so aktiv an der Veränderung dieser Situation“, so Avgerinos.

    Der Präsidiumsvorsitzende des Russischen Rats für Außen- und Verteidigungspolitik, Fjodor Lukjanow, zeigte sich überzeugt, dass sich Moskau „absolut umsonst auf diese ganze Hysterie eingelassen hat“ und „mit einem Land im Clinch liegt, das uns gegenüber im Prinzip positiv eingestellt ist“.

    Kyrill Koktysch von der Moskauer Hochschule für internationale Beziehungen (MGIMO) sagte, dass das Vorgehen der Amerikaner, das zu derartigen Informationsverlusten führe, Teil der Informationspolitik sei, die es noch im Römischen Reich und im antiken Griechenland gegeben habe. „In neun von insgesamt zehn solchen Fällen sind solche ‚Informations-Leaks‘ nichts als Imitation und absichtliche und nachvollziehbare Informationspolitik“, so der Experte. Auf solche Methoden greifen nicht nur die USA, sondern auch viele andere Länder zurück. „Das ist ein universaler Trick. Und es gibt im Grunde keine richtige Gegenwehr gegen solche Methoden“, so Koktysch.

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    Tags:
    Ausweisung, Diplomaten, Einmischung, Entscheidung, NATO, Geoffrey Pyatt, Maria Sacharowa, Nikos Kotzias, Sergej Lawrow, Balkan, Griechenland, USA, Russland
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